Selbstentmannung

 

Wer die Grünen kennt, weiß, dass sie –  im Gegensatz zu allen anderen Parteien, wo eher das Führerprinzip bei Personalentscheidungen gilt –  tatsächlich basisdemokratisch vorgehen.  Die ÖVP zum Beispiel, hat sich gerade, wohl aus Angst vor dem endgültigen Untergang,    für die Fokussierung auf eine Person, auf den Heilsbringer schlechthin, entschieden. Die  Autokastration der ÖVP Bünde hätte ich vor einem Jahr nicht für möglich gehalten. Bisher wollte keiner  auch nur ein Jota seines Einflusses in der Partei verlieren. Aber in Perioden großer Gefahr war auch schon in der römischen Republik die Wahl eines Diktators auf Zeit üblich. Das kann durchaus Vorteile haben und die Effizienz und Qualität  von Entscheidungen verbessern. Es  kann aber auch schief gehen, wie die Geschichte immer wieder gezeigt hat. Was nun die Grünen betrifft, sie betreiben derzeit auch eine Selbstentmannung und zwar im tatsächlichen Sinn des Wortes. Peter Pilz, ein Mann der ersten Stunde, der  faktisch allen Österreichern als  Stachel im Fleisch der österreichweit tätigen Korruptionisten  bekannt ist,  ist das derzeit letzte prominente Opfer.  Man kann mir Unsensibilität hinsichtlich der Bedeutung  von Frauen in der Politik vorwerfen, aber dass man nach und nach gestandene Männer, die die Partei sichtbar und stark gemacht haben, entfernt, ist  nicht wirklich nachzuvollziehen. Der  Abgang von Eva Glawischnig hat die Dominanz der Damen in den Führungspositionen mit einer weiblichen Doppelspitze noch verstärkt ohne das Profil der Partei und deren Außenwirkung zu schärfen.   Männer wie Pilz und Werner Kogler stehen weithin für  Unbestechlichkeit und ohne ihr Engagement wären die Verantwortlichen der Korruptionsskandale der letzten Jahre der Öffentlichkeit nie bekannt geworden. Warum sich die Parteidelegierten am Sonntag für den feschen, aber unbekannten Julian Schmid statt für Peter Pilz entschieden haben, ist vor einer der problematischsten Wahlen der grünen Parteigeschichte, im Herbst dieses Jahres, ein Rätsel. Pilz  war für viele ein Grund, die Grünen zu wählen. Julian Schmid ist bis dato nur als adrettes Model für ein Wahlplakat der Grünen in Erinnerung, wenn überhaupt. Darüber hinaus sieht die Wahlordnung der Grünen eine eindeutige Bevorzugung  der Frauen vor –  also weibliches Geschlecht als Qualifikation.  Dass dieses Reglement den Sinn hat,  mehr Frauen Zugang in die Politik zu verschaffen und ähnlich dem inzwischen landauf, landab belächelten, geschlechtsbewussten Sprachgebrauch auf die Gleichstellung der Geschlechter zielt,  wissen inzwischen fast alle. Ob es aber einer Partei gut tut, diesen Aspekt so zu dramatisieren und sich sukzessive zu entmannen, wird die Zukunft weisen.  Im Herbst warten zwei riesige Mühlsteine auf das  gegenderte Biomüsli.

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