ELGA or not ELGA that is the question

Alle paar Monate schreibt eine Zeitung einen mehr oder weniger gehäßigen Bericht über den Widerstand der Ärzte gegen das hochgelobte Projekt zur elektronischen Krankenakte.
Seit bald zehn Jahren wird von verschiedenen IT Firmen an verschiedenen Versionen eines Datenerfassungssystems für Patientendaten herumgeschustert. Und herumgeschustert sage ich ganz bewusst, denn das Ganze ist immer noch Flickwerk und kein passender Schuh. Aber sowohl die politisch damit Befassten als auch die IT Firmen loben das Stückwerk in der Presse immer wieder in den höchsten Tönen und bezichtigen die Ärzte sich gegen Modernisierung zu stellen. Dahinter, so nehme ich an, stecken in erster Linie massive finanzielle Interessen der Beteiligten oder politische Implikationen deren Hintergrund wir alle nicht wirklich wissen sollen. Es könnte aber im besten Fall auch sein, dass die Leute einfach keine Ahnung haben wie sich der Informationsgebrauch in Alltag eines Arztes tatsächlich abspielt.
Das System, an dem seit Jahren herumgemurkst wird, ist eine riesige, aber vollkommen ungeordnete Datensammlung, die aus unterschiedlichsten Dokumentenformaten zusammengestöpselt wird. Aus diesem Grund ist eine Suchfunktion nicht möglich und Ärzte die damit arbeiten, müssen im Prinzip jedes Datenfile öffnen, wenn sie ein bestimmtes Ereignis abfragen wollen. Das können hunderte Seiten sein. Im Praxisalltag also unmöglich. Vielleicht haben EDV Leute, die den ganzen Tag vor einem Bildschirm verbringen und gewohnt sind auf irgendetwas zu warten eine romantische Vorstellung vom Dasein eines Arztes. Aber Ärzte müssen meist schnell und nur auf ihre fünf Sinne angewiesen Entscheidungen treffen und Probleme lösen. Lange Rede kurzer Sinn: Wir können auf das derzeitige System dankend verzichten, denn es würde uns ungeheuer viel Zeit kosten, damit zu arbeiten. Alle Ärzte, die es ausprobiert haben, haben nach kurzer Zeit fluchend das Handtuch geworfen. Das wurde und wird schlicht und einfach unterschlagen. Argumentiert wird damit, dass mit diesem teuren und aufwändigen System mehr Sicherheit für Patienten entsteht und Kosten durch weniger Doppeluntersuchungen eingespart werden. Die Politik sollte endlich zugeben, worum es sich bei Elga wirklich handelt: Ein Steuerungsinstrument mit dem man Kontrolle ausüben kann. Und darüber hinaus ist es ein enorm teures Experiment. Nach Schätzungen dürfte es bis jetzt ca. 130 Millionen Euro verschlungen haben ohne auch nur im Entferntesten den Ansprüchen, die man an ein solches System heute stellen muss, zu entsprechen. Mit diesen Millionen kaufen wir die sprichwörtliche Katze im Sack. Es gibt keinen wissenschaftlich fundierten Beleg dafür, dass durch diese elektronische Patientenakte mehr Sicherheit oder Einsparungen erzielt werden können.
Was man aber damit tun kann steht im Gesetz:
Es kann mit einem Schlag und zentral gesteuert auf alle Patientendaten personenbezogen zugegriffen werden. Es genügt das ELGA-Gesetz genau zu lesen um einem die Haare zu Berge stehen zu lassen. Gut versteckt hinter dem Begriff „Gesundheitsvorsorge“ (§ 14 Abs. 2 Z 1 ELGA-GiVm § 9 Z 12 DSG 2000) wurde ein Persilschein zum Zugang auf alle Patientendaten durch jede Behörde, sogar jede private Einrichtung geschaffen. Es genügt für eine Zugriffsberechtigung etwas zur Vorsorge tun zu wollen!!!!!!!!! Jede Versicherung, jede Firma, die etwas für Vorsorge tut, hat Anspruch auf alle gespeicherten Patientendaten. Das könnte theoretisch auch eine Großmolkerei sein oder ein Anlageberater.
Darüber hinaus wird behauptet dass Patientinnen und Patienten anhand der Protokolldaten sehen können wer auf ihre Daten zugegriffen hat .
Tatsache ist: Es gibt kein vollständiges Protokollierungssystem, protokolliert wird nur, was in einem Protokollierprogramm vorgesehen ist. Weiters können Daten sehr wohl rechtmäßig abgerufen werden, jedoch davon Kopien in weiterer Folge rechtswidrig verwendet werden. Kein Protokollierungssystem kann das erkennen. Ganz zu schweigen von Archiv- und Backupkopien. Genauso schwerwiegend ist jedoch auch, dass bei komplexen Behandlungen, etwa in einem Spital, hunderte Personen rechtmäßig zugreifen, der Patient in der Fülle dieser Zugriffe einzelne illegale Zugriffe gar nicht erkennen kann.
Gebetsmühlenartig wird die „Sicherheit“ von ELGA betont. Wenn es tatsächlich so wäre, dann müsste man es nicht ständig wiederholen.
Ein System in dem hunderte Computersysteme installiert sind die von völlig unterschiedlichen Einrichtungen betrieben werden, ein System in dem es keinen Letztverantwortlichen gibt, kann nicht sicher betrieben werden. Darüber liebe Patienten müsst ihr euch im Klaren sein. Auch darüber, dass dieses Elga Gesetzt  gegen mehrere Verfassungsartikel verstößt.

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