Prager Elegien

Andrej Barbis ist Multimillionär und er ist angeklagt. Das hat er mit Donald Trump und Silvio Berlusconi gemeinsam. Multimillionär wird man, wenn man irgendwo der Erste oder der Beste ist oder wenn man falsch spielt, also ein Betrüger, ein Schlitzohr, ein Gauner ist. Trump und Berlusconi sind beredte Beispiele für Letzteres. Beides undurchsichtige, von Eigeninteressen gesteuerte Schlitzohren, die es geschafft haben, auf Grund ihrer Verbindungen und ihrer Beredsamkeit das Volk zu beeinflussen. Wohlgemerkt das einfache Volk, die Intellektuellen hatten sie nie auf ihrer Seite. Zu offensichtlich und zu leicht zu durchschauen waren ihre Manöver, zu dumm, zu einfältig ihre Statements und ihre Programme. Daraus sollte man seine Lehren ziehen. In Tschechien herrscht seit 1774, genau wie in Österreich, von Maria Theresia eingeführt, die Schulpflicht. Es ist also davon auszugehen, dass der Großteil der Tschechen sinnerfassend lesen kann und sich irgendwie über die Weltpolitik informiert und daraus seine Schlüsse zieht. Tun sie aber nicht. Sie wählen mit einiger Mehrheit einen Mann, der beschuldigt wird EU – Förderungen ergaunert zu haben, zu ihrem Premierminister. Dabei geht es den Tschechen so gut wie nie zuvor und man kann sich nur wundern das Barbis, der neben der Ausländerkarte pikanterweise auch die Korruptionsbekämpfung im Programm hat, mit diesen populistischen Argumenten Wahlsieger wurde. Friedrich Nietzsche hat gesagt: „Wir brauchen die Demokratie, um die Wirtschaft am Regieren zu hindern.“ In den meisten Ländern Europas sind jetzt neoliberale Wirtschaftsparteien an der Macht. Das Großkapital sitzt – wie im Fall Tschechien oder auch Österreich – direkt am Ruder oder steht hinter den demokratisch gewählten Marionetten und das Volk glaubt immer noch, dass die ihnen nur Gutes tun wollen.
Fazit: Nietzsche hat unrecht – die Demokratie schützt nämlich nicht vor Blödheit.

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