Diätwahnwitz

 

Es ist nachgerade erheiternd, zu sehen, dass bald ein Drittel der Österreicher zu dick ist. Zumindest laut Statistik. Was aber jetzt zu dick, oder gerade noch nicht zu dick ist, weiß keiner wirklich so genau. Aber alle folgen dem Diktat der Diätindustrie, die vorgibt, was schön ist und entsprechend kostspielige Hilfe anbietet. Dazu gesellen sich eine Unzahl verschiedenster Protagonisten, die eine gerade frisch erfundene Superdiät zu moderaten Preisen empfehlen. Ob Montigniac oder Blutgruppendiät, Metabolic Balance, Max Plank Diät, Eskomodiät, oder die gute alte Haysche Trennkost. Alles wird empfohlen und vermarktet. Und alle diese Diäten haben eines gemeinsam: Sie vermitteln dem Menschen den Eindruck, dass er jetzt  etwas von Grund auf ändern kann. Aber in Wirklichkeit handelt es sich in allen Fällen um eine einfache Kalorienrestriktion.

Man könnte den Leuten genauso gut sagen: Friss nicht so viel. Aber das kommt bei den meisten nicht gut an. Deshalb werden dem ganzen Unsinn komplizierte Nahrungsmittelzusammenstellungen zugrundegelegt, die dann auch noch nach ganz bestimmten Regeln verzehrt werden. So  werden etwa bei der *Metabolic Balance Diät, die erlaubten Nahrungsmittel nach einer Anzahl von Laborbefunden zusammengestellt, für jeden natürlich individuell, die dann durch ein Computerprogramm gejagt und von lizenzierten Diätberatern an den Mann, meist aber die Frau gebracht werden. Die Wissenschaft sagt klar und eindeutig: Alles Blödsinn und Geschäftemacherei mit der Hilflosigkeit und Unvernunft der heutigen Gesellschaft.

Warum aber ist das so, warum verhungern auf der Welt täglich ein paar tausend Menschen und gleichzeitig sterben in der westlichen Welt eine Unzahl von Menschen an den Folgen einer Überernährung?

Der Schlüssel für das alles, liegt zum Teil in der Geschichte der Menschheit. Wir sind als Spezies seit ungefähr 240 Millionen Jahren  in Entwicklung begriffen und haben 90 Prozent unserer überschaubaren Geschichte als Jäger und Sammler zugebracht. Sechs bis acht Stunden pro Tag auf Nahrungssuche um den Hunger zu stillen und Reserven für den Winter, als Fett am Körper zu speichern. Das hat sich als Verhaltensmuster in unser Genom eingeschrieben und viele unserer Vorlieben sind durch evolutionäre Anpassung zu erklären. Wir sind Allesfresser mit einer Tendenz zu süßen Leckereien, weil unsere Urahnen festgestellt haben, dass süße Sachen selten giftig sind und rasch Energie  bringen. Außerdem kann unser Gehirn nur Zucker als Treibstoff verwenden. Die glorreiche Idee aber, den Zucker aus den Pflanzen herauszuquetschen und als Konzentrat zu verwenden, stammt aus der Neuzeit und ist mit den physiologischen Verhältnissen unseres Körpers nicht vereinbar. Zucker hat es vor 120 Jahren in der Apotheke als Stärkungsmittel für kranke Kinder gegeben. Zucker war teuer und absolut kein Allgemeingut. Heute ist Zucker als Konzentrat überall enthalten, auch in Essiggurken oder Ketchup, weil die Nahrungsmittelindustrie herausgefunden hat, wenn Zucker drin ist essen wir mehr davon, weil unser Gehirn, aus dem Vorhandensein von Zucker darauf schließt, dass es sich um ungiftige, gut verträgliche und hochwertige Nahrung handelt. In Wahrheit wirkt dieser Zucker in unserem Körper aber wie ein Medikament das den Insulinspiegel nach oben schnalzt und verhindert, dass unser Körper seine Fettreserven abbauen kann. Das Ergebnis: Proportional zu den Gewinnen der Zucker- und Nahrungsmittelindustrie steigt das Durchschnittsgewicht der Mitteleuropäer, und wir haben eine Diabetesepidemie unter übergewichtigen 60 Jährigen. (Das sind oft gerade diejenigen, die ständig in der Angst leben, dass ihnen Migranten aus Syrien oder Afrika den Kuchen vom Teller nehmen wollen).  Darüber hinaus – seit die landwirtschaftliche Produktion nicht mehr alleine von der Güte der Böden und den Witterungsverhältnissen abhängt – sind wir in der Lage, Unmengen von Lebensmitteln zu erzeugen, in hoher Qualität und so billig wie noch nie zuvor. Wir sind die Generation, die so viel zum fressen hat, wie keine Generation vor uns jemals hatte. Wir haben aber immer noch ein Jäger und Sammlergehirn, das auf Nahrungsmangel programmiert ist und deshalb ständig sagt: Friss  so viel du kannst, wer weiß ob du morgen was kriegst und wenn die Rentierjagd im Herbst schlecht ist, dann wirst Du den Winter nicht überleben. Wir sind Steinzeitjäger im Schlaraffenland.

 

*Das Unternehmen vergibt Lizenzen in mehr als dreißig Ländern und bildete mehr als 2500 Betreuer aus. Die noch aktiven Betreuer zahlen neben den Kosten für die einzelnen Ernährungspläne auch eine jährliche Lizenzgebühr. Nach Aussage von Funfack erstellt das Unternehmen mit dem Computerprogramm jeden Monat bis zu 2.000 Diätpläne weltweit, für die die Betreuer je 80 € zahlen. Das Unternehmen empfiehlt, die Diät dem Endkunden nicht unter 360 € anzubieten, da die individuelle Teilnehmerbetreuung einen wichtigen Teil des Programms darstellt und mindestens zehn Termine umfassen sollte. ( Aus Wikipedia/1.8.2015)

 

 

 

3 Gedanken zu „Diätwahnwitz“

  1. entschuldige, gemeint war natürlich, dass die menschliche Rasse noch 240 Millionen Jahre braucht, um Intelligenz zu entwickeln. Frage ist nur ob uns die künstliche Intelligenz bis dorthin nicht davonläuft. Aber ich bin zuversichtlich: Künstliche Intelligenz hat keine Chance gegen natürlich Dummheit.

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  2. die frage stellt sich, lebe ich ein rel. langes leben in kulinarischer askese, oder ein kurzes leben mit geschmackserlebnissen, wobei ein bisschen enthaltsamkeit dazwischen auch nicht schadet(viell. eine woche im überlebenscamp oder selbstversorgerhütte), wie bei allem, bringt der überfluss den überdruss, und die menschen lernen den wert der dinge nicht mehr zu schätzen, wichtige resourcen für zukunft unserer nachkommen werden dem sinnlosen konsumwahn geopfert, lebensmittel vergeudet und überproduziert während andere hungern. ich kenne keine andere spezies die einen derartigen drang verspürt sich selbst zu vernichten, wie der homo sapiens. falls es außerirdische geben sollte und die uns feindlich gesinnt sein sollten, so brauchen sie keinen finger bzw. tentakel zu rühren, sondern nur abzuwarten bis sich die dummen homo sapiens selbst auslösschen, frei nach einsteins „zwei dinge sind unendlich, die dummheit der menschheit und das weltall, wobei ich mir beim weltall nicht ganz sicher bin“. der gute hatte einfach den durchblick.

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