Zur Ehrenrettung der Pädagogen

Die Lehrer sind sehr oft Zielscheibe des Spottes oder des Neides. Nichtsdestotrotz gehört der überwiegende Teil dieser Berufsgruppe zu denen in Österreich, die sich redlich mühen. Sie genießen nicht nur eine wissenschaftliche Ausbildung auf hohem Niveau, sondern die pädagogischen Akademien sind auch forschende Institutionen von nicht unbedeutendem Rang. Das ist eine Tatsache, die der Bevölkerung leider entgeht. Allerdings machen die Akademien kaum Aufhebens davon, sie stellen ihr Licht unter den Scheffel. Lehrer sind eben bescheiden. Vielleicht steht dahinter die Erfahrung, dass sie sonst noch mehr Neid auf sich ziehen. Allerdings ist es fatal, wenn Politiker die Erkenntnisse der Wissenschaft einfach ignorieren und Wissen durch Glauben oder im konkreten Fall durch dümmliche Resentiments ersetzen.
Worum geht es. Wie schon hierorts bekrittelt, war der erste Piepser, den die neue Landesregierung von sich gegeben hat, ein Verbot für Schüler in der Schule, eine andere Sprache als Deutsch zu sprechen. Dass das eine ziemlich dumme, populistische und einzig auf die blauen Parteigänger abgestimmte Einfaltspinselei ist, habe ich schon gesagt. Nun hat an der Uni Wien schon vor geraumer Zeit die Sprachwissenschaftlerin Katharina Brizic eine Untersuchung angestellt, betreffend den unterschiedlichen schulischen Erfolg von Kindern mit Herkunftsland Türkei und Kindern aus dem ehemaligen Jugoslawien. Den Pädagogen war aufgefallen, dass sich die kleinen Türken wesentlich schwerer tun als die Kinder aus Jugoslawien. Jetzt würde der einfache Denker (und um deren Rolle in der Landesregierung geht es mir) wohl vermuten, das hätte mit familiären oder sozialen oder gar genetischen Unterschieden zu tun. Mitnichten – die Erklärung, die Brizic für dieses Phänomen fand, ist folgende: Unter Atatürk wurde die Kurdische Sprache in der Türkei verboten. Das hatte zur Folge, dass ein Großteil der kurdisch sprechenden Bevölkerung auch die Türkische Sprache ablehnte und diese nur unzureichend erlernte. Die Kinder dieser Leute konnten weder gut türkisch noch hatten sie ausreichen Übung in ihrer eigenen kurdischen Sprache. Das Resultat ist eine spezielle Form der Sprachlosigkeit, die auch wieder an die Kinder weitergegeben wird. Das hat zur Folge, dass man sich mit dem Erlernen einer Fremdsprache zeitlebens schwer tut. Die Türken haben ihre Fehler eingesehen und das Verbot inzwischen wieder aufgehoben. Die oberösterreichische Landesregierung kann es sich auf ihre Fahnen heften, gleich am Anfang der Legislaturperiode einen riesigen Blödsinn gemacht zu haben. Darauf sind sie wahrscheinlich auch noch stolz

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