Lila Zone

Ich könnte jetzt natürlich  genüßlich über das Wahlergebnis philosophieren……. tu ich aber nicht, obwohl ich wegen meiner offensichtlich  minder qualifizierten Stellungnahme zum Ausgang der Wahl ziemlich zerpflückt wurde. Ich hab mich aber auch zu anderen Themen weit aus dem Fenster gelehnt und da ich dafür sowieso Kritik ernten werde, möchte ich  eines der Themen aus purem Trotz noch einmal aufgreifen: Wir hoffen alle, dass neue Besen gut kehren und anstehende Aufgaben der Regierung nun in Bälde angegangen werden. Noch dazu, wo die eine Hälfte der Österreicher  womöglich nie erfahren wird, worüber sie sich wundern hätte können, wenn es anders gekommen wäre als es gekommen ist. Deshalb ist die Neugierde auf alles, was die Zukunft bringt, besonders groß. Eines der Probleme im Staat,  neben der Schulreform und der Reform des Gesundheitssystems, ist die Verwaltungsreform. Die trifft die österreichischen Beamten, die in vielen Fällen an einem längeren Hebel sitzen als Unsereiner und die als einer der Grundbausteine des ÖVP Parteiimperiums gelten. Deshalb sind sie, wie auch die anderen ÖVP Bünde, besonders reformresistent. Darum geschehen Eingriffe ins System auch recht zögerlich,  und nur dort, wo niemand wirklich Wichtiger davon betroffen ist. Einer dieser  Eingriffe ist die Zusammenlegung der Bezirkshauptmannschaften.                                        z.B.: Eferding und Grieskirchen.  Eine politische Entscheidung, die von der FPÖ gefordert und von der ÖVP mitgetragen wurde. Überlegt, wie man das genau machen soll, hat sich das aber niemand. Überlegt, ob das auf lange Sicht wirklich effizent ist und  Kosten für Mensch und Umwelt spart, auch nicht. Aber es sieht nach unbändigem Gestaltungswillen und Tatkraft aus, wenn man gerade in die Landesregierung eingezogen ist. (Ist seither eigentlich noch was passiert, was der Rede wert ist oder war das schon die ganze Tatkraft für die gesamte Legislaturperiode?) Die Gebäude der BH Eferding wurden 2002 um sehr viel Geld ausgebaut und renoviert und mit allem, was technisch sinnvoll und notwendig war, inclusive autonomer Stromversorgung mit Notstromaggregat, ausgestattet.  Dann plötzlich das Aus für die BH. Jetzt bleibt in Eferding aber trotzdem noch ein kleiner Beamtenstab, der für  Bürgerservice zuständig ist, was immer das dann auch sein mag. Der Rest geht nach Grieskirchen.  Der im Bezirk überaus beliebte, hochkompetente und engagierte Bezirkshauptmann aus Eferding geht und der ÖVP nahe Bezirkshauptmann in Grieskirchen bleibt. Die Verkehrsanbindung  aus dem Bezirk Eferding nach Grieskirchen ist mit dem Adjektiv „katastrophal“ nur unzureichend erklärt. Ein öffentliches Verkehrsmittel, das direkt verbindet, gibt es nicht; die kürzeste Verbindung  mit einmal Umsteigen in Prambachkirchen braucht 49 Minuten. Zurück funktioniert das aber nicht mehr. Eine Möglichkeit wäre, wenn man  von Grieskirchen nach Wels und von Wels nach Eferding fährt. Man kann aber auch  auch über Wallern fahren – 44 Minuten, vorausgesetzt man erreicht den Bus.  Von Aschach und Hartkirchen wirds noch ein wenig aufwendiger. Da muss man schon einen Abschluß in Logistik haben, dass man die Fahrt nach Grieskirchen und zurück organisieren kann. Von Alkoven geht es wahrscheinlich mit der Lilo nach Linz und dann per Bahn weiter nach Grieskirchen am schnellsten. Allerdings, vom Bahnhof in Grieskirchen zur BH sollte man noch 15 Minuten Fußmarsch einplanen. Aber alle haben ein Auto, brumm, brumm. Was tut aber die alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, die zum Gesundheitsamt muss und kein Auto hat?   Wie immer geht auch diese  Reform zu Lasten der Schwächsten der Gesellschaft. Dazu kommt, dass tausende Stadtbesuche, die mit Einkäufen in Eferding verbunden wurden, jetzt in Grieskirchen stattfinden. Wenn  die Stadtumfahrung fertig ist, fällt die Nibelungenstadt in einen Dornröschenschlaf. Daran wird auch der JÖBAZ  (jüngster ÖVP Bürgermeister aller Zeiten) nichts ändern können.

Als Kontrapunkt ein zweites Beispiel, diesmal für das Beharrungsvermögen der Beamten.   Auch das  Verwaltungsgebäude der Viadonau in Aschach wurde vor nicht allzulanger Zeit um viel Geld renoviert. Die 6 Beamten der Schiffahrtsaufsicht, die als Hochwasserflüchtlinge von Engelhartszell nach Aschach aussiedeln, wo sie im Übrigen hochwillkommen sind, könnte man in diesem stattlichen Gebäude in der Ritzbergerstraße wohl ziemlich leicht unterbringen. Auch eine behindertengerechte Ausstattung, ließe sich mit  einem Anbau an dieses Gebäude, das eher hochwassersicher ist, verwirklichen.  Und ich wette, dass das nicht teurer kommt als ein Neubau im Hochwassergebiet. Aber nein, die Beamten des zuständigen Verkehrsministeriums bauen um viel Geld ein neues Gebäude in die Hochwasserzone und zwar akkurat dort, wo sich die Kulturvereine eingenistet haben. Das ist zwar die Lila Zone – eine vom Hochwasser immer betroffene Uferzone, in der Bauverbot herrscht, aber was soll’s. Der Gemeinderat muss das Bauverbot halt  aufheben.  Wenn unsere Staatsdiener sich was in den Kopf gesetzt haben, dann spielt weder Geld noch Lila Zone eine Rolle. Die Lila Zone geht ihnen  am A….. vorbei. Ja gut, soll so sein, das nächste Hochwasser kommt bestimmt  und vielleicht wird es etwas höher, vielleicht sind sie dann in der violetten Zone. Aber das sind hartgesottene Burschen, die sorgen schon seit mehr als hundert Jahren von Wien aus dafür, dass die Donau abwärts fließt. Die kommen mit jedem Hochwasser zurecht, ob das nun lila ist oder violett.

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