Denkverbot

Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben, etwas über wirkliche Terroristen. Nämlich über unsere Katzen und deren nächtliche Übergriffe im Schlafzimmer, wenn sie der Hunger überkommt. Weil ich der Meinung war, dass es in diesen Zeiten mehr zum Lachen geben sollte. Aber dann holt einen die Realität wieder ein. Die durch ein Arbeitsübereinkommen aneinander gefesselten oder sollte man sagen miteinander verschmolzenen Gruppen der österreichischen freiheitlichen Volkspartei (oder Volksfreiheitliche Österreichs?) oder wie immer man diese, von der Wirtschaft gewünschte und geforderte Populistentruppe jetzt nennen darf, hat gleich am Anfang ihrer segensreichen Geschichte gezeigt, welche Geistesgrößen das Land in Zukunft regieren werden. Der erste Rülpser, den die vereinigten Rechtskonservativen von sich geben: Ein Sprachverbot. In den Schulen wird nur mehr „Teutsch“ akzeptiert und in den Pausen ist es den Kindern verboten, in einer anderen Sprache zu kommunizieren. Alles, was man dafür an Argumenten anführen könnte, ist Schwachsinn. Den Kindern ihre Sprache im Umgang mit Gleichaltrigen zu verbieten führt zu einem Gefühl der Minderwertigkeit. Es bringt darüber hinaus überhaupt nichts hinsichtlich Spracherwerb, wenn man die Muttersprache verbietet. Das kann jeder Erziehungswissenschaftler bestätigen. Kein vernünftiger Mensch kommt heute in Mitteleuropa noch auf solche Ideen. Sogar die Türkei hat ein Verbot für die kurdische Sprache wieder aufgehoben, weil sogar die AKP zum Schluss gekommen ist, dass das nichts bringt. (Andererseits, die Slovakei, auch von Rechtspopulisten geführt, erlaubt ihren 5 Millionen Einwohnern ebenfalls nicht in fremden Zungen zu sprechen). Statt sich der Chancen und Möglichkeiten der Mehrsprachigkeit bewusst zu werden, fällt diesen Provinzkartoffeln nichts Gescheiteres ein, als Kindern das Sprechen zu verbieten. Nicht nur, dass es verfassungsrechtlich illegitim ist, es ist auch grenzenlos dumm. Aber es soll wohl zeigen, dass die Koalition der engstirnigen Nationalisten nicht gewillt ist, sich an rechtliche und gesetzliche Gegebenheiten zu halten. Was kommt dann als Nächstes? Ein Denkverbot??? Faktisch im gleichen Atemzug haben die strammen Burschen die Frauenquote eliminiert. Ein reiner Männerstammtisch, da fühlen sich die wackeren Biertrinker am wohlsten. Der Gerstensaft (eine ägyptische Erfindung) möge die Demokratie ( eine griechische Erfindung) zusammenhalten. Politik auf Stammtischniveau war immer schon ihre Stärke. Wohl bekomms!

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