Die Pippi Langstrumpf – Strategie

 

 

2 x 3 macht 4 –
widdewiddewitt und 3 macht 9e !
Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …

Warum mir dieser Titel eingefallen ist ??

  1. Auch wenn die Rechnung offensichtlich falsch ist, kommt für manche Leute das Richtige heraus .
  2. Weil sich manche Leute die Welt so machen wie sie es wollen.

 

Es geht um unser Gesundheitssystem.  Auch wenn Sie derzeit vollkommen gesund sind, sollten Sie meinen  Gedanken und Beobachtung zumindest ein wenig Aufmerksamkeit schenken, denn es könnte später –  vielleicht in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren – auch für Sie relevant werden.

Wenn eine Firma einen größeren Wagenpark hat, zum Beispiel die Post, dann muss sie mit Reparaturkosten rechnen. Bei den Autos geht immer wieder was kaputt.  Diese Reparaturkosten schlagen im Firmenbudget negativ zu Buche, sind aber Voraussetzung, dass die Firma ihre Aufgaben erfüllen kann. Ein Wunder wäre es, wenn die Firma mit den Reparaturen einen Gewinn machen würde und einen positiven Saldo in der Jahresbilanz auf Grund der Reparaturen ausweisen könnte.  Also,  Reparaturen kosten Geld! Ich denke, darin gibt mir jeder denkende Mensch recht.  Genau so ist es bei Menschen.  Wir halten Gesundheit für die Normalität, was sie in Wirklichkeit aber nicht ist. Kranksein gehört zum Leben und Kranksein kostet Geld. Dafür zahlen wir Steuern, damit wir den Bau von Krankenhäuser finanzieren. Wir zahlen Versicherungsbeiträge in ein Solidarsystem ein, damit wir Behandlungskosten begleichen. Kranksein kostet Geld, viel Geld, denn die Möglichkeiten der Medizin  werden ständig verbessert. Also Krankheiten bringen einem Staat Verluste, keine Gewinne. Alles andere wäre in Wunder.

(Man verzeihe mir den Vergleich mit den Autos, er hinkt ein wenig, aber auf das Gesamtsystem gesehen stimmt er).

Das Neue Volksblatt, die Parteizeitung der ÖVP, behauptet in ihrer heutigen Ausgabe, dass man Reparaturen auch gewinnbringend  erledigen kann.  Bei  der Gesundheit nämlich, soll das gehen.  In einem zweiseitigen Artikel wird dem Leser weisgemacht, dass es  geht.  Spitäler können auch Gewinne schreiben  ist die Titelzeile. Und im  Untertitel: Studienreise von oö. Delegation nach Deutschland zeigt flexible Strukturen und kreative Finanzierung im Gesundheitswesen auf.   Wenn man den Artikel durchliest, dann sieht man auf  diversen Fotos neben dem Landeshauptmann den ÖVP-Gesundheitssprecher  Walter Aichinger,  die FPÖ- Lokalpolitikerin Brigitte Povysil,  Ulrike Schwarz von den Grünen  und diverse andere, die sicher nicht auf eigenen Kosten einen Ausflug nach Deutschland gemacht haben.

Jetzt könnte man sagen:“  Ja gut, die Leute suchen Lösungen.“ Wenn man aber dann genau hinsieht, dann bemerkt man,  die Spitäler, die in Deutschland Gewinne schreiben, sind allesamt Privatkliniken. Konkret, der Asklepios Kliniken Konzern. Den Asklepios Konzern in Hamburg haben die Herrschaften besucht.  Ein Konzern, dessen Strategie darin besteht,  deutschen Kommunen die Krankenhäuser, die vom  Steuerzahler finanziert, gebaut und erhalten wurden, um einen Euro abzukaufen. Die Schulden der Krankenhäuser bleiben bei den Kommunen. Dann wird Personal entlassen und das ganze Krankenhaus auf kapitalistische Marktwirtschaft getrimmt. Operationen, die Geld bringen,werden gemacht. Was nicht so viel bringt, bleibt den öffentlichen Krankenhäusern. Rundherum werden Arztpraxen aufgekauft, die dann nur ein Ziel kennen, möglichst viel ins Krankenhaus zuzuweisen, zu möglichst teuren Untersuchungen,  damit das Geschäft brummt. Es  hat schon mehrere Skandale gegeben, die diese Praxis aufgezeigt haben. Die Asklepios Kliniken, die Rhönkliniken und  der Fresenius Konzern kaufen im Eiltempo deutsche Krankenhäuser auf, um sie auf Gewinn zu trimmen. Letztendlich werden diese Konzerne die Gesundheit monopolisieren und die Preise diktieren.  Gesundheit ist langfristig eines der besten Investments für das Großkapital.

Und darum geht es: Die ÖVP hat schon seit mehr als einem Jahrzehnt immer wieder versucht, die Medizin in die Hände ihrer finanzkräftigen  Freunde zu verlagern.  Privatisierung,  z.B. über Vergabe von Arztpraxen an Finanzierungsgesellschaften, in der Ärzte nur mehr Angestellte sind und Gewinn erwirtschaften müssen. Die Primary Health Care Zentren, die man derzeit favorisiert, sind wohl in dieser Planung schon inbegriffen. Ein guter Freund, Dr. Bernd Hontschik, Chirurg,  Buchautor, Herausgeber einer medizinischen Buchreihe und Gast in zahlreichen deutschen Fernsehgesprächsrunden, der  die Szene kennt, hat diese Praxis immer wieder kritisiert. Er hat aufgezeigt, dass in letzter Instanz dabei eine Zweiklassenmedizin heraus kommt, die sich niemand von uns wünschen kann. Aber genau das ist die Strategie und das Ziel. Zuerst werden die Krankenhäuser kaputt gespart, wenn dann die Patienten murrend vor überfüllten Ambulanzen stehen und Wartezeiten für Operationen zwei Jahre dauern, dann kommt die Lösung: Privatisierung! Und dieser Jubelartikel im Parteiblatt, der mehr verschweigt als er weitschweifig berichtet, ist ein erster Fingerzeig, dass sich die Politiker im Auftrag  der potentiellen Investoren jetzt ans Werk machen, um die Festung sturmreif zu schießen.  Zuerst wird die Presse instrumentalisert, um mit manipulativen Berichten den Menschen die Veränderungen langsam schmackhaft zu machen. Dann geht es bald Schlag auf Schlag. Das Krankenhaus Enns wurde schon zugesperrt und zum Teil an den Raiffeisenkonzern verhöckert, der jetzt dort ins lukrative Kur – und Wellnesgeschäft einsteigt. Langfristig werden private Krankenhäuser die Versorgung an sich reißen.  Behandelt wird, wer Geld hat, wer weniger hat, wird weniger behandelt.Wenn ihnen also jemand einreden will, so wie das Neue Volksblatt es tut,  dass Krankheit zu Gewinnen führt und Krankenhäuser  mit Gewinn zu führen sind, dann müssen Sie sich fragen: Gewinn für wen ? Und wer zahlt das dann?

2×3 macht 4 und 3 macht 9e! Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt.

Unter diesem link finden Sie einen Kommentar von Dr. Bernd Hontschik in der Frankfurter Rundschau

http://www.fr-online.de/panorama/dr–hontschiks–diagnose-und-alle-machen-mit,1472782,34035030,view,printVersion.html

 

 

 

 

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