Druckersonntag

Der Funkensonntag ist der 1. Sonntag nach Aschermittwoch und ist in Vorarlberg traditionell mit dem Abbrennen eines bis zu 30 Meter hohen, kunstvoll aufgestapelten Holzstoßes verbunden, auf dessen Spitze eine Hexe thront. Damit wird den bösen Geistern des Winters symbolisch der Garaus gemacht.
Die bösen Geister haben ihren Sitz heutzutage aber schon längst verlagert, denn sie wissen um diese Abwehrmaßnahmen und es ist naiv zu glauben, dass sich das Böse nach wie vor mit Feuer vertreiben lässt. Sämtliche Kobolde, Trolle, Hexen und sowohl Sukkuben als auch Inkuben sowie die gesamte wilde Jagd mit allen ihren bösen Geistern haben inzwischen von den elektronischen Geräten, die wir alle ahnungslos in unseren Haushalten beherbergen, Besitz ergriffen. Das ist meine tiefste Überzeugung. Sie legen es darauf an, die Menschen zu ärgern, zur Verzweiflung zu treiben und sie dazu zu bringen, die gotteslästerlichsten Flüche auszustoßen, damit der Teufel an ihnen seine Freude haben kann.
Sonntagmorgen fällt einige Arbeit an, die ich am Computer erledige. Eine lästige Arbeit – natürlich – warum sonst hätte ich sie auf Sonntag verschoben. Berichte an Versicherungen, Kuranträge und dergleichen unseliges Zeug. Soweit verläuft alles normal, bis ich dem Computer den Befehl „Drucken“ erteile. Drucker- das möchte ich vorausschicken – sind neben den Smartphones etwas vom Verdächtigsten und Undurchschaubarsten das es auf der Welt derzeit gibt. Und ich wette, ob die jetzt Hewlett Packard, Canon, Samsung oder Brother heißen, ein geschickter Kabbalist wird aus den Buchstaben dieser Namen mit Sicherheit jeweils die Zahl 666 errechnen können. Und wer weiß, dass ein Drucker heute um ein paar Euro zu haben ist, aber dafür die Farbpatronen, die er ausschließlich verwendet, ein Vermögen kosten, wird diesen Verdacht, dass hier ein Zugang für das Böse in der Welt geschaffen wurde, mit mir teilen. Um es kurz zu machen, der Drucker rattert los und spuckt mehrere leere Blätter aus. Die Kontrolle der Farbpatronen zeigt aber, dass an Farbe kein Mangel besteht. Zur Kontrolle drucke ich ein farbiges Bild. Alles da bis auf Schwarz. Die schwarze Farbpatrone wurde aber erst vor kurzem mit einem Originalprodukt erneuert, wofür ich vom Drucker ausdrücklich belobigt wurde. (Sie haben eine Original HP Patrone eingesetzt und dürfen sich jetzt auf der HP Seite Bonuspunkte gutschreiben. Wenn sie jetzt OK drücken werden Bonuspunkte gutgeschrieben, wenn Sie Nein anklicken verfallen die Bonuspunkte. Möchten Sie die Bonuspunkte gutgeschrieben, dann drücken sie jetzt OK). Ich greife also trotzdem nach einer neuen Patrone und werde dafür vom Drucker wieder mit dem Versprechen auf Bonuspunkte auf die Webseite der Firma gelockt. Dort hinterlasse ich im Feld: Möchten Sie uns etwas mitteilen, eine Tirade, die ich hier aus Jugendschutzgründen nicht wiedergeben kann. Der Tausch der Druckerpatrone bewirkt nichts, außer noch mehr leere Seiten! Also Druckkopf ausbauen und reinigen, wieder einbauen, Tintenpatronen einsetzen, einschalten. Der Drucker sagt: Druckkopffehler. Bitte Tintenpatronen entnehmen dann Druckkopf entfernen, neu einsetzten, dann Tintenpatronen in den Druckkopf einsetzen und drucken. Das ganze Dreimal en suite. Ich koche innerlich. Aber nach dem dritten Mal summt der Drucker vergnügt und auf dem kleinen Bildschirm, über den er mit mir kommuniziert, erscheint: Geplante Wartung, und: Papier einlegen zum Ausrichten. Zähneknirschend erfülle ich auch diese Forderung, obwohl ich absolut nicht einsehe, warum der Trottel die Wartung gerade heute machen will. Aber eh klar, die pure Bosheit. Ich sehe jetzt fünf Minuten lang zu, wie er mit einem Blatt Papier herumschustert, es vor- und zurückschiebt und schließlich ein paar Farbstreifen druckt. Schwarz ist nicht dabei. Mein Gemütsbarometer steht jetzt zwischen „nicht lustig“ und „ wo ist die Axt“. Der Drucker – oder wer immer in ihm wohnt- scheint aber zufrieden, denn sämtliche Statusanzeigen sind im Normbereich. Da fällt mir ein, es gibt doch ein Programm zum Druckkopfreinigen! Es dauert nicht mehr als drei Minuten und der Druckkopf quietscht und rattert als würde er mit einem Presslufthammer von allen Rückständen befreit, die die Druckfarben in den letzten drei Jahren hinterlassen haben. Vorfreude! Druck einer Testseite mit folgendem Kommentar, der mich an den Rand des Wahnsinns treibt, denn auch jetzt sehe ich nichts Schwarzes „ Qualität der gedruckten Seite überprüfen. Bei unzureichender Druckqualität die zweite Reinigungsstufe ausführen. Ich leite also umgehend und voller Erwartung die zweite Reinigungsstufe ein. Die zweite Reinigungsstufe ist, wenn es nicht nur eine Show ist, die der Drucker abzieht, um mir zu imponieren, eine wahre Reinigungsorgie. Es kracht und quietscht, als wäre die wilde Jagd in einer Rauhnacht unterwegs, begleitet von sämtlichen Höllenhunden, die gerade nicht ihren dienstfreien Tag haben. Aber auch das nützt nichts, alles fauler Zauber, um mich so richtig in Rage zu bringen und den Papierkorb in der Folge mit neuen, zusammengeknüllten Blättern zu füllen. Und ehrlich, ich bin knapp dran den Kasten mit Benzin zu übergießen und in Brand zu setzen. Aber wie ich eingangs schon erwähnte, Feuer fürchten die Druckergeister nicht.
Ich werde euch also sagen, wie man das Problem löst: Man zieht mit Kreide einen Kreis, spricht ein Gebet seiner Wahl, um sich zu beruhigen, nimmt ein entsprechend großes Gefäß, auf dessen Boden man ein bis zwei Lagen Küchenpapier legt, dann gießt man sehr heißes Weihwasser hinein ( ja kein normales Wasser, am besten funktioniert das Wasser , das in einer Osternacht geweiht wurde)und stellt das Gefäß in den Kreidekreis. Dann lässt man den Druckkopf darin für 10 Minuten eingeweicht ruhen. Dann noch einmal das Weihwasser wechseln, den Druckkopf ein wenig hin und her schwenken und fünfzehn Minuten trocknen lassen. Das wars. Er druckt wieder, als wäre nie was gewesen. Und das Ganze hat nur einen Vormittag gedauert. Ob das bei den Geistern in eurem Drucker auch funktioniert, weiß ich allerdings nicht. Ich übernehme keinerlei Garantie für das Verfahren.

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