Bratl in der Rein

Natürlich bin ich heimatverbunden. Auch wenn ich mit der sozialen Heimatpartei, deren Anspruch auf Heimatverbundenheit etwas zwänglich und auf dem Niveau von Kindergartenkindern vorgebracht wird, die Begrifflichkeit nicht teile. Ein angenehmer und prägender Teil meiner Heimatverbundenheit ist die traditionelle Kost in unserem Bundesland. Und dazu gehört nun einmal – Vegetarier bitte wegschauen – der Schweinsbraten. Vor allem wenn er in Gemeinschaft mit Blut- und Leberwurst, Stöcklkraut, Knödel und Kartoffeln daherkommt. Neunundneunzig Prozent unserer überschaubaren Geschichte waren wir Jäger und Sammler, deshalb ist das Bedürfnis, neben diversen Körnern und Knollen, auch ein ordentliches Stück tierisches Eiweiß in der Hand zu halten, ein grundlegendes. Um dem geschlachteten Tier zu danken und um ihm die Ehre zu erweisen, hat man in der Vorzeit Opfer an eine dem Menschen und dem Tier übergeordnete, metaphysische Macht dargebracht. Darauf verzichten wir heute weitgehend. Dafür sollten wir zumindest die Natur, die uns umgibt nützen, ohne etwas zu verschwenden, wie wir es vielfach tun. Und was wäre besser mit all diesen Erfordernissen und Ansprüchen in Einklang zu bringen, als die Schlachtplatte – vielerorts auch als Bratl in der Rein apostrophiert. Ein Art Verniedlichung, die uns den semantischen Verweis auf die Tötung des Tieres erspart – da sind wir heute ein wenig zimperlich geworden. Aber bei der Schlachtplatte wird alles verwertet, von den Innereien bis zum Blut. Wenn hinter der Zubereitung derselben auch noch jahrelange Erfahrung und trotz aller Schlichtheit eine gewisse Raffinesse im Detail steckt, wird der kollektive Schmaus ähnlich aussehen, wie man sich eine satte und glückliche Jäger – und Sammlergruppe vor 25 tausend Jahren in den Hügeln des Alpenvorlandes am Lagerfeuer vorstellen mag, allerdings unter Zusatz von Bier.
Anstelle einer Rezeptur gebe ich heute eine Adresse preis, wo nach Vorbestellung, neben einem ungemein saftigen Schweinsbraten die besten Blut- und Leberwürste mit Knödel, Stöckelkraut, Krautsalat und Kartoffeln serviert werden.
Bitte nicht vom eher nüchternen Ambiente der Gaststube, die im Mehrzweckgebäude (Gasthaus, Gemeindeamt, Turnhalle, Kindergarten) untergebracht ist abschrecken lassen. Das Bratl in der Rein ist einen Besuch auf jeden Fall wert. Unbedingt vorbestellen.

s’Wirtshaus
St Thomas 100
4732 St. Thomas
Tel.:07277/ 27493
http://www.sankt-thomas.at/s_Wirtshaus

 

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