Mythen

Manche sind der Meinung, dass der Urknall von Anfang an ein Schritt in die falsche Richtung war. Aber es war zum Zeitpunkt Null leider niemand da, um vorauszusehen was dabei herauskommen würde und jetzt ist es zu spät zum Jammern. Unsere Herkunft, aus der Evolution der Elemente, die dann eine Evolution der Moleküle und in der Folge eine Evolution des Lebens wurde, steht heute außer Frage. Gott brauchen wir dazu nicht. Religion, so heißt es, ist etwas für Menschen, die Trost brauchen aber den Alkohol schlecht vertragen. Wir haben verschiedene Stadien der Entwicklung durchlaufen und erst vor ca. 50 000 Jahren zur Sprache gefunden. Das hat vieles, aber nicht alles verändert. Aus der vorzeitlichen Begriffslosigkeit ist eine Deutung der Welt über die Worte entstanden. Damit haben wir so nach und nach ein Bild der Welt gestaltet, indem wir die Welt und die Dinge der Welt einander erzählt haben. Wir waren mit der Sprache in der Lage Wissen weiterzugeben und vor allem Ideen zu benutzen. Eine dieser Ideen war Gott oder das Göttliche, auf das wir zwangsläufig bei der Suche nach dem Ursprung gestoßen sind. Irgendwann muss sich jemand die Frage gestellt haben, woher das kommt was uns umgibt und woher wir selbst kommen. „Da mein Vater die Welt nicht schuf und mein Großvater auch nicht, muss es zwangsläufig etwas geben, das man verantwortlich machen kann, für alles was ist“. Das Numinose, das in die Realitäten der Natur hineingedacht wurde, als Ersatz für Wissen. Da waren in Griechenland Zeus, Hera, Hades, Hephaistos Apollo die Stars im Olymp und neben ihnen die Göttin Eos für die Morgenröte zuständig, Helios für das Licht der Sonne und Selene war die Göttin des Mondes. Bei den Ägyptern hieß der Sonnengott Aton und Anubis war für die Reise ins Jenseits zuständig, die Göttin Hathor für die Liebe. Jupiter Optimus Maximus, Juno und Minerva waren die höchsten Götter der Römer. Für die Azteken war unter vielen anderen Göttern Huizilopochtli der Gott der Sonne und Macuilcozcacuauhtli der Gott des Überflusses von Bedeutung. Odin, Thor, Loki und Baldur füllten bei den Germanen die Leere des unverstandenen Universums. Die Buchreligionen konnten sich schließlich auf Grund der gemeinsamen Herkunft auf einen einzigen Gott einigen, aber nicht darauf, wer genau sein Prophet oder sein Manager auf Erden ist. Mehr als 2500 Götter hat der menschliche Geist zur Erklärung des Unerklärbaren strapaziert. Und das Erstaunlichste – er lässt es dabei nicht bewenden. Es genügt ihm nicht, einen imaginären Freund – Beschützer oder Richter zu haben, er fühlt sich wohler wenn alle anderen Menschen genau seinen Gott, seine Auslegung der Mythen akzeptieren. Und zu jeder Zeit waren Menschen bereit jemanden umzubringen, wenn derjenige seinem bevorzugten Hirngespinst keinen Glauben schenkte oder – Gott bewahre – sich gar darüber lustig machte. Religionen wurden mit Gewalt verbreitet, weil sie für Machteliten ein wirksames Mittel der Koordination ihrer Untertanen war. Konstantin der Große, der das Christentum 380 nach Christi Geburt zur Staatsreligion im römischen Reich erhob, wurde heiliggesprochen, obwohl er seine Frau und seinen Sohn umbringen und in zahlreichen Kriegen tausende Menschen abschlachten ließ. Der Koran, wie er heute vorliegt, ist in weiten Teilen unter dem Einfluss und mit und für die politischen Absichten der Umayyaden Dynastie entstanden. Deren Herrscher, Männer aus dem Stamm der Quraisch, dem auch der Religionsgründer Mohammed angehörte, unterließen nichts, um die Religion für ihre Zwecke zu nutzen. Die Verbreitung mit Feuer und Schwert, war willkommener Hintergrund für ihre Eroberungszüge, die ihnen unermessliche Reichtümer sicherten und ihre Nachfolger bis Spanien führte. Die Gemeinsamkeiten aller Fundamentalismen, die wir heute erleben, sind der heilige Krieg gegen Andersgläubige, die Erwartung eines meist militanten Erlösers, die Prophezeiung einer Endschlacht zwischen Gut und Böse und die darauf folgende Errichtung eines Gottesstaates. Sogar der Buddhismus, der für viele, auf Grund der ihm nachgesagten Friedfertigkeit sozusagen als Mercedes unter den Religion gilt, hat eine blutige Vergangenheit und ein blutige Vision für die Zukunft. Eine solche apokalyptische Vision gibt es in einem buddhistischen Text aus dem 10. Jahrhundert. Das sogenannte Kalachakra Tantra, sagt einen entsetzlichen Religionskrieg zwischen Buddhisten und Nichtbuddhisten voraus. Die buddhistischen Kämpfer werden gnadenlos und grausam sein, heißt es darin und mit einer erschreckenden Begeisterung fürs Detail, schildert der Text die Superwaffen, die zum Einsatz kommen. Nach dem Sieg des buddhistischen Messias, dessen Name Rudra Chakrin ist, in diesem Shambhala – Krieg, wird die Welt buddhistisch. Die Feinde, werden explizit genannt: Jesus, Mohammed, der Mahdi, Hennoch, Adam und Abraham – genannt die Familie der dämonischen Schlange.
Wer hätte das gedacht, und dabei lächelt er immer so freundlich, der Dalai Lama.

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