Kindergarten 2.0

 

Natürlich versteht man den Bürgermeister einer Gemeinde, die zeitweilig in finanziellen Schwierigkeiten und vom guten Willen der Landespolitiker abhängig ist, wenn er versucht,  den Ansprüchen und Anordnungen derselben gerecht zu werden.  Unsere politische Struktur ermöglicht es den Mächtigen, den Geldhahn je nach Belieben und nach eigenem Gutdünken zu  öffnen  oder zu schließen. Wir alle wissen das! Zur politischen Unkultur Österreichs  gehört es, dass  ein roter Gemeinderat oder Bürgermeister, der  zum schwarzen Landesrat geht und untertänigst um die Gnade einer Unterstützung für ein Gemeindeprojekt bittet,  wesentlich schlechtere Karten hat , diese Unterstützung zu bekommen, als wenn er selber der schwarzen Reichshälfte angehört. Umgekehrt ist es genauso. Nicht umsonst bezeichnen wir die  langjährigen Landeshauptmänner  als Landesfürsten. Soweit so absurd. Aber wir alle akzeptieren diese undemokratischen  Anmaßungen der Provinzpolitiker und zucken mit den Schultern,  denn wir haben die Gepflogenheiten der K&K Monarchie mit der Muttermilch aufgesogen.  Derzeit  ist der Knackpunkt jeder Entscheidung die Effizienz. Effizienz wird von den neoliberalen Krämerseelen in der Politik großgeschrieben, zumindest was uns gewöhnliche Gemeindebürger und unsere Anliegen betrifft. (Soweit es die Politiker betrifft  –  wir sind nach wie vor das Land mit den höchsten Parteiförderungen und den zum Teil höchsten Politikergehältern der Welt).  Darum ist offensichtlich auch schon festgeschrieben und  ausgehandelt, dass der Kindergarten aus Aschachs Ortszentrum verlegt und  in der Peripherie im alten Schulgebäude untergebracht wird. Das ist laut offizieller Sprachregelung  effizient. Aber Tatsache ist, dass es im Wesentlichen  dem Bedürfnis  der zuständigen Landespolitiker entgegenkommt, recht zu haben.  Zwei Drittel der Umbaukosten übernimmt das Land und das wird nicht wenig sein. Aus den großen,  über mehrere Etagen verteilten Klassenräumen einen funktionsfähigen Kindergarten  zu gestalten,  übertrifft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jene  Kosten, die notwendig wären, um den alten Kindergarten zu renovieren. Dazu kommt eine hohe Mauer, um die zukünftige Spielwiese zumindest optisch von der  Straße zu trennen. Die Mauer wird aber an der Schadstoffbelastung für die Kinder die dort spielen nicht das Geringste ändern. Dem Feinstaub und den Nitrosaminen aus den  tausenden LKW und PKW, die diese Straße täglich frequentieren, ist die Mauer einfach wurscht.  Als Argument angeführt wird weiters,  dass  Hartkirchen seine Einrichtungen zur Kinderbetreuung nicht weiter ausbaut. Das klingt so als würde der Aschacher Kindergarten in Zukunft auch zur Heimat der Hartkirchner Kinder werden.
Ein ultimatives Effizienzprojekt sozusagen. Tatsache ist, dass Hartkirchen über ausreichend Kindergartenplätze verfügt und niemand dort auch nur im Geringsten daran denkt, die Kinder nach Aschach zu bringen. Im Volksmund nennt man so etwas „eine Augenauswischerei.“ Geläufig ist auch der Begriff „Scheinargument“ und auch der Terminus „alternative Wahrheit“ läßt sich dafür verwenden.

Was bei all dem Effizienzdenken, das vor allem der Bauwirtschaft einen schönen Auftrag beschert und die zukünftigen Besitzer des zentral gelegenen Kindergartengebäudes in Aschach  glücklich lächeln lässt, am wenigsten zählt, das sind die Kinder. Mit dem Projekt  wird ihnen und ihren Eltern klar vor Augen geführt, dass  ihre Bedeutung gering ist und ihre Unterbringung im bisherigen Gebäude ein Luxus ist, den sie nicht wert sind.

Es geht um die Kinder und nicht um Effizienz. Unsere Kinder sind unsere Zukunft, sie tragen die Regeln die wir uns geben, die Werte unserer Gesellschaft mit sich. Und wenn wir sie lehren, alles nur nach der Nützlichkeit und dem Geldwert zu beurteilen, was für eine jämmerliche Welt  wird daraus entstehen.

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