Das christliche Abendland

Ein englischer Schauspieler hat vor ein paar Tagen gesagt: Menschen setzen ihre Kinder nur in ein Boot, wenn ihnen das Meer sicherer erscheint als das Land. Was wir gerade erleben ist ein Völkerwanderung. Tausende vom Krieg vertriebene Menschen stranden momentan an Europas Grenzen. Solche Ereignisse hat es immer gegeben, das ist nicht neu. Auch wie wir damit umgehen hat Vorbilder in der einen oder anderen Form. Um 58 vor Christus versuchten die Helvetier, die im Gebiet der heutigen Schweiz siedelten, vermutlich auf der Flucht vor den Germanenhorden des Heerführers Ariovist nach Gallien auszuwandern. Sie wandten sich im Frühjahr 58 v. Chr. an Gajus Julius Caesar als den dortigen römischen Statthalter, da sie zu diesem Zweck die römische Provinz Gallia narbonensis durchqueren wollten, was Caesar aber abwies. Er ließ einen Wall zwischen Jura und Genfersee anlegen, um ihnen einen Durchmarsch unmöglich zu machen. Die Helvetier umgingen daraufhin die römische Provinz. Darauf zog Caesar Truppen zusammen und verfolgte die Helvetier. In der Schlacht bei Bibracte massakrierte er zwei Drittel des Stammes samt Frauen und Kindern und zwang die Überlebenden zurückzukehren.In seinem Bericht über diesen Krieg hat er aus politischem Kalkül sicher ordentlich übertrieben, aber das kennen wir ja auch bei den heutigen Politikern, sowohl das politische Kalkül als auch die Übertreibung. Allerdings, genauso läuft es heute nicht mehr. Die Hände schmutzig machen, wie Cäsar, will sich niemand mehr. Am wenigsten unsere Politiker. Weder die christlich-sozialen von der ÖVP, noch die Sozialisten. Sie erwarten das aber von den Griechen, die sollen die Außengrenze der EU schützen. Wie soll das geschehen, Frau Minister? Mit freundlichem Zureden oder mit Waffengewalt? Johanna Mikl-Leitner als Mitglied einer Partei, die sich auf christliche Werte beruft, plädiert dafür, die Menschen zurück zu treiben in ihren wakeligen Schlauchbooten. Oder soll man sie versenken? Denn darauf läuft es letztlich hinaus. Oder wie sollen wir ihren Appell an die Griechen verstehen. So sind wir Österreicher jetzt drauf und dran, die Vorreiter einer ganz schlimmen Tat oder sollte man sagen eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu werden. Zwar spielt ganz Europa eine unglaublich üble Rolle in dieser Zeit und es wird offensichtlich, dass dieses Europa nie ein Europa der christlichen Werte oder der Brüderlichkeit war, sondern immer nur ein Konstrukt der Finanzoligarchie und der Krämerseelen. Aber die Rolle, die Österreich jetzt übernimmt, indem es die Grenzen dicht macht und die Last auf die wesentlich weniger begüterten Balkanländer bzw. auf das bankrotte Griechenland ablädt, wird in die Geschichte eingehen. Nicht nur, dass wir internationales Recht brechen, wir schicken Männer, Frauen und Kinder in den sicheren Tod. Ich frage mich, wie wir das wohl einmal rechtfertigen wollen. Aber es wird uns schon was einfallen, wir waren ja auch die ersten Opfer des Nationalsozialismus

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s