Das Ende der Geduld oder: Ein Rezept folgt morgen

Mir ist natürlich bewusst, dass ich auch Kochrezepte in diesem Blog veröffentlichen könnte. Es hätte denselben Effekt auf die weitere Entwicklung unseres Gesundheitssystems, nämlich keinen. Aber es ist bei mir so eine Art Reflex, schriftlich auf das zu reagieren, was mich täglich betrifft  und betroffen macht. Eine Geste der Hilflosigkeit  – eigentlich.       Österreichs Gesundheitssystem wird von den Politikern konsequent ruiniert. Sie tun zwar so als ob sie einen Plan hätten, haben sie aber nicht. Nicht im Geringsten. Nicht einmal ein Rezept für den Notfall. Seit ich als Allgemeinmediziner arbeite, wird regelmäßig von politischer Seite angekündigt, dass der Bereich der niedergelassenen Ärzte aufgewertet und attraktiver gemacht werden soll. Das sind jetzt mehr als 30 Jahre. 30 Jahre in denen immer wieder ein Politiker – sei es vom Land oder vom Bund – diese Sprechblase loslässt. Keiner dieser Politiker hatte auch nur die geringste Ahnung wovon er sprach, aber es klang gut in aller Ohren. Geschehen ist dreißig Jahre lang nichts.In Wahrheit wurde der niedergelassene Bereich, vor allem bei den Allgemeinmedizinern, derart unattraktiv gemacht, dass die jungen Kollegen reihenweise ins Ausland flüchten. Eine Niederlassung in Österreich ist existenzgefährdend. Die finanziellen Investitionen, die für eine Praxis heute notwendig sind, müssen im Lauf des Lebens auch erwirtschaftet werden und das ist bei den derzeitigen Umständen nicht unbedingt gesichert. Mit den bürokratischen Abläufen und Erfordernissen, den Bewilligungen und Ansuchen die heute täglich mit dem Ordinationsbetrieb verbunden sind, ist trotz kostspieliger EDV- Anlagen eine Arbeitskraft vollkommen ausgelastet. Darüber hinaus sind die arbeitsrechtlichen, technischen, hygienischen und versicherungsrechtlichen Vorschriften dermaßen aufwendig und kostspielig geworden, dass man ein dickes Fell braucht um all das auszuhalten. Die Tarife, die von den Kassen erstattet werden, sind zum Teil aber seit 20 Jahren (sic!) unverändert. Und der chronische Geldmangel bei den Gebietskrankenkassen wird ein ums andere mal bemüht, um den Ärzten Tarife abzuringen, die nicht einmal die Inflation decken. Die Übernahme der Bauernkrankenkasse durch die GKK hat in ländlichen Gebieten den Ärzten zum Teil 1/3 ihrer Einkünfte gekostet. Viele Hausapotheken, früher bewilligt, um die Überlebensfähigkeit einer Praxis in kleineren Orten zu gewährleisten, sind den Ärzten genommen worden. In den Krankenhäusern herrscht zum Teil Chaos. Die Ärztearbeitszeit wurde – was von der EU schon seit 10 Jahren eingefordert wurde, trotz diversen Erpressungsversuche seitens der Politik letztendlich auf 48 Stunden verkürzt. In den vorhergehenden 10 Jahren hat sich der Staat dadurch viele Millionen gespart, dass Ärzte bis an die Grenzen des Erträglichen gearbeitet haben. Jetzt ist natürlich Feuer am Dach. Überall lange Wartezeiten, manche Abteilungen müssen geschlossen werden. In Wien gibt es kaum noch Psychiater, die Krankenhausdienste machen können etc. Darum soll möglichst viel in den niedergelassenen Bereich verlagert werden. Aber Leute, den niedergelassenen Bereich gibt es bald nicht mehr. In den nächsten Jahren werden jährlich zwischen 180 und 250 Allgemeinmediziner in Pension gehen und ein Gutteil der Spitalsärzte hat ebenfalls das Pensionsalter erreicht. Der ganze Mittelbau in den Spitälern wird bald fehlen. Dem gegenüber stehen 2 Turnusärzte in Ausbildung wo früher 10 waren. Ich kann euch nur sagen, wenn euch das alles egal ist, dürft ihr euch nicht wundern, wenn ihr als Patienten den überlasteten Medizinern auch bald egal sein werdet.
Und morgen kommt mein Lieblingsrezept, für alle die es gerne scharf mögen.

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