Multikulti

 

In dieser Woche war die halbe Welt bei mir zu Gast. Nun die halbe Welt ist ein wenig übertrieben, das ist halt so eine Redensart, die meint, dass sehr viele Menschen aus unterschiedlichen Nationen bei mir waren. Früher, vor 50 Jahren war sowas Tagesgespräch, wenn ein Ortsfremder, gar ein Ausländer, in so einem kleinen Ort aufgetaucht ist. Er wurde üblicherweise bestaunt. Ich erinnere mich heute noch amüsiert, an eine bezeichnende Situation, die ich vor vielen Jahren in einer Wiener Straßenbahn erlebt habe. Mir gegenüber saß ein wirklich pechschwarzer, gut gekleideter etwa 25 Jähriger Mann. Neben mir saß ein etwa sechs jähriger Junge und es war offensichtlich, dass ihn der schwarze Mann faszinierte, denn er starrte ihn unentwegt an. Plötzlich huschte ein Lächeln über das Gesicht des Mannes, er beugte sich zu dem Jungen und sagte im breitesten Wiener Dialekt: „Gell, da schaust wiar i schwoaz bin.“ Die Verblüffung des Jungen werde ich nie vergessen. In dieser Woche waren bei mir also viele „Fremde“. Ich will  einmal aufzählen, soweit ich das noch rekonstruieren kann: Da waren mindestens zwei nette Deutsche, eine reizende junge Amerikanerin mit ihrem Sohn, ein hochintelligenter Akademiker aus Kenia, mindestens 15 fleißige Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, einige wissbegierige und integrationswillige Afghanen, Perser, Türken, Polen, ein Ungar und sogar ein Wiener hat sich nach Aschach verirrt. Letzte Woche war auch noch ein Schweizer, ein Mann aus der Dominikanischen Republik und eine gebürtige Tschechin hier. Allesamt ortsfremd, allesamt Zuagroaste oder vorübergehend hierher verschlagen. Wie auch immer, medizinisch gesehen gibt es keinen Unterschied und sonst wollen auch alle das Gleiche: Ein Leben in Frieden, eine Arbeit von der sie leben und ihre Familie ernähren können, sehen wie ihre Kinder heranwachsen und ein kleines Stück vom Glück. Sollten wir das nicht allen Menschen gönnen, auch den Wienern?

Ein Gedanke zu “Multikulti”

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