Die Bestätigung für die Bestätigung, der Bestätigung

Im Bereich des Gesundheitswesens gibt es eine Unzahl von Beteiligten und Interessenten. Da gibt es die Politik, die Kassen, die Pflegedienste, die Ärzte, und ein System von Beamten, Patientenanwälten und sonstigen Interessensvertretern, die so etwas wie der Sand im Getriebe sind und zu dem ungeheuren Verschleiß beitragen, der dieses System immer langsamer und immer schwerfälliger macht. Man nennt diesen Sand Bürokratie. Entgegen allen Beteuerungen von berufener und unberufener Seite nimmt die Verwaltungs- und Regulierungswut langsam Formen an, die die Zahnräder im Getriebe wahrscheinlich bald einmal zum Stillstand bringen werden. Und die steigenden Kosten des Systems sind nicht zuletzt durch die Subversion der beamteten Sandkörner mit verursacht.
Beispiel gefällig: Eine Behinderteneinrichtung hat z.B. 30 Betreuer und 50 Betreute. Jeder dieser 50 Betreuten nimmt irgendein Medikament, oft mehrere gleichzeitig. Darum braucht man für jeden Betreuer und jeden Patienten eine Bestätigung, dass der Betreuer für jeden der Betreuten berechtigt ist, dieses Medikament oder deren mehrere zu verabreichen. Dazu bedarf es der Unterschrift des behandelnden Arztes. (30 x 50) Wenn sich das aber ändert, wenn einer der Betreuten für eine Woche Nasentropfen bekommt, dann muss der Arzt für jeden der Betreuer eine neue Liste unterfertigen auf der auch die Nasentropfen angeführt sind. Es werden also 30 neue Listen – für jede Pflegeperson eine – gedruckt, auf der der Arzt bestätigt, dass besagte Pflegekraft berechtigt ist Nasentropfen an den einen Patienten auszuteilen. Wenn nach drei Tagen ein Antibiotikum dazukommt, geht das Spiel von neuem los und es wird für jede Pflegekraft eine Bestätigung gedruckt, dass jetzt auch das Antibiotikum verabreicht werden darf. Falls sich für den Patienten eine wohltuende Einreibung mit Wick Vaporup empfiehlt, muss das Ganze noch einmal niedergeschrieben und von Arzt bestätigt werden. Das Gleiche gilt für jedes Medikament, dass in Altersheimen oder in sonstigen Einrichtungen verschrieben wird. Das Gleiche gilt für eine Unzahl von Handgriffen und Tätigkeiten in Krankenhäusern und Pflegeheimen, für die Bewilligung von Medikamenten und Untersuchungen. Das, was damit verwaltet und reguliert wird – der Mensch – ist bald Nebensache. Es geht in erster Linie darum, seinen Nahrungsverbrauch, seine Ausscheidungen, seinen Pflegebedarf und seinen Medikamentenverbrauch zu erfassen. Die Pflegekräfte verwenden einen Teil der Arbeitszeit für Dokumentationen, die in Ablagen verschwinden. Wenn Patienten in Pflegeinrichtungen dann vernachlässigt, einsam und verwirrt in der Nacht randaliert und der Arzt ein Beruhigungsmittel verschreibt, dann muss das an eine zentrale Erfassungsstelle gemeldet und schriftlich genau begründet werden, weil das Beruhigungsmittel ja eine Freiheitsberaubung darstellt. Die Frage warum es so weit kommt, stellt aber niemand.

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