Oh Herr, gib uns unsere tägliche Lüge

 

 

Jeden Tag unseres Lebens begegnen wir Unwahrheiten, die uns dazu bringen sollen, Dinge zu tun, die nicht für uns, sondern für andere gewinnbringend sind.  Wir wissen darüber Bescheid, wir wissen, dass wir in ein Gespinst aus Lügen verstrickt sind, die uns zum Konsum diverser Produkte verleiten sollen. Wir wissen, dass hinter den Glücksversprechungen  von  jugendlichem Aussehen, Elan und gesellschaftlicher Wertschätzung, die mit dem Kauf diverser Produkte verbunden sein soll, nichts als eine Lüge steckt. Wir wissen, dass es keine Gesichtscreme gibt, die unsere Jugend wiederherstellt, und keine Auto, dass uns begehrenswert macht, auch wenn wir dumm wie Bohnenstroh sind. Keine Bodylotion hat die Macht uns attraktiver zu machen, kein mehr an Vitaminen in den Cornflakes macht uns gesünder. Wir wissen, das ist alles Mist, der nicht nur durch den Produktionsprozess, sondern auch durch die Inhaltsstoffe und die Verpackung und die notwendige Entsorgung die Umwelt schädigt.  Deshalb  sind wir auch weitgehend der Meinung, dass wir gegen Werbung resistent sind. Und trotzdem fallen wir darauf herein. Wir Menschen lieben Geschichten und wir neigen dazu Geschichten weiterzudenken. Und es gibt eine unendliche Zahl von Geschichten und   Bildern in unserem Kopf, die verbunden mit Stimmungen, Wünschen und Gefühlen sind.  Das sind einerseits die  Märchen der Kindheit – wer wollte nicht der Märchenprinz sein oder die Prinzessin – andererseits sind es die Projektionen der gesellschaftlichen Erwartungen die wir erfüllen wollen oder die  geheimen Wünsche und Ziele, die wir für unser Leben anstreben. Genau dort erwischen sie uns. Vielleicht nicht heute, vielleicht auch nicht morgen, aber übermorgen, wenn wir in einer bestimmten Stimmung sind, dann erscheint der Cowboy, der einsam in die Prärie hinausreitet etwas von unserem geheimen inneren Wesen zu verkörpern und wir fühlen uns mit dem Mythos verbunden und das Auto oder die Zigarettenmarke, die beworben wird, scheint dann zu unserem inneren Bild zu passen. Werbung wirkt subtil, durch Andeutungen. Der Maler Wiliam Blacke hat gesagt: „Die weisesten Männer des Altertums waren der Meinung, dass das, was nicht allzu deutlich ist, sich am besten zur Belehrung eignet.“ Heute würden wir nicht  sagen  zur Belehrung, sondern zur Manipulation. Die Werbung stiehlt und bedient sich der Bilder in unserem Kopf, ihre Wirkung ist eine fortgesetzte Erscheinung unserer Phantasie und sie wird gegen unsere Interessen und in vielen Bereichen gegen die Interessen der gesamten Gesellschaft verwendet.

 

 

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