Kardinalschnitten

  • Es ist schon ein wenig  gewöhnungsbedürftig, vor allem für Atheisten, dass offensichtlich die einzige, in Europa  verbliebene moralische Autorität, der man trauen kann, der Papst der katholischen Kirche ist. Zumindest erhebt er die Stimme. Aber was bewirkt das? Die europäische Politik heißt es letztendlich gut, wenn im Mittelmeer fast jeden Tag Menschen wie die Ratten ertrinken und belässt es bei  unklaren Absichtsäußerungen und  dubiosen Verhandlungen, die bis dato zu nichts geführt haben.  Es ist und bleibt mehr als offensichtlich, dass ihnen das Sterben der Menschen vollkommen gleichgültig ist. Sie finden es auch nicht der Mühe wert über die Ursachen der Flüchtlingsströme, die direkt  mit Europa zu tun hat, nachzudenken, geschweige denn Lösungen zu suchen, um den Afrikanern zumindest ein wenig Zuversicht in die eigenen Möglichkeiten zu geben. Niemand hat meines Wissens einen Schritt dahin getan, mit den Afrikanern Handelsverträge auszuarbeiten, die es ihnen ermöglichen,  ihre Produkte in größerem Umfang auf europäischen Märkten anzubieten und damit Arbeit und Einkommen für ihre Völker zu sichern. Aber davor schützen uns gottlob die europäischen  Normen, die die Afrikaner großteils noch nicht erfüllen können. Wir benutzen dieses Beharren auf Normen dazu, die Afrikaner von unseren Märkten fern zu halten, während wir selber unsere Industrieprodukte und unsere  von der EU geförderten Landwirtschaftsüberschüsse dorthin verkaufen. Was den deletären Kreislauf für Afrika verstärkt. Weil  afrikanische Bauern  Getreide nicht so billig produzieren können wie wir und wir ihre Märkte mit Billiggetreide fluten,  geben sie auf und die landwirtschaftliche Produktion geht immer weiter zurück. Dadurch wird die Abhängigkeit von uns noch größer.                                                                           Kurioserweise  gehen wir selber aber vor den Amerikanern in die Knie und lassen uns CETA und  TTIP auf‘ s Auge drücken als wären wir selber die Afrikaner                                                                                                                                              Aber, um zum Thema zurückzukehren, auch die Kirche  steht nicht wirklich über den Dingen. Niemand mehr steht über den Dingen. Der Kölner Erzbischof, Kardinal Woelki, hat  am Wochenende als dramatisches Symbol  seines Protestes gegen europäische Politik, ein Flüchtlingsboot bei der Fronleichnamsprozession vor dem Dom zum Altar umfunktioniert.  Eine dramatische Geste, mehr leider nicht. Dafür hat  der erzkonservative Weihbischof Laun von Salzburg die Wahl des rechten Recken Norbert Hofer empfohlen. Dessen Widerpart,  den doch eher liberalen Alexander van der Bellen, hat er als linksradikalen Gottseibeiuns  und seine Wähler als „gehirngewaschen“ bezeichnet. Laun  ist eine freizügige Flüchtlingspolitik ganz offensichtlich auch kein Anliegen. Kardinal Christoph Schönborn hat schon im Vorjahr, anlässlich der Gedenkmesse, für die 71 in einem Schlepperfahrzeug erstickten Flüchtlinge gesagt:“ Es ist genug! Genug des Sterbens, genug des Leides und der Verfolgung. Wir können nicht mehr wegschauen.“  Damals war auch die Staatspitze zugegen,  Kanzler und Vizekanzler. Beide haben   versucht betroffen dreinzuschauen. Kurz darauf haben sie die Grenzen geschlossen. Seither schauen wir kollektiv wieder weg.  Viele Kardinäle also und  keine Wirkung.  Gehen wir also besser eine Kardinalschnitte essen, ins Kaffe Landtmann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s