Du heiliges Schaf…

 

Eine Fabel

Seit Anbeginn der Zeiten  kommen sich die unterschiedlichsten Schafherden auf ihrem Weg durch  das Jammertal der Welt in die Quere. Aber – was man anehmen sollte – dabei beschnuppern sie sich nicht neugierig und denken dabei: Neue Schafe, neue Ideen, neue Chancen.  Nein, sie bleiben reserviert und treten allen anderen Schafen mit Ressentiments gegenüber. Der Grund sind die Hirten, die den Schafen die Welt auf eine besondere Art erklären und ihnen Werte eingeimpft haben, auf deren  Einhaltung die Hirtenhunde zu achten haben.                                                                                                                                                                  Aber  alle Schafe haben vier Beine zwei Augen zwei Ohren und ein wolliges Fell. Sie wollen fressen, schlafen sich fortpflanzen und sicher sein dass ihre Jungen vor dem bösen Wolf beschützt werden. Darauf könnte man sie reduzieren und es dabei belassen, denn das gilt für alle Schafe auf der Welt gleichermaßen. Die Hirten legen aber Wert darauf, gewisse, wenn auch unwesentliche Unterschiede herauszustreichen. Das berühmte schwarze Schaf, auf das man verweisen kann,  und  das den  Hirten als Negativbeispiel dafür, wie Schafe nicht sein sollen,  dient, ist die eine Extremposition.  Das geduldige Schaf, dass alles mit sich machen lässt, dem man das Fell über die Ohren ziehen kann, die andere.  „Wenn Dir jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte auch die Linke hin“, ist der diesbezügliche Lerninhalt in der Schafsschule. Etwas, woran sich aber nur Schafe, nicht die Hirten halten müssen. Dazwischen gibt es  eine Unzahl von Einzelmerkmalen, die man für eine Diversifizierung des Schafskosmos verwenden kann und mit diesen Einzelmerkmalen, die man besonders herausstreicht, gelingt es den Schäfern in den Gehirnen der Schafe Barrieren zu errichten. Barrieren, die dafür sorgen, dass  sich die einen  Schafe als etwas anderes definieren als die anderen Schafe.  Das können körperliche Merkmale sein, wie eine besondere Fellfarbe oder die Form der Ohren, die eine Rasse über die andere, oder ein Schaf über das andere  erhebt. Und man kann etwas besonders betonen, indem man es verbietet. Zum Beispiel, dass sich ein ohnehin schon schwarzes Schaf noch einen schwarzen Schleier  über die Schafsohren breitet und so womöglich versucht die Regeln der eigenen Schäfer durchzusetzen.  Und so kann auch jeder Schäfer dafür sorgen, dass bestimmte Schafe ihm die Arbeit abnehmen und von sich aus dafür sorgen, dass  die  Herde dem Schäfer folgt. Wenn man brav ist, kann man Leithammel werden, eine Position mit hohem Coolnessfaktor.  Aber insbesondere  illusionäre Schöpfungen,  wie ein  übergeordnetes Schaf, das in geheimnisvollen Sphären dafür sorgt, dass die Ordnung auf dieser Welt weiter besteht und dessen Gesetzte unbedingt eingehalten werden müssen, können den Unterschied ausmachen. Eine gemeinsame abstrakte Idee, die die Welt in ein Abendland der guten weißen Schafe und ein Morgenland der bösen grauen Schafe teilt. Und wenn man sich von dieser Idee abwendet, kann  es sein, dass sich  die Welt plötzlich in die falsche Richtung dreht. Und damit man das nicht heraufbeschwört, darf man bestimmte Gräser nur mit dem Rücken zur Sonne fressen. Oder an ungeraden Tagen, darf man seine Schafskötel nicht neben einer Eiche fallen lassen, sonder nur unter der Akazie. Und kein Tag soll vergehen an dem Du nicht dankbar dafür  bist, dass dich der Schäfer durch diese, ach so komplizierte Welt führt und dich beschützt, dir Regeln gibt und dir das Denken abnimmt. Und wenn man des Schäfers ansichtig wird muss man das Haupt beugen und sagen:  „Heiliges Schaf, danke, dass Du den Schäfer über mich wachen lässt“.

Und die Schafe glauben ihren Hirten alles und lassen sich von den Schäferhunden, die auf ihre Kosten ein gutes Leben haben, bewachen. Und ihren  einzigen Lebenszweck sehen sie darin, sich das Fell über die Ohren ziehen zu lassen und  den Gesetzen der  Hirten zu folgen. Und  wer diesen Gesetzen folgt ist ein gutes Schaf und wer daran zweifelt, der ist des Wolfes.

 

Um Mitglied einer Schafherde zu werden, muss man in erster Linie ein Schaf sein.                              Mark Twain

Ein Gedanke zu “Du heiliges Schaf…”

  1. Bin dafür, dass alle schafe(egal ob schwarze, weiße, braune oder graue) dieser welt ihren hirten bzw. wölfen ordentlich in den hintern treten, und menschenfeindliche traditionen, religionen und sonstigen unsinn ablegen, und sich nicht von brot und spielen bzw. schwachsinngen medien vollends verblöden lassen.
    intelligente und nachhaltige hilfe für die armenhäuser dieser erde ist nur die hilfe zur selbsthilfe vor ort, alles andere kann nicht gelingen.

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