Mutterkreuz

 

Da ich wegen meines gestrigen Blogeintrags verbal einigermaßen gezwiebelt wurde,  muss ich, so leid es mir tut (oder so viel Freude es mir macht, mit weiteren Provokationen die Diskussion am Laufen zu halten), noch ein wenig Öl  ins Feuer schütten.

Der Punkt ist: Die Sexismusdebatte wird, wie vieles in Österreich, nur anlassbezogen und höchst oberflächlich geführt.  Vorausschicken möchte ich noch, dass in der Politik selten etwas zufällig passiert.   Und wenn etwas passiert, dann wird es für kurze Zeit zum Sensationsthema  in den Medien, um  dann umgehend von einer neuen Sensation abgelöst zu werden. Dann ist das Thema vorerst wieder vom Tisch und niemand interessiert, dass die  Praktikantin in der Firma xy vor Ort ständig von einem  dieser sogenannten alten Säcke bedrängt wird, bis sie beschließt, die Firma zu verlassen, weil alle ihre Proteste bei der Firmenleitung nichts genützt haben und sie bei den anderen Frauen in der Firma keine Unterstützung bekam. Das holt auch keinen einzigen Journalisten hinter dem Ofen hervor und gäbe es die Arbeiterkammer nicht, hätte die junge Dame auch keine Chance gehabt,  irgendwie entschädigt zu werden.

Wenn ein Dominque Strauß Kahn, ein Donald Trump, ein Berlusconi oder ein Pilz im Mittelpunkt stehen, dann wird tugendhaftes Verhalten plötzlich  zum zentralen Bewertungskriterium, aber aus politischen Gründen, weil der politische Gegner sich  einen Vorteil  verspricht. Und dann wird die Debatte für  sieben oder neun Tage von der Journaille mit allen möglichen kontroversiellen  Interviews (siehe Nina Proll) angeheizt.

Aber ist irgendjemandem von euch aufgefallen, dass diese künstlich hochgeputschten Debatten in der Folge zu einer gesamtgesellschaftlichen  Veränderung geführt haben? Hat das Beispielwirkung auf irgendeinen „dirty old man“ ? Wird „me too“ etwas bewirken?  Hat Donald Trump die Diskussion über „ grab her pussy“ oder Silvio Berlusconi  die Beziehung zu minderjährigen Prostituierten  geschadet?  Nein im Gegenteil, sie haben die Wahl gewonnen und Silvio Berlusconi schickt sich gerade wieder an, mit seiner Partei nach der Macht in Italien zu greifen, und die Chancen stehen nicht schlecht, dass er zum dritten Mal erfolgreich ist.

Tatsache ist, dass die Debatte über Sexismus  offensichtlich gerade im Bewusstsein der betroffenen  Frauen keinen Niederschlag gefunden hat. Tatsache ist, dass derzeit allenthalben  in Europa  Parteien, wie die Grünen, die sich dem Thema Frauenrechte verschrieben haben, nicht gerade über einen übergroßen Zulauf zu klagen haben. Tatsache ist, dass überall Parteien an die Macht gekommen sind, die den Ideen der Gleichheit der Geschlechter  und der Frauenrechte zum Teil  diametral gegenüberstehen, ja die dezidiert antiemanzipatorisches Gedankengut und damit den Machterhalt der Männer in ihren Parteiprogrammen festgeschrieben haben, wie die FPÖ. Und wer hat sie gewählt? Das waren nicht nur die jungen zornigen Männer aus der Unterschicht, nein Frauen haben sie gewählt. In fast allen Ländern Europas ist der Anteil der Frauen an der Gesamtbevölkerung höher als der der Männer (z.B. Deutschland:  41,6 Mio. Frauen zu  40 Mio. Männer/ Österreich: 4,4 Mio. Frauen zu  4,3 Mio. Männer). Also spätestens seit dem 29. April  1990 (da hat der Schweizer Kanton Innerrhoden das Frauenwahlrecht eingeführt), könnten die Frauen flächendeckend in ganz Europa mit ihrer demographischen Mehrheit über ihr Schicksal selbst bestimmen. Aber die Wahlen gewinnen immer häufiger Gruppierungen, deren Mitglieder sich gegenseitig die Visage zersäbeln, um sich und der Welt zu beweisen, dass sie zu einer gewaltbereiten, kriegerischen Alphamännchengruppe  gehören.  Männer, deren Frauenbild  bei einer aparten Küchenhilfe, die fähig ist, zahlreichen Ariern das Leben zu schenken, beginnt und beim Mutterkreuz aufhört.   Und die Wahlen gewinnen sie mit den Stimmen der Frauen!

Also was soll ich tun? Das Ganze erinnert mich an Aktienbesitzer, die sich über eine zu geringe Dividende beschweren, aber selber ständig bei der eigenen Konkurrenz einkaufen gehen. Ich kann nur das immer wieder aufflackernde Licht, das dann ebenso rasch verlöscht,  mit dem Ausdruck des Erstaunens und des Bedauerns  zur Kenntnis nehmen. Erst wenn die Frauen selber politisch jene  Konsequenzen ziehen, die sie ständig einfordern und erst wenn jeden Tag  mindestens ein alter Sack eine Ladung Pfefferspray in die Visage bekommt oder eine krachende Ohrfeige  seine Wange sanft erröten lässt, nehme ich euch wieder ernst.

So kann ich nur sagen: Vorwärts Frauen, wir marschieren  zurück.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu „Mutterkreuz“

  1. .. und wenn Sie noch so viel Öl ins Feuer schütten, ihr Herr Pilz gehört stellvertretend für all diese alten Säcke ans Kreuz genagelt. Ich vergönne es ihm!
    .. und Danke für den Tipp, ich werde zumindest meiner Tochter raten, dass sie den Pfefferspray ab jetzt nicht nur zum Joggen mitnimmt, sondern auch ins Büro!

    Gefällt 1 Person

  2. Sorry, mein Fehler!
    Ich habe einen Moment nicht daran gedacht, dass es ihnen bei diesem Blog nicht um die Themen per se geht sondern einfach nur darum zu provozieren, weil ihnen das offensichtlich Spaß macht. Durchaus legitim, denn ich praktiziere dies auch oft, in dem ich eine absurde Behauptung aufstelle (allerdings nur persönlich und nicht vor der ganzen Facebookgemeinde) und die Reaktion meines Gegenübers abwarte:
    a) Glaubt er/sie mir diese Behauptung – OK, nett aber nix im Kopf
    b) Bestreitet er/sie diese Behauptung wehement – geht gar nicht – kein Humor
    c) „Steigt er/sie ein“ – das ist mein Mann/Frau!
    Also es tut mir leid, dass ich mich hinreißen lassen habe, obwohl ich natürlich zu dem stehe, was ich geschrieben habe.
    Und noch abschließend zu diesem Thema: Wie wäre es mit einen Blog-Beitrag unter dem Titel „Die Kirche im Dorf lassen“

    Liebe Grüsse Gerlinde Mager

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