Kunst und Krempel

Die Besitzverhältnisse sind klar. Das Donauufer  am flußaufwärtigen Ortsende von Aschach, der sogenannte Schopperplatz,  gehört der  Viadonau. Das ist die staatliche Wasserstrasseninstandhaltungs- und Uferverwertungsgesellschaft. (So was ähnliches wie seinerzeit die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft, mit dem Unterschied, dass selbige für die Schifffahrt und jene für die Wasserwege und deren nähere Umgebung  zuständig ist). Die Gemeinde hat von dieser Firma das Uferareal   gepachtet. Soviel ich weiß,  hätte die  Gemeinde den Schopperplatz  vor Jahren vom Staat auch kaufen können, hat es aber nicht getan, aus welchem Grund auch immer. Klug war das auf jeden Fall nicht. Bei diesem Areal handelt es sich um eine bemerkenswerte historische Hinterlassenschaft, die für Aschach eine besondere Bedeutung hat. Hier wurden Schiffe gebaut. Die berühmten Donauschiffe, die ganz aus Holz bestanden und zum Teil von enormer Größe waren. Das  Schoppermuseum,  das sich auch auf diesem Uferstreifen befindet, zeugt von dieser vorindustriellen Tradition.  Dort, an der Donau, steht  auch die alte Tischlerei und die beeindruckend große Schopperhalle, die zur Gänze aus Holz gebaut ist.  Diese Schopperhalle hat die Feuerwehr vorbildlich restauriert und unzählige freiwillige Arbeitsstunden investiert. Das ehrwürdige Gebäude  dient allerdings nur als Festhalle für das einmal im Jahr stattfindende Feuerwehrfest. Den Rest des Jahres steht es leer bzw. wird als zeitweiliger Unterstand für diverse  Fahrzeuge, Wohnwagen etc. genutzt. Fast ganzjährig wird hingegen die alte Tischlerei genutzt und zwar nicht nur als idealer Veranstaltungsort für den Museumsverein und den Kunsthandwerksmarkt,  sondern vor allem von den zwei  Aschacher Kulturvereinen  SPEKTRUM und AUFSCHREI. Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich behaupte: das sind die zwei rührigsten Kulturinitiativen des Bezirkes, wahrscheinlich sogar darüber hinaus. SPEKTRUM besteht seit 25 Jahren und bietet ein Programm, das sich sehen lassen kann: Von der Kunstausstellung bis zur Dichterlesung,  vom Kabarett bis zur Klassik und zur Volksmusik  decken die Veranstaltungen so ziemlich jeden Sektor und jedes kulturelle Interessensgebiet ab und der Verein macht somit seinem  Namen alle Ehre. Der vor allem von jungen, auch politisch interessierten und engagierten Leuten gegründete  Verein  AUFSCHREI hat es sich zum Ziel gesetzt, jenseits von Bierzelt, Boulevardpresse und Vereinnahmung durch politische Parteien,  Veranstaltungen zu politischen Themen anzubieten und darüber hinaus, jungen lokalen Musikern eine Plattform zu geben. Es ist zu befürchten, dass mit allen diesen Angeboten in Bälde Schluss sein wird. Die alte Tischlerei wird abgerissen. Damit verlieren die Vereine ihre Basis. Und wie das Beispiel des jungen Kulturvereines EF.K.K. in Eferding gezeigt hat: sie werfen dann irgendwann das Handtuch. Dort, wo durch die Vereine, in jahrelanger Arbeit, auf freiwilliger Basis, ein idealer Veranstaltungsraum in wunderschöner Umgebung geschaffen wurde, soll ein Bürogebäude   entstehen. Die Viadonau hat Eigenbedarf angemeldet. Das große Gebäude in der Ritzbergerstraße, seit 1951 Sitz der Betriebsleitung, ist nicht mehr genehm. Man  könnte den Neubau auch ziemlich einfach neben die alte Tischlerei bauen – dort sind lediglich ein paar Bretterverschläge und ein wenig attraktives Holzgebäude. Davon abgesehen – und das finde ich merkwürdig – baut man das neue Gebäude direkt im Hochwasserbereich. Das Gelände war im Jahr 2013 hoch überflutet. Der Witz bei der Sache  ist, dass in dieses neue Gebäude auch die Schiffahrtsaufsicht einquartiert wird. Das Büro dieser Behörde wird aus Engelhartszell deshalb abgesiedelt, weil es dort beim oben genannten Hochwasser in den Fluten versank und die Kollegen seither ihre Tage in Containern fristen. Jetzt kommen sie quasi vom Regen in die Traufe. Das verstehe wer will. Sicher ist, dass ein neues Gebäude direkt an der Donau unbedingt hochwassersicher gebaut werden muss und das wird sehr sehr viel Geld kosten.  Aber das Land Oberösterreich und der Bund haben ja für die Umsiedlung aus den Hochwassergebieten in den letzten Jahren Millionen ausgegeben. Da wird wohl auch das Geld da sein, um Neubauten, die man bewusst und mutwillig in die Überschwemmungszone setzt, hochseetauglich  zu  gestalten.

Aber zurück zur Kultur, wo es um Geld geht, spielt die Kultur keine Rolle. Vor allem die Jugendkultur spielt keine Rolle. Sachzwänge eben, was soll man da machen. Auch die Gemeindeväter, bis auf wenige Ausnahmen, stimmen in diesen Kanon ein. Die Politiker sind nicht bereit, auch nur ein Ohrwaschl für ihre Jugend zu rühren.  Darüber hinaus wurde das Projekt bereits durchgeplant und die Betroffenen haben davon mehr oder weniger durch Zufall erfahren. Es ist diese Frank Stronach Mentalität, die aufregt: Wer zahlt, schafft an, wer das Gold hat, macht die Regeln. Wir haben alles, ihr habt nichts, drum seid ihr auch nichts im Vergleich zu uns.

Eigentlich ist es eine Schande, dass in einem Land, das sich die glänzende Feder der Kulturbeflissenheit selbstgefällig und weithin sichtbar an den Hut steckt, die Kultur und die Kulturtreibenden in Wahrheit sich immer und überall den wirtschaftlichen Interessen beugen müssen. Eine Kulturschande sozusagen.

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