Von Parteien und Banditen

Im 16. Jahrhundert herrschten die spanischen Könige über Sizilien. Gemeinsam mit dem hohen Klerus, der über mehr als 10 Prozent des fruchtbaren Landes verfügte, beuteten spanische Adelige die steuerpflichtigen Kleinbauern und Handwerker der Städte aus. Diese versuchten sich zu wehren und schlossen sich zu Familienclans zusammen, die versuchten sich gegenseitig zu helfen und zu schützen und ihre Interessen auch mit kriminellen Maßnahmen und Gewaltverbrechen durchzusetzen: Die bis heute bestehende Grundstruktur der Mafia, die sich schon damals durch das Gesetzt des Schweigens, die Omerta, und die Blutrache auszeichnete, das alles aber verbrämt durch die religiöse Einfärbung der Weltsicht dieser Zeit. Der Staat war in den Augen der kleinen Leute die Cosa Nostra der Reichen und Vornehmen. Loyalität gab es nur in der eigenen Gruppe, was zu einer Aufspaltung der Gesellschaft in rivalisierende Klientelsysteme führte. Kamen sie selbst nach oben, begünstigten sie, in der Überzeugung moralisch einwandfrei zu handeln, ihre eigenen Leute. Wie man sieht, hat sich dabei bis heute im Prinzip nichts geändert. Wenn Mitglieder dieser Clans / Parteien mit den Gesetzen in Konflikt kamen, oder gegen die Oberen unbotmäßig waren, wurden sie mittels öffentlichem Anschlag gesucht. Auf diesen Plakaten – bandos genannt – wurde die Bevölkerung aufgerufen die Gesuchten anzuzeigen. Der Begriff bandito / Bandit leitet sich davon ab. Die bandos, mit denen Gesuchte der Öffentlichkeit präsentiert werden, sind heute selten geworden. Nur einmal, alle 5 Jahre, hängen sie überall. Auf den Bandos zu sehen sind die Politiker die sich zur Wahl stellen. Im Sinne der ursprünglichen Bedeutung also lauter Banditos. Das ist die Demokratie.

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