Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit….

Die einzigen Konzepte, um die Realität zu überprüfen beziehungsweise ihr zu begegnen, sind Wissen und Glauben. Erstaunlich ist, dass im 21. Jahrhundert, einer Zeit eines ungeheuren Wissenszuwachses, der Glaube den Gang der Dinge bestimmt und nicht das Wissen. Alles, was wir derzeit an Katastrophen erleben, hängt weitgehend mit Glaubenssystemen zusammen. Statt auf Grund unseres Wissens Verständnis für Kulturunterschiede zu haben und Kooperation in den Vordergrund zu stellen, steht religiöser Fundamentalismus jeglicher Couleur einer offensichtlich immer kleiner werdenden Gruppe einer nachdenklichen Wissenschaftsgesellschaft gegenüber. Zu den religiösen Fundamentalisten zähle ich auch die Vertreter des abgehobenen und genauso engstirnigen Glaubens, dass der westliche Mensch und vor allem sein kapitalistisches Wirtschaftssystem die Krone der Schöpfung sei. Der religiöse islamische Fundamentalismus, der gerade eine ganze Region zerstört, beruft sich auf den Glauben, um unglaubliche Grausamkeiten zu rechtfertigen. Er hat sich zu einer Attraktion für eine verlorene Generation ungebildeter junger Männer entwickelt, die in der westlichen Kultur nicht Fuß fassen konnten oder deren gesellschaftliches Fortkommen auf Grund der autoritären religiösen Regime in ihren Heimatländern nicht viele Alternativen bietet.
Gerade dieser in den letzten beiden Jahrzehnten gewachsene Fundamentalismus hat sehr viel mit dem Neokolonialismus der Vereinigten Staaten, die inzwischen die ganze Welt und nicht nur Mittel- und Südamerika für ihren Hinterhof halten, zu tun. Und gerade in Amerika existiert ein ausgeprägter Fundamentalismus unter den evangelikalen Christen. Die große Mehrheit der Evangelikalen träumt von einem Staat, der ähnlich den islamischen Mullah – Republiken, den Normen ihres Glaubens zu folgen hat und im besten Fall von einem evangelikalen Prediger geführt wird. Die große Mehrheit der Evangelikalen ist gegen die Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, gegen pluralistische Lebensstile, homophob, für die Todesstrafe und gegen staatliche Sozialmaßnahmen. Die Evolutionsgeschichte wird abgelehnt, es gilt nur als richtig, was in der Bibel steht. Ihre Einstellung ist nicht primär rassistisch, sondern vorwiegend ethnozentristisch: Einwanderer bedrohen durch ihre fremden Kulturen den „American way of life.“ Der islamische Glaube wird prinzipiell, nicht nur tendenziell abgelehnt. Die Terroranschläge in New York werden apokalytisch/ eschatologisch, als Vorzeichen des Anbruchs einer neuen Weltordnung interpretiert. Etwa 58 Prozent der weißen Evangelikalen in den USA glauben, dass Jesus bis 2050 wiederkehren werde. Darüber hinaus – wohl aus dem calvinistischen Schatzkästchen der Selbstüberschätzung entliehen – sind führende Vertreter der Evangelikalen der Meinung, dass Christus eine Vorliebe für reiche Steuerzahler habe und Eigentum ist für viele populäre Vertreter der Evangelikalen ebenso gerechte Privatsache wie die Erlösung, die den Reichen eher zukommt. Reichtum wird als eine persönliche Auszeichnung angesehen. Also – die Reichen sind die Guten und die Armen sind arm, auf Grund ihrer Sündhaftigkeit. Dass gerade diese Gruppe in Amerika großen Einfluss hat, liegt also nicht nur an ihrer Zahl, es handelt sich immerhin um mehr als ein Viertel der Bevölkerung  (26%), es passt auch zum kapitalistischen Menschenbild.                                                                                                  Die christliche neue Rechte der Vereinigten Staaten besteht mehrheitlich aus Evangelikalen. Vertreter sind beispielsweise:
James Dobson.  Dobsons Eltern waren reisende Evangelisten der „Kirche des Nazareners“ die in kleinen Städten des Südwestens Erweckungsveranstaltungen durchführten. Er studierte Psychologie und gestaltet eine  amerikaweit verbreitete Radiosendung zum Thema Familie und Erziehung. In seinem Buch  „Dare to Discipline“, betonte Dobson den Wert von Autorität in der Erziehung. Körperliche Bestrafung sollte jedem kindlichen Ungehorsam folgen und nicht etwa als letztes Mittel angewandt werden.
Franklin Graham, evangelikaler Pastor und Sohn von Billy Graham. Graham geriet ins Kreuzfeuer der Kritik, als er nach den Anschlägen vom 11. September 2001 den Islam als „böse und teuflisch“ bezeichnete. Er war ein Befürworter des Krieges  gegen den Irak. Er sagte in einem Interview, er sehe es als Problem an, dass Präsident Barack Obama Sohn eines Muslims sei. Die Saat des Islam sei durch seinen Vater auf ihn übergegangen.

Nach George W. Bush, der ebenfalls den Evangelikalen angehört (von Gott geläuterter Alkoholiker), ist zumindest vorerst die politische Vorherrschaft weißer Christen zu Ende gegangen. Obama wurde mithilfe einer Koalition aus Minderheiten und nicht kirchlich gebundenen Bürgerinnen und Bürgern gewählt. 79 Prozent derer, die den Republikaner Mitt Romney wählten, waren dagegen weiße Christen, davon die Hälfte Evangelikale. Und sie formieren sich wieder gegen die Demokraten. Zu den Tea Party Anhängern, die mit zum Teil paranoiden, zum Teil rechtsradikalen Ideen Politik machen, zählen sich inzwischen 18 % aller Amerikaner.
Also so betrachtet, und ich denke, da werden mir auch religiös eingestellte Mitteleuropäer recht geben: Hüben wie drüben feiert die Irrationalität fröhliche Urstände. Auch Österreich bleibt davon nicht verschont. In meinem letzten Blogbeitrag habe ich mich mit den Heilsversprechen der selbsternannten Gesundheitsapostel und deren wirtschaftskämmerlicher Vertretung befasst. Diese Anerkennung durch eine Kammer (auch wenn es in Wirklichkeit nur um die Abschöpfung der Kammerbeiträge geht) gibt dem, was lediglich auf Wunschdenken und Glauben beruht, einen offiziellen Anstrich und dadurch Glaubwürdigkeit. Dasselbe gilt für Politiker, die im Fernsehen erzählen, dass sie zur Abwehr von Schaden einen Quarzkristall auf das Fernsehgerät stellen. Soviel Dummheit ist wirklich schwer zu ertragen.
Und Politiker, deren Ideologie auf Grundsätzen beruht, die mit der conditio humana nur ganz am Rande zu tun haben und die dann auch nur für den arischen Teil der Bevölkerung gelten, sind mir sowieso höchst suspekt. Vor allem dann, wenn deren Parlamentsclub offiziell von einer Wahrsagerin beraten wird und der Chef der Partei an Chemtrails und Kornkreise glaubt. Wenn er dann auch noch den Einfluss der Ausländischsten aller Ausländer, nämlich der Ausserirdischen in diesem Zusammenhang nicht unbedingt in Abrede stellt, stellen sich bei mir die Haare auf. Die FPÖ ist in Hinsicht auf fundamentalistisches und esoterisches Glaubensgut ein wahrlich herausragender  Vertreter all der Gruppierungen, die noch nicht in der Neuzeit angekommen sind. Ja, es scheint, dass  sie nicht einmal die Zeit der Inquisition und der Hexenprozesse hinter sich gelassen haben.
Aber wir werden sehen. Übermorgen ist in Oberösterreich Wahlsonntag. Ob der Clash of Civilisations schon bevorsteht ?

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