Stormtrooper

Zugegeben, es gehört sich absolut nicht, dass man im Kino halblaut vor sich hin murmelt und dann auch noch in Gelächter ausbricht, während rundherum alle ehrfürchtig und gebannt das Geschehen auf der Leinwand verfolgen. Schon gar nicht während der Erstaufführung des neuen Star Wars Epos: „Die letzten Jedi“. Als der erste Film von Georg Lucas „Star Wars“, im Jahre 1977 in die Kinos kam, war ich 24 Jahre alt. Die technischen Effekten waren phantastisch und neu und es war opulentes Kino. Auch die neueste Star Wars Episode hab ich mir natürlich angesehen, gemeinsam mit Bruder und Schwester, mit denen mich nicht nur die familiären Bande sondern darüber hinaus die gleiche Art zu denken, zu lachen und sich über die Irrationalitäten der Zeit, lustig zu machen, verbindet. Faktum ist, dass die Story von „ Die letzten Jedi“ dermaßen schwindsüchtig ist, dass man das Gemüt eines Siebenjährigen haben muss, um die, von der Disney Propaganda breit gestreute Diskussion, um eine angeblich philosophische Dimension des Films, ernst zu nehmen. Natürlich sind die Dialoge platt und die Geschichte von Gut gegen Böse uralt und die Computeranimation bringen inzwischen mindestens zehn andere Science-Fiction Filme hundertmal besser auf die Leinwand als Disney- Produktions dies vermag. Anlass für mich und meine Geschwister die aufkommende Langeweile durch diverse halblaut geäußerte Spekulationen zu durchbrechen. Aber für uns ist nicht relevant wer Rays Eltern sind, oder die Tatsache, dass die Waffen der Guten und der Bösen vom gleichen Waffenhändler stammen, (von den Amerikanern?) sondern dass Han Solos Sohn, Kylo Ren auf seltsame Weise erahnen lässt, wie Karl Heinz Grasser nach 10 Jahren Zuchthaus ausschauen wird. Dass wir damit einigen Zusehern auf den Schlips treten, wird uns in unserer heiteren Stimmung nicht bewusst. Erst als nach Ende des Films im Foyer ein aufgebrachter Zuseher, ein Mann um die 30 – finster dreinblickend wie Darth Maul – sich beschwert, dass wir mit unserem Gelächter seine Kontemplation gestört hätten – er hätte immerhin 2 ganze Jahre auf diesen Film gewartet – wird uns die Dimension unseres Fehlverhaltens bewusst. Es gibt sie also wirklich. Die Hardcore Fans, die selbsternannten Stormtrooper, die in diesem fiktiven Universum aus Heldenkult und Plattitüden, jenen Platz für sich erkennen, an dem es sich zu leben lohnt. Ein Platz, der Ihren Wünschen und Phantasien jenen Raum gibt, den die Lebensrealität des 21. Jahrhunderts nicht mehr ermöglicht. Die Macht möge mit ihnen sein.

Ein Gedanke zu “Stormtrooper”

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