Orangenblütenhonig

 

Das Bild der  „Shipwreckbay“ ist eine Ikone der griechischen Tourismuswerbung. Die Bucht, auf deren Strand vor mehr als 30 Jahren  die Panagiotis, ein Küstenfrachter mit einer Ladung geschmuggelter Zigaretten,  auf der Flucht vor der Küstenwache strandete, befindet sich auf der Westseite der Insel Zakynthos. Malerischer kann Schiffbruch nicht sein als dieser. Da liegt das verrostete Wrack  von 200 Meter hohen Kalkfelsen  umschlossen,  mitten auf einem  weißen Strand,  als würde es aus dem Sand herauswachsen und das Meer ist so  azurblau, dass man es nicht fassen kann. Tagsüber sind Strand und Wrack von zahlreichen Touristen belagert, die mit Booten hier abgesetzt werden, weil man nur übers Meer dorthin gelangt. Darum ist es besser,  von einem Aussichtspunkt hoch  oben auf den Felsen den Blick auf Bucht und Wrack zu genießen. Dort oben trifft man einen fröhlichen bärtigen Herrn, der aussieht wie das Bild des Dionysos auf einer Tetradrachme aus dem antiken Naxos. In seinem improvisierten Verkaufsstand  bietet er Landesprodukte feil. Diverse Kräuterliköre, Raki und  Ouzo, Tees und Honig. Er brennt seinen  hervorragenden Raki  natürlich selber, erzählt er und da er  meine fachlichen Fragen nach der Art des Destillationsprozesses richtig interpretiert und in mir eine verwandte Seele wähnt, sind wir bald in ein Fachgespräch vertieft,  das mir die Einzelheiten und Feinheiten der griechischen  Schnapsbrenner  nahebringt. Zum Beispiel,  dass dem Raki  beim zweiten Brand Holzkohle zugefügt wird, um das Destillat besonders rein darzustellen.  Die Russen machen das auch so, drum kann man den Wodka aus großen Biergläsern trinken ohne Kopfweh zu bekommen. Aber das absolut Köstlichste, was er anzubieten hat, ist sein Orangenblütenhonig. Sein Bruder übernachtet im Auto  bei den Bienenstöcken, damit er rechtzeitig sieht, wann seine Bienchen den Orangenhain abgeerntet haben. Dann bekommen sie nämlich den Befehl zum Rückzug. Darum sind nur maximal zwanzig Prozent des Nektars aus anderen Quellen.  Der Honig ist von zarter Süße und einem derart delikaten  fruchtigen Geschmack nach Orangen, dass man noch nach Stunden  davon träumt.  Ein/ zwei Teelöffel davon in einem  Becher mit  Joghurt ergeben ein ultimatives  Dessert,  dessen  augenscheinliche Schlichtheit  im Gegensatz zu dem Regenbogen an Nuancen steht, mit dem es am  Gaumen eine synästhetische Erfahrung auslöst: Man kann die Farben des griechischen Sommers dann nicht nur sehen, sondern auch schmecken.                                                                                                                  Hab ich jetzt etwas übertrieben? Ich glaube eher das Gegenteil.  Nach einer kurzen Überlegung hinsichtlich der noch offenen Transportkapazitäten beim Rückflug und der unwiederbringlichen Gelegenheit, diese Köstlichkeit zu erwerben, kaufen wir ein Drittel seiner Honigvorräte auf, verabschieden uns herzlich und bekommen noch eine Flasche Raki  zusätzlich geschenkt. Dann  schleppen wir die Beute  stolz zu unserem Auto.

NB. Anfragen sind sinnlos, wir geben nichts!

4 Gedanken zu „Orangenblütenhonig“

  1. Beruhigend, dass die laaange Zeit ohne deine Beiträge eine einfache Erklärung hat – Urlaub heißt das magische Wort! Schön, dich wieder zu lesen! Ich hab mich bemüht -vielleicht bekomme ich jetzt doch was ab…..?.?

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  2. den honey gibts sogar zu kaufen http://www.googleadservices.com
    miel d Azahar und aus Sizilien u Frankreich
    aber nicht so gut wie im Urlaub, zu Hause schmeckt er auch ganz anders als in Zakynthos, irgendwie nicht mehr ganz so sweet und dolce wie mit griechischem Yoghurt
    auch die Schildkröteneierspeis und das Mönchsrobbengulasch soll nach meinen Erinnerungen in Zakynthos besser sein….
    Spass beiseite, wir freuen uns, dass Ihr wieder gut zu Hause angekommen seid und wir Deine Editionen lesen dürfen.

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    1. Lieber Hannes,
      ich bin Flexitarier, ich weiß nicht ob Du das weißt. Das heißt manchmal bin ich Vegetarier manchmal nicht. Also, das heißt, wenn ich Fleisch esse bin ich kein Vegetarier und wenn ich keins esse bin ich es. Kapiert? In Griechenland war ich grad (zumindest für ein paar Tage) auf der fleischabgewandten Seite meines Dasein verortet und darum musste ich auf Mönchsrobbengulasch und Schildkröteneierspeise verzichten. Darum wohl meine überschäumende Begeisterung für den Blütenhonig und das Yoghurt. Wenn ich gerade Veganer bin, was auch manchmal vorkommt, also wenn ich zum Beispiel gerade einen Salat esse, dann wär mir das Yoghurt auch schon zuviel. Kapiert?

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