Persilschein

Eine Historikerkommission, die aus Historikern zusammengesetzt ist, die dem System und  Gedankengut nahestehen  bzw. das Gedankengut befürwortet, das sie kritisch untersuchen sollen, ist bestenfalls eine Farce. Dass diese Historikerkommission zu irgendeinem anderen Ergebnis als dem von der FPÖ gewünschten kommen kann, halte ich für vollkommen ausgeschlossen.  Dabei vertrauen die maßgeblichen Leute in der Partei darauf, dass der Großteil der jüngeren Österreicher nicht die geringste Ahnung von Zeitgeschichte hat und man ihnen alles erzählen kann, sogar dass Che Guevara ein Kampfgefährte HC Straches war.

Die Historikerkommission wird nichts herausfinden als das, was wir eh schon wissen: Nach der Lockerung des Verbotsgesetzes von 1945 und der de-facto-Amnestierung von NS-TäterInnen kam es bereits 1948 zur Parteigründung des Verbandes  der Unabhängigen (VdU), der als Auffangbecken für „Ehemalige“ (NSDAP-Mitglieder) das so genannte „Dritte Lager“ wieder formierte. Zeitgleich gründeten sich verschiedene Organisationen, die ein breites Spektrum zwischen Neonazismus und kulturellem Deutschnationalismus abdeckten, wie beispielsweise die Kameradschaft IV, ein Zusammenschluss ehemaliger (Waffen-)SS-Männer. Nach einem Richtungsstreit zwischen Liberalen und Deutschnationalen im VdU 1955/56 bildete sich aus dem deutschnationalen Flügel die Freiheitliche Partei Österreichs heraus. Jene Deutschnationalen, die heute wieder in den akademischen Burschenschaften  und schlagenden Verbindungen, ihr abgehobenes Denken und ihre elitären Dünkel pflegen, die sie jetzt in der Regierungsverantwortung umsetzen und zementieren wollen. Den Führungskader der neu gegründeten FPÖ bildeten zum Teil schwer belastete ehemalige Nationalsozialisten wie der erste Parteiobmann Anton Reinthaller, der früher SS-Brigadeführer und Mitglied der Landesleitung der NSDAP in Österreich war. Der Nachhall dieser Gründungsgeschichte ist bis heute in unzähligen rassistischen und chauvinistischen Aussagen von FPÖ Mitgliedern spürbar. An der an faschistische Ideen angelehnten, extrem rechten politischen Haltung der Partei  besteht bei unabhängigen Historikern und Politikwissenschaftlern  kein Zweifel. Dass die FPÖ jetzt wieder einmal – vom Wähler demokratisch legitimiert –  in der Regierung ist, ändert nichts an dieser  Tatsache.

Jetzt soll also eine Kommission diese  Geschichte neu deuten – mit anderen Worten – sie soll der FPÖ einen Persilschein ausstellen.

Zum Thema Persilschein  aus Wikipedia

Einen Persilschein zu besitzen oder zu erhalten, bedeutet eine weitreichende Erlaubnis, einen Freibrief, um einem lukratives Geschäft oder einem zuvor moralisch oder rechtlich angezweifelten Interesse nachgehen zu können.

Der Begriff entstammt dem militärischen Sprachgebrauch und ist auf das Waschmittel Persil zurückzuführen. So war es üblich, dass Rekruten einen leeren Karton für die Rücksendung ihrer Zivilkleidung an ihre Familie zur Kaserne mitbringen mussten, wofür wohl oft Kartons mit einem Werbe-Aufdruck des weit verbreiteten Waschmittels Persil verwendet wurden. Im Soldatenjargon wurde so aus dem eigentlichen Gestellungsbefehl der Ausdruck Persilschein.

Bedeutungswandel

Der Begriff Persilschein erfuhr insbesondere während der Entnazifizierungsphase einen Bedeutungswandel. Mutmaßliche nationalsozialistische  Straftäter konnten durch Aussagen von Opfern oder ehemaligen Gegnern entlastet werden und erhielten somit einen positiven bzw. guten Leumund  und genügten auf dem Meldebogen der Alliierten den Anforderungen des Entnazifizierungsgesetzes.

Umgangssprachlich kann man sagen, dass die betroffene Person vom Vorwurf einer nationalsozialistischen Gesinnung „reingewaschen“ wurde (wobei hier Reinheit für Unschuld steht). Ihr wurde eine „weiße Weste“ attestiert und sie durfte nun wieder eine Wohnung beantragen oder ein Geschäft eröffnen.  Im Laufe des Jahres 1948 ließ das Interesse der Amerikaner an einer konsequenten Entnazifizierung spürbar nach, da der Kalte Krieg mit dem Ostblock mehr und mehr in das Blickfeld rückte. Es wurden Schnellverfahren eingeführt, um diese Angelegenheiten zum Abschluss zu bringen.    Dies führte zu vielen fragwürdigen Urteilen.                                                                                  Auf dem in der amerikanische Besatzungszone ausgestellten Nachweis der Unbedenklichkeit – keine Kriegsverbrechen begangen zu haben und einer bescheinigten makellosen politischen Vergangenheit, die zu Arbeit und Erwerb berechtigte – stand zu lesen: „Aufgrund der Angaben in Ihrem Meldebogen sind Sie von dem Gesetz zur Befreiung vom Nationalsozialismus und Militarismus vom 5. März 1946 nicht betroffen.“

Das war dann ein Persilschein.

Was wird wohl auf dem Persilschein der Historikerkommission stehen?

 

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