Arkadien

 

Das poetische Traumland Arkadien ist eine Erfindung der antiken Dichter. In der Realität ist es eine griechische Landschaft im Zentrum der Peloponnes. Dorthin fantasierte man ein irdisches Paradies, einen idyllischen Ort, an dem Hirten in Einklang mit der Natur leben, verbunden mit der Verklärung des Lebens, als eines Daseins ohne gesellschaftliche Zwänge und Konventionen. Der Erfolg dieser obsessiven Idee  in der europäischen Geistesgeschichte begann mit der Renaissance in Italien. Die Bilder von Landschaften idealer Schönheit und mystisch-mythischen Seins, die Künstler des 15. Und 16. Jhd.  schufen, sind durchwebt von Naturverbundenheit und göttlichem Liebeszauber. Sie haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Der Mensch hat zu allen Zeiten Glück und Daseinsfreude in der Natur gesucht und gefunden, seiner Vertreibung aus dem Paradies zum Trotz.  Und, wir suchen noch immer. Aber heute nur mehr im Urlaub und meist in der Ferne. Wir schwärmen von der  Idylle einer Bergwanderung mit Freunden und Picknick im Freien, vom flammende Sonnenuntergang am Meer, und erzählen von den bukolischen Landschaften der Toskana oder der Campagna Romana und vergessen nie den Nachsatz: „Und fast keine Touristen.“  Dass wir selbst in einer der ältesten und schönsten Kulturlandschaften Europas leben, ein Platz, um den uns mindestens die halbe Welt beneidet, übersehen wir. Und scheinbar  fühlt sich niemand betroffen, wenn diese Landschaft Stück für Stück zubetoniert wird. Wir können ja nach Arkadien fahren, wenn es uns hier nicht mehr gefällt.

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