Cui bono? oder ……. für eine handvoll Tschick

Als Exminister Ernst Strasser von englischen Journalisten, in all seiner Einfalt und Eitelkeit gefilmt und vorgeführt wurde, protzte er unter anderem auch damit, dass ihn gerade die Tabakindustrie um seine Dienste ersucht hätte. Es gibt keine Industrie, die derart massiv Lobbying betreibt und derart viele Lobbyisten in Brüssel vor Ort hat und dabei dermaßen viel Geld verteilt, wie die Tabakindustrie. Die Tabakindustrie lässt und ließ sich schon immer die Beeinflussung der Politik in ihrem Sinne viele Millionen kosten.* Und sie kann sich das auch leisten. Die fünf umsatzstärksten Tabakproduzenten setzen weltweit so viele Milliarden um, wie die 120 ärmsten Länder der Welt Bruttosozialprodukt haben. (sic!) Und sie bringen mit ihren Produkten mehr Menschen um als die Waffenindustrie, nämlich gut 8 Millionen Menschen pro Jahr weltweit; Tendenz steigend.
Österreich gehört in Europa zu den Ländern mit dem höchsten Raucheranteil. Mehr als 30 % der Bevölkerung sind nikotinabhängig. Ca. 13 Milliarden Zigaretten werden in Österreich pro Jahr geraucht. Das beschert dem Staat ein Steuereinkommen von
1,8 Milliarden Euro. Unsere Kinder – die 11- bis 16 Jährigen – haben 2014 an die 60 Millionen Euro Tabaksteuer gezahlt. Dafür sterben ca. 14 000 Österreicher jährlich an den Folgen des Tabakkonsums. Davon mehr als 4000 Menschen an Lungenkrebs. Eine Stadt – größer als Vöcklabruck – wird in Österreich jährlich ausgelöscht und niemand unternimmt etwas dagegen.
Den erstaunlichsten Zickzackkurs hat dabei die Wirtschaftskammer entwickelt. Anstatt dafür zu sorgen, dass das Rauchen in öffentlichen Lokalen verboten wird zum Schutz ihrer Mitglieder, der Wirte, wie es in fast allen anderen Ländern Europas geschehen ist, hat sie den Wirten wider besseres Wissen*², eingeredet, dass sie dann alle Konkurs anmelden müssen. Die Wirte wurden also gezwungen auf eigene Kosten vollkommen unsinnige Trennwände*³ einzubauen, um Raucher und Nichtraucherbereiche zu trennen. Damit war eine Scheinlösung gefunden und gewährleistet, dass die Tabakindustrie weiter ihre Profite machen kann. Die Erregung der Wirte hat sich abermals gesteigert, als die Regierung vor knapp zwei Jahren dann doch nicht mehr umhin konnte, den wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend ein Rauchverbot nach europäischer Norm umzusetzen. Wieder war es die Wirtschaftskammer (unter anderen Wirtshausphilosophen auch ein halblustiger Hotelier aus den Alpen, der vehement die Meinung vertrat, dass Passivrauchen nicht schädlich sei) die vorgab für die Wirte zu agieren und heftig gegen das Gesetzt polemisierte. Daraufhin hat man – auch wieder einzigartig in ganz Europa – die Anwendung des Gesetzes um zwei Jahre hinausgeschoben. Da gibt es eigentlich nichts zu beschönigen, Österreich ist eine Bananenrepublik. Jeder kleine Haschischdealer geht in den Bau, aber dort wo es um das große Geld geht und der Staat mitverdient, spielen Menschenleben keine Rolle. Dabei haben andere Länder, z.B. Italien, vorgeführt, dass es geht: Die Akutaufnahmen wegen eines Herzinfarktes sind in Rom, Bologna oder Mailand innerhalb von wenigen Jahren um 30 Prozent zurückgegangen, nachdem das Rauchen aus Restaurants und von öffentlichen Plätzen verbannt wurde.
Erstaunlicherweise gibt es aber auch jede Menge andere agitatorische Verfechter des frühen Todes. Menschen, die das Blaue vom Himmel herunter lügen, um entweder die eigene Sucht zu rechtfertigen oder für die Tabakindustrie eine Bresche zu schlagen. Da wird das Sterben verharmlost und die Freiheit des Menschen und die Eigenverantwortung ein ums andere mal strapaziert, aber nicht erwähnt, dass Nikotin nach dem Heroin der Stoff ist, der am schnellsten zu einer schweren Abhängigkeit führt und dass es mit der persönlichen Freiheit dann vorbei ist. Da werden Fachleute, die sich mit den Opfern und deren Krankeiten seit Jahren beschäftigen, diskriminiert und alles als Übertreibung dargestellt. Da gehen sogar Rechte und Linke, Kapitalisten und Antiimperialisten Hand in Hand und beschwören, so lächerlich es sein mag, auf einmal Gemeinsamkeiten. Wir sind Raucher und wir leben ja noch…. Wenn man sich überlegt, dass Raucher bereit sind, für ihre Sucht um zehn Jahre früher zu sterben bzw. bewußt das Risiko eingehen, Krebs zu bekommen, dann kann man erahnen, wie mächtig diese Sucht ihre Opfer in den Krallen hält und wie groß der Schatten ist, der auf die Glaubwürdigkeit dieser bemitleidenswerten Menschen fällt. Aber auch wie schwerwiegend es ist, wenn sich Politiker, die selber süchtig sind, für diese Todesindustrie verwenden. Circa 80 % aller Heroinabhängigen können im Laufe ihres Lebens die Sucht wieder abschütteln, was bei den Rauchern nur 3% gelingt. Sucht ist die beste Kundenbindung. Du willst zwar nicht mehr kaufen, aber du musst und du tust es auch dann noch, wenn du dir die Seele aus dem Leib hustest. Wenn Politiker ein Gesetz zur Eindämmung dieser Sucht rückgängig machen wollen und die Regierungsverhandlungen davon abhängig machen, dass die Tabakindustrie wieder ungestört ihre Profite auf Kosten von Menschenleben machen darf, dann fällt mir zuallererst Ernst Strasser ein: „Of course, I am a Lobbyist. I get 100 000 Euros for one year….“

*http://www.hontschik.de/chirurg/rundschau/170304%20170%20marlboro-man.pdf

*²Alle Untersuchungen in Europa haben ergeben, dass es durch Rauchverbote in keiner Weise zu einer wirtschaftlichen Beeinträchtigung der Gastronomie gekommen ist. Eher im Gegenteil. Und englische Pub- Besitzer sagen, dass sie nie wieder die Zeiten vor dem Rauchverbot haben möchten. Aber die Lobbyisten der Tabakindustrie verbreiten und schüren diese Ängste nach wie vor. Die Wirte sind sozusagen zu unfreiwilligen Verbündeten der Tabakkonzerne gemacht worden, denn die kann ja nicht gut behaupten, dass ihre unglaublichen Profite, die zum Tod tausender Menschen führen, durch irgend etwas gerechtfertigt sind. Es sei denn, man nimmt die Entlastung der Pensionskassen als Kriterium. Immerhin stirbt jeder 2. Raucher vor dem siebzigsten Lebensjahr. Also musste man andere Wege und andere Proponenten suchen, die sich für die Interessen der Tabakindustrie ans Kreuz nageln lassen und das sind die Wirte. Die Wirtschaftskammer spielt hier eine eher fragwürdige Rolle und ein misstrauischer Beobachter würde wohl zu der Annahme neigen, dass den Verantwortlichen dort die Zusammenarbeit mit der finanzstarken Tabakindustrie eher an Herzen liegt als die Interessen der Wirte. Ich persönlich würde mich, wenn man die Abläufe chronologisch betrachtet, von der WK schlecht beraten und verraten fühlen.

*³ Eine Untersuchung durch das Hygieneinstitut der Uni Wien hat ergeben, dass diese Trennwände keinerlei Hindernis für Feinstäube und Nitrosamine aus dem Raucherbereich darstellen. Sie sind und waren sozusagen für Arsch und Friedrich und um die öffentliche Meinung zu manipulieren. Diese Scheinlösung wurde von den Wirten finanziert, obwohl nur die Tabakindustrie davon profitiert.

http://derstandard.at/1343743913063/Strasser-Meisten-Parlamentarier-so-faul-wie-ich

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s