Das Foucaultsche Pendel

Der Verfasser obigen Romanes, übrigens eines meiner Lieblingsbücher, Umberto Eco, hat bei der Wiederwahl Berlusconis sinngemäß gesagt: Es ist wie bei den jungen Katzen, man muss ihnen erst ein paarmal die Schnauze in die Scheiße tauchen, bevor sie kapieren was gut und schlecht ist.
Jetzt hat das politische Pendel deutlich nach rechts ausgeschlagen. Eine Partei, deren Vorgänger schon einmal mehr oder weniger erfolgreich waren, hat wieder gepunktet und nicht zu knapp.
Dass die Regierungsbeteiligung der Vorgängerpartei im Bund und in Kärnten einen Skandal erster Güte verursachte und man im nachhinein festgestellt hat, überall, wo die Blauen sich eingenistet hatten, wurden krumme Dinger gedreht, wurde vergessen. Ob es der Hypo Skandal, die Part oft the game – Affäre mit Scheuch und seinen eingebürgerten Russen war oder die 220 000 Euro Abfertigung, die Martin Graf in Seibersdorf kassierte (zu Recht natürlich). Ob es der, zur ÖVP gewechselte, selbsternannte beste Finanzminister Europas und seine, nach wie vor virulenten Machinationen waren; die krummen Geschäfte seiner Freunde aus Haiders Buberlpartie, die von Saddam Hussein und Gaddaffi mit Geld versorgt wurden. Es stinkt immer noch und ist gerichtsanhängig. Aber in der Öffentlichkeit nicht mehr präsent. Vor allem unter den Jungen. Der Geruch nach Scheiße hat sich verzogen.
Der Mann der sich in den sozialen Medien zum Sozialrevolutionär stilisiert und das Andenken an Che Guevara missbraucht, um die Partei von diesen Durchstechereien reinzuwaschen, der Herr der Ringe, wie er wegen seiner umständehalber etwas vorgealterten Physiognomie auch tituliert wird, hat auf die Jungen eine ungewöhnliche Strahlkraft. So möchten sie auch sein. So fesch, so frech, so sozial, so öffentlich wie H.C. Zumindest vertrauen sie dem Bild, das die Parteiwerbung präsentiert. Eine Stütze des christlichen Abendlandes.
Aber um den großen Geldgebern der FPÖ, sowie dem Wirtschaftsflügel der Partei nicht zu missfallen, vertritt er keine soziale sondern eine neoliberale Politik. Privatisierungen, Kürzung der Pensionen, Privatisierung des Gesundheitssystems, Zwangsurlaub am ersten Krankenstandstag etc.* Bei gut einem Drittel der Parteifunktionäre handelt es sich um Akademische Burschenschaftler mit einem deutschnationalen Hintergrund. Karrieristen wie sie im Buche stehen, die mit der Arbeiterklasse so wenig gemein haben, wie der deutsche Schäferhund mit Tanzmäusen. Um diese Stützen der Partei nicht zu verlieren, darf er sich nicht von den starken Deutschnationalen distanzieren, dies kostet jedoch Wählerstimmen. Wählerstimmen, die der KarriereristInnenflügel der Partei möglichst schnell kassieren will, um eine erneute Regierungsbeteiligung zu ermöglichen. Man will ja an die Futtertröge. Um obige Leute aber zufrieden zu stellen, braucht man ein Feindbild, dass auch den Wählern zu pass kommt. Menschen mosaischen Glaubens – das geht nicht mehr. Obwohl in der einen oder anderen Publikation, im Dunstkreis der Partei, nach wie vor nicht obsolet. Also müssen die Ausländer diese Rolle erfüllen, die nachgerade dämonisiert werden. Natürlich kommt so eine Situation wie wir sie derzeit haben, den blauen Einpeitschern gelegen. Der Syrienkrieg mit einer Unzahl von Flüchtlingen – ein Geschenk. Schade, dass noch kein Syrer eine Österreicher erstochen hat oder zumindest ein klein wenig bestohlen, das hätte die Wahlergebnisse wohl noch signifikanter gestaltet.
Genereller Hintergrund ist aber ein kapitalistisch /neoliberales Denken, dass eher dem Großkapital verbunden ist als den Leuten die sie wählen. Die Partei stellt in Wahrheit langfristig ein politisches und physisches Gefahrenpotential für Migranten, Gewerkschafter, Linke und die Arbeiterbewegung generell dar. Warum aber gerade junge männliche Arbeiter diese Partei, die langfristig gegen ihre Interessen agieren wird wählen, bleibt eigentlich ein Rätsel. Die einzige Erklärung: Die PISA-Studie. Die Pisa Studie 2013 hat gezeigt, dass ¼ der Schüler in Österreich Schwierigkeiten beim Lesen hat. Demnach können 28 Prozent der 15/16-Jährigen nicht sinnerfassend lesen, bei den Burschen sind es gar 35 Prozent. Lesen ist die Alternative zur ausschließlichen Fernseh- und Medienkost. Eine differenzierte Meinung über die Vorgänge in der Welt bekommt man nicht bei den einschlägigen Internetseiten. Das hat die Verbreitung von dreisten manipulativen Lügen bei Facebook, nicht zuletzt durch FPÖ- Funktionäre gezeigt. Lassen wir das halt einmal gelten, sonst kann man es ja auch nicht wirklich verstehen, dass menschenverachtende Parolen auf politischen Plakaten wie zu Zeiten der NSDAP von den Österreichern einfach hingenommen werden ( z.b.Heimatliebe statt Marokkanerdiebe).  Dass die Agonie der SPÖ und ÖVP, die vollkommene Unfähigkeit den blauen Hetzparolen etwas entgegenzustellen natürlich auch das Pendel auf die rechte Seite schlagen lassen, liegt auf der Hand. Inwieweit sich aber die Menschen und deren Menschenbild und damit ihr Wahlverhalten selbst geändert haben und noch weiter ändern werden, in diesen Zeiten, der durch die Medien bestimmten Politik, ist wohl die am schwierigste zu entscheidende Frage
*www.facebook.com/SPOE.Oberoesterreich/photos/a.209175349094839.57830.208930355786005/1065824506763248/?type=3&fref=nf&pnref=story
*1 http://diepresse.com/home/bildung/schule/hoehereschulen/616566/Jeder-vierte-Schuler-kann-nicht-sinnerfassend-lesen

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