Gänse und Enten

Fake News,
an dem Begriff kommt man nicht mehr vorbei. Niemand kommt daran vorbei. Weder Politiker, die solche F.N‘s produzieren noch Journalisten, die sich hin und wieder dem Vorwurf ausgesetzt sehen, solche aus purer Bösartigkeit, Langeweile oder unlauterer Absicht in die Welt zu setzten, noch das p.t. Publikum, das irritiert nur mehr jene Sicht der Dinge zulässt, die die eigenen Vorurteile bestätigt. Die Welt ist voller Fake News. Jeder Staat, jeder Politiker, jeder Konzern biegt sich die Wahrheit so zurecht, dass sie für seine Interessen dienlich ist und verbreitet sie dann über alle ihm zur Verfügung stehenden Kanäle so rasch wie möglich. Auch wenn zwei Tage später offensichtlich ist, dass es sich um eine Verbiegung der Realität handelt, schadet das nicht, denn da hat jemand anderer schon die nächste Wuchtel gedrückt und die Öffentlichkeit diskutiert aufgeregt den aktuellen Schwachsinn. Dabei sollte es dem Durchschnittsbürger gar nicht einmal so schwerfallen sich vom Wahrheitsgehalt einer Geschichte zu überzeugen. Wie immer gilt der Grundsatz: Was aussieht wie eine Ente, watschelt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, ist eine Ente, auch wenn ein Politiker oder ein Journalist behauptet es sei eine Gans. Wenn die österreichische Gesundheitsministerin behauptet, die Aufhebung des Rauchverbotes geschehe aus Gastfreundschaft, dann ist sogar für den nur leidlich Intelligenten die Gans zu erkennen. Wenn Wien zum siebten Mal hintereinander zur lebenswertesten und sichersten Stadt der Welt gekürt wird, aber der Innenminister berittene Polizei und mehr Überwachung fordert, dann ist das eindeutig eine Gans. Manchmal, zugegeben fällt es schwer, die Federviecher auseinanderzuhalten: Wenn vor den russischen Wahlen ein russischer Doppelagent und seine Tochter mit einem nur in Russland erzeugten Nervengas in England vergiftet wird, dann kann man daraus schließen, dass die Russen einfach unglaublich dumm sind. Statt einen Killer zu beauftragen, der mit einer unverdächtigen Kugel das Problem löst, eine eindeutige Spur nach Russland zu legen, ist grenzenlos blöd. Es könnte aber genauso gut sein, dass irgendwer Interesse hat, den Mann auszuschalten und es den Russen in die Schuhe zu schieben. In dem Fall – schwer zu entscheiden, ob Ente oder Gans. Eindeutig um Gans handelt es sich, wenn Donald Trump behauptet die Schulen würden durch die Bewaffnung der Lehrer sicherer, statt zuzugeben, dass die amerikanische Waffenlobby nicht daran denkt, ihre Pfründe zu opfern auch wenn weiterhin pro Jahr 30 000 Amerikaner durch Schußwaffen sterben. Fake News sind also Lügen. Aber Lügen nennt man heute Fake News, weil damit sprachlich ein diffuser Bereich geschaffen wird, der einen Interpretationsspielraum zulässt, in dem Lügen und Wahrheiten nicht mehr unterscheidbar sind.

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