Philokratie

Zugegeben, nichts war zu keiner Zeit sinnloser und langweiliger, als sich regelmäßig zur Tagespolitik und deren Proponenten zu äußern. Aber manche Aussagen kann man nicht unkommentiert lassen, schon aus Gründen der Psychohygiene.
Verkehrsminister Hofer, der gerade dabei ist, die in seinem Einflussbereich befindlichen Posten mit Leuten aus seiner Partei zu besetzen, wird heute im Kurier* zitiert: Er hat nämlich seinen Ministerkollegen Herbert Kickl schwärmerisch als Philosophen bezeichnet, dem der Humanismus ein großes Anliegen sei. Nun ist uns Kickl als großer Philosoph ja allen sattsam bekannt und der Erwähnung dieses Sachverhaltes durch den Verkehrsminister hätte es nie bedurft. Wer hätte nicht Kickls hochgeistige Merksprüche, besonders die der Wahlplakate, verinnerlicht. Ich persönlich stelle den großen Philosophen Herbert Kickl auf eine Stufe mit Platon und dessen Höhlengleichnis scheint mir paradigmatisch für die Situation in der sich Herbert Kickl und seine tapfere Gesinnungsgemeinschaft befinden: Schatten, überall Schatten… Darüber hinaus sind Kickls zeitlose Gedanken zur Problematik der Verfolgten in unserer Welt und seine konzeptionellen Überlegungen zur Perzeption des Fremden in unserer Gesellschaft und dessen Konzentration in ländlicher Abgeschiedenheit von einer unerreichten geistigen Durchdringung gekennzeichnet.
Aber siehe da, parallel dazu äußert sich auch der Finanzminister Hartwig Löger (ebenfalls in derselben Ausgabe des Kurier), dass bei ihm die humanistisch- philosophische Ebene stark ausgeprägt sei. Man fragt sich natürlich unwillkürlich was er mit Ebene meint und ob der Begriff mit „flach“ zu übersetzen ist. Darüber hinaus tut der Minister kund, dass es sein Wunsch wäre, ein Buch über den Philosophen Seneca zu schreiben, den er oft zitiere und weshalb er von Freunden oft auch Seneca genannt werde. Nun, wenngleich Seneca als Erzieher des nachmaligen Kaisers Nero nicht wirklich erfolgreich war und in seinen philosophischen Schriften Verzicht und Zurückhaltung empfahl, gehörte er zu den reichsten und mächtigsten Männern seiner Zeit. Er verlieh Geld zu Wucherzinsen und sein Agieren als Politiker stand teils im Widerspruch zu den von ihm in seinen philosophischen Schriften vertretenen ethischen Grundsätzen, was ihm bereits bei Zeitgenossen heftige Kritik eintrug. Sich auf ihn zu berufen, lässt die Tiefe und Tragweite der philosophischen Erkenntnisse eines Hartmut Löger erahnen. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass Senecas Lebenseinstellung – Wasser predigen und Wein trinken – im Raiffeisenkonzern, aus dem Löcker stammt, durchaus ein impliziter Bestandteil der Geschäftsgebarung sei. Zumindest seit den Zeiten des großen Vordenkers Ludwig Scharinger, der ja ebenfalls als großer Philosoph bekannt wurde, bevor ihn ein ungnädiges Schicksal in Russland auf den Kopf fallen ließ. Eins der Lieblingszitate des Hartwig Löcker wird auch angeführt: Ein Zwerg wird nicht größer, auch wenn er auf einem Berg steht. So, so…

Da erfahren wir also aus der Sonntagszeitung grademal so nebenbei, dass wir eine Reihe von hochkarätigen Denkern und Philosophen in der Regierung haben. Dieses Understatement wär aber absolut nicht nötig, denn die Philokratie ist ein Begriff aus den staatspolitischen Überlegungen des griechischen Philosophen Platon, der die Auffassung vertrat, ein Staat sei nur dann gut regiert, wenn seine Lenkung in der Hand von Philosophen sei. Tatsächlich hat es diese Regierungsform bis dato nirgends auf der Welt geschafft Realität zu werden. Ich hege aber jetzt die Hoffnung, dass Österreich wieder einmal die Rolle der Avantgarde übernimmt, wenn uns Amerika nicht zuvorkommt. Mit Trumps, von der Philosophie des Twitterismus geprägten Staatsführung, sehe ich da eine ernsthafte Konkurrenz.

* KURIER ist Eigentum der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), des Banken-Konzerns Raiffeisen und des Zeitungsverlegers Christoph Dichand.

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