Gesunde Wirtschaft, kranke Menschen

Ein ganzseitiger Bericht im Standard mit der Überschrift: Volkskrankheiten im Focus sollte nicht unkommentiert bleiben, denn er ist beispielhaft dafür, wie wir für dumm verkauft werden. Es steht zwar klein und kaum auffällig dabei: Bezahlte Anzeige, aber wirkt in seiner Aufmachung wie ein Standardbericht. Erst auf den zweiten Blick wird klar, das ist Werbung. Auf einem großen Foto werden die erlauchten Protagonisten, um die es in dem Elaborat geht, vorgestellt. Als da sind: Die Generalsekretärin des European Patients Forum (was immer das auch ist –bösartige Menschen würden vielleicht vermuten, dass es sich um eine von der Pharmaindustrie gesponserte Lobbyingtruppe handelt,  die vorgibt im Interesse aller europäischen Patienten zu handeln). Dann ist da die Präsidentin des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, Frau Ulrike Rabmer – Koller. Eine Unternehmerin, die diesen Posten, der seit Jahren in der Hand der ÖVP ist, wie vor ihr Hans Jörg Schelling und Peter McDonald, vielleicht als gutbezahlten Parkplatz vor  dem Erreichen höherer Parteiweihen nützt. Immerhin ist Schelling zum Minister aufgestiegen und McDonald wurde Generalsekretär der ÖVP. Alle, die in den letzten Jahren auf diesem Posten waren, haben viel geredet, gut verdient und nichts Wesentliches getan. Nebenbei bemerkt, solche Posten gibt es in Österreich zu tausenden. Sie werden speziell für Politiker erfunden, für solche vor dem Aufstieg oder für solche nach dem Abstieg. Dann ist da die Geschäftsführerin der Firma Sanofi Österreich– ein sehr, sehr großer Pharmakonzern mit Hauptsitz in Frankreich. Zudem der Leiter der Abteilung für Gesundheits- und Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer, die Leiterin der Sektion III, Öffentliche Gesundheit, im Bundesministerium und eine Gesundheitsökonomin mit dem Zusatztitel : Gesundheitssystemexpertin. Wahrscheinlich wissen nur ganz wenige Menschen auf der Welt was eine Gesundheitssystemexpertin tut. Wir können es aber vermuten.
Hintergrund für die illustere Versammlung ist die Veröffentlichung des Jahrbuches für Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft. Mit dem Untertitel: Gesundheit 2015
Der Schmöker wird von der Plattform Gesundheitswirtschaft der Wirtschaftskammer und der Pharmaindustrie gemeinsam mit dem Standard herausgegeben und beschäftigt sich vordergründig mit den großen Volkskrankheiten wie Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, aber auch E Health und anderem. Aber in erster Linie geht es wohl, wie der Name Gesundheitswirtschaft vermuten lässt, um wirtschaftliche Interessen. Die Vorträge zum Thema kulminieren in der nicht neuen Weisheit, dass Vorbeugen besser als Heilen ist. Und die Gesundheitssystemexpertin fordert, dass „Gesundheit und aktives Altern mit der Geburt anfangen muss, weil chronisch erkrankte Menschen mehr Krankenstände und längere Abwesenheit vom Arbeitsplatz haben und letztlich früher aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden“. Aha, na ja, bin ich wieder einmal gescheiter geworden, denn darauf wäre ich von alleine nie gekommen.
Was soll der ganze Fuzzizirkus also? Ganz einfach: Die Wirtschaftskammer sorgt für die Vernetzung derer, die an unseren Krankheiten verdienen und stellt es so dar, als würden alle Beteiligten nur im Interesse der Volksgesundheit agieren. Denn wenn dem nicht so wäre, würde irgendwann die Schizophrenie des Systems offensichtlich werden. Die Wirtschaftskammer vertritt nämlich auch die Tabakindustrie und die Trafikanten. Diese Gruppe ist an ca. 5000 Lungenkrebstoten und an abertausenden Herzinfarkten und anderen Gefäßerkrankungen schuld und verdient viele Millionen daran, dass ca. 14 000 Österreicher pro Jahr an den Folgen des Nikotinkonsums sterben. Die Wirtschaftskammer vertritt auch die Zuckerindustrie, deren Produkte uns seit Jahrzehnten als gesund eingeredet werden, die aber im Wesentlichen für die Entstehung von Übergewicht und Diabetes und die damit verbundenen Komplikationen wie Nierenversagen, Neuropathien, Netzhautschäden, Schlaganfälle etc. etc. verantwortlich sind. Jeder Österreicher konsumiert ca. 48 Kilogramm Zucker pro Jahr. Zucker wirkt in unserem Organismus wie ein Medikament und verhindert über eine massive Insulinausschüttung den Fettabbau und sorgt dadurch dafür, dass wir immer hungrig sind und nie wieder schlank werden.
Die Wirtschaftskammer vertritt auch die Lebensmittelindustrie, die ihren Produkten massenhaft Glutamat und andere Geschmacksverstärker zusetzt, die dazu führen, dass wir viel mehr essen als uns gut tut, weil unser Organismus alles was reich an Glutamat ist für besonders wertvoll hält.
Die Wirtschaftskammer vertritt auch die Kosmetikindustrie, deren Produkte sich heute schon die 9 jährigen Kinder unter die Achseln, auf Gesicht und Haar schmieren, obwohl absolut keines dieser Produkte auch nur annähernd gesund oder sinnvoll ist oder tatsächlich hält was die Werbung verspricht. Genau das Gegenteil ist der Fall. Der von der Kosmetikindustrie künstlich geschaffene Bedarf an Pflege und Reinigungsmitteln führt zu einer extremen Zunahme von Allergien, Ekzemen oder zur perioralen Dermatitis, die vorwiegend von Feuchtigkeitscremes verursacht wird. Dazu kommt, dass täglich tausende Liter von Tensiden und Hormonen aus all den Shampoos und Bodylotions und wie immer der Schmarrn sonst noch genannt wird, ins Grundwasser gelangen und unsere Umwelt vergiften.
Das heißt, die Wirtschaftskammer vertritt diejenigen, die in erster Linie für den Großteil der verhinderbaren, chronischen Krankheiten verantwortlich sind, diejenigen die die Umwelt zerstören und diejenigen die an all den Krankheiten, die daraus entstehen, wieder verdienen. Und was die Zeitung „Der Standard“betrifft, die Wirtschaft vergütet solche Juchee – Artikel mit jeder Menge Werbeeinschaltungen. Und letzlich möchte ich auf einen meiner letzten Blogs verweisen: Pressefreiheit ist die Freiheit einiger weniger sehr reicher Menschen, ihre Meinung kund zu tun. Wenn Sie die Anzeige im Standard suchen, sie  ist ganzseitig auf der Seite 5  zu lesen und für die Bedeutungslosigkeiten die darin mitgeteilt werden an sehr prominenter Stelle.  Und die Werbefläche muss einen zumindest 5 stelligen Betrag gekostet haben. Stellt sich die Frage wer das bezahlt? Die Wirtschaftskammer oder Sanofi und wenn letztere, wieso dürfen österreichische Ärzte von der Pharmaindustrie nicht einmal einen Kugelschreiber annehmen, ohne dafür der Bestechlichkeit geziehen zu werden hingegen Österreichische Spitzenbeamte sich auf diese kostspielige Weise bekanntmachen und abfeiern lassen? Ist das  Manupulation der öffentlichen Meinung oder nicht?

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