Landmannalaugar

Der Weg von Leirubakki nach Landmannalaugar ist weit. Landmannalaugar liegt im südlichen Teil Islands in der Nähe des Vulkans Hekla und ist eine Landschaft von erhabener Schönheit, die ihr Aussehen den vulkanischen Aktivitäten verdankt. Graublauer Pechstein neben rötlich-braunen Hängen aus Ryolith und Quarzrachyt, die streckenweise durch Schwefel- und Kalkausfällungen graue, bläuliche und weiße Farbgebungen zeigen. Grüne Moose und weiße Schneereste, die selbst im Hochsommer vorhanden sind, setzen weitere Farbakzente. Daneben schwarz glänzende Obsidianfelder. Eine Gegend zum Wandern und Staunen. Ungefähr zwei Stunden dauert es, bis der allradgetriebene Bus, der auch auf der Mondoberfläche eine gute Figur machen würde, sein Ziel erreicht. Zeit genug für einen kleinen Plausch mit dem Fahrer, neben dem ich am Frontsitz Platz genommen habe. Ein gemütlicher, ein wenig rundlicher Herr, wohl im selben Alter wie ich. Man würde ihm die akrobatischen Fahrkünste nicht zutrauen, deren es bedarf, das Gefährt durch diese außerirdische Landschaft zu pilotieren. Über weite Strecken hat man das Gefühl, sich auf einem anderen Planeten zu befinden. Schwarze Lava soweit das Auge reicht. Die schmale Piste, die sich in abenteuerlichen Kurven durchschlängelt, führt immer wieder an mehr oder weniger tiefen Furten durch ungebändigte Flussläufe, die breit mäandernd, die weite Ebene durchfließen. Ein merkwürdiges und ziemlich lautes Geräusch, als ob jemand rhythmisch auf eine Trommel schlüge, lässt uns beide aufhorchen. Es hört sich nicht wie ein mechanischer Lärm an, sondern fast melodisch. „What an unusual noise?“ sagt er und es klingt ein wenig alarmierend. Aber die Inspektion des Fahrzeugs, als er anhält, lässt keinerlei Ursache für den Lärm erkennen. Keine Steine zwischen den riesigen Doppelreifen, die Achsen, Lenkung und Stoßdämpfer unauffällig. Wir fahren also weiter und das Geräusch begleitet uns. Jemand trommelt links hinten und dann wieder eher in der Mitte in unregelmäßigen Abständen. Wir werfen uns fragende Blicke zu, aber er fährt jetzt achselzuckend weiter. „Elfen? Trolle?“, schlage ich eine, für Island mögliche Erklärung vor. Er grinst still in sich hinein, zuckt wieder mit den Schultern und konzentriert sich auf die Piste, die jetzt steil bergan dann in einer waghalsigen Rechtskurve wieder bergab führt. „ Gibt es noch andere Geister in Island?“ frage ich ihn und deute mit dem Daumen nach hinten. „Ja“, sagt er trocken. „Aber die haben wir verjagt, das waren die Banker“.

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