Von der Würde des Menschen

 

Das erste Asylantenheim in Oberösterreich wurde niedergebrannt. Die Zeitungen berichten ohne besondere Aufregung darüber. Irgendjemand hat was dagegen, dass Fremde hier untergebracht werden und schreitet zur Tat.  Ich denke, und die Erfahrungen mit solchen Tätern zeigen es immer wieder – der Täter  – und ich bin sicher es war keine Täterin – ist ein Mensch, der selber voll Angst und Unsicherheit ist. Meist sind es Menschen, die in der frühen Jugend kein Gefühl der Sicherheit erlebten. Menschen, deren Selbstwert nicht dadurch anerkannt wurde, dass sie einfach Menschen sind, sondern, die es nicht geschafft haben, aus welchem Grund auch immer,  die rigiden Normen,  deren Erfüllung von ihnen erwartet wurde, zu erfüllen  und denen Anerkennung bei den Eltern, den Freunden oder der Gesellschaft verweigert wurde.  Eine Möglichkeit damit umzugehen,  eine Überlebensstrategie für solche Menschen,   ist die Überhöhung des eigenen Selbst. Man erklärt sich  zu etwas Besserem. Dazu braucht man aber etwas vergleichsweise Schlechteres. Wenn die Gesellschaft diese Möglichkeit anbietet, ja einem diese direkt aufdrängt, indem politische Parteien sich genau dieser  Ängste  annehmen und bewusst kalkuliert, Gruppen von Menschen abwerten und damit zur Projektionsfläche für diese Angst, den  Zorn, und die Mißgunst machen, dann ist für  diese  dysfunktionalen Menschen die Erlösung nahe. Dieses Angebot kann man nicht ausschlagen. Und dann ist der weitere Weg in die Selbstüberschätzung geebnet, weil man dann, als Teil eines  größeren Ganzen, Anerkennung für eine Tat bekommt, die im normalen Kontext unseres Lebens  eigentlich ein Verbrechen ist. Der Philosoph Immanuel Kant spricht vom Menschen als »Zweck an sich selbst«. Das heißt: Er ist nie bloßes Mittel zum Zweck, er existiert um seiner selbst willen. Der Wert des Menschen lässt sich damit nie gegen andere Werte aufrechnen. Und Kant sagt weiter,  dass der Mensch einen unendlichen Wert hat und was einen unendlichen Wert hat, hat Würde. Beide Menschen haben Würde.  Der Täter und der,  gegen den die Tat gerichtet ist.  Sich über die Würde des anderen hinwegzusetzen, ist unmenschlich. Eine Tat, die gegen die Schwachen gerichtet ist, ist unwürdig.  Aber auch da hilft das Skript einer politischen Partei, das zur unbewußten Handlungsanleitung wird. In dem steht nämlich: Das sind gar keine Schwachen, das sind doch alles gesunde junge Männer, Desserteure, die nicht für ihre Heimat kämpfen wollen.  Da ist jeder Übergriff gerechtfertigt!   Wenn Flüchtlingsheime brennen, dann gibt es Schuldige, aber es sind nicht die, mit dem Feuerzeug.

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