Goldplating

Na endlich, das wollte ich schon immer mal hören, dass die Österreicher zu viel auf Urlaub sind und, dass die arbeitende Bevölkerung sich jede Menge Vorteile auf Kosten der Unternehmen vergönnt. Goldplating ist der abwertende Terminus, den die Wirtschaft für die vollkommen gerechtfertigten Ansprüche der Arbeitnehmer erfunden hat. Und jene Medien, die schon von Anfang an die Blürkise Machtübernahme begleitet und wohlwollend kommentiert haben, fangen gerade an, diesen Begriff solange breit zu schlagen bis jeder Arbeiter ein schlechtes Gewissen hat weil er 1. zuviel verdient, 2. zu wenig arbeitet, 3. zuviel Urlaub hat und 4. weil er kein so guter Mensch wie sein Chef, der sich selbst aufopfernde Unternehmer ist. Die Lebensrealität der österreichischen Arbeiter ist also vergoldet, das bedeutet der Terminus sinngemäß. Im Wunschkonzert der Industriellenvereinigung wurde jetzt geäußert, dass diese Herren nicht einsehen, dass sie den Leuten 5 Wochen im Jahr Geld geben müssen, ohne dass die dafür arbeiten.
Schauen wir uns die Situation einmal an und bedienen wir uns dazu einer sogenannten Milchmädchenrechnung: Die Firma Red Bull* macht mit einer, nicht unbedingt gesundheitsfördernden Brause, einen Jahres Nettoumsatz (= Umsatz nach Abzug der Umsatzsteuer) von 6,2 Milliarden und hat 11886 Angestellte in Österreich. Das macht pro Angestelltem 528 529 Euro Netto Umsatz. Geben wir jetzt jedem ein großzügiges Durchschnittsgehalt von 3000 Euro pro Monat. Dann erwirtschaftet jeder Angestellte abzüglich seines Gehaltes 492 529 Euro für die Firma. Da kommen noch einmal gut 36 000 Euro Lohnnebenkosten etc. weg. Bleiben 456529. Davon Steuer und Betriebsaufwendungen (Steuer wird im Ausland bezahlt und ist daher niedriger als bei uns – aber sind wir großzügig, nehmen wir die Hälfte. Als Gewinn bleiben also pro Mitarbeiter rund 228 000 Euro in der Schatulle und das trotz 5 Wochen Urlaub. Das wiederum mit der Anzahl der Mitarbeiter multipliziert ergibt 2,7 Milliarden Euro. Die werden auf die drei Teilhaber der Firma aufgeteilt und dieses Drittel kann Herr Mateschitz in seine Flugzeug- Hotel- Auto- oder Sonstwas-Sammlung stecken. Geld das nicht er, sondern seine Angestellten erwirtschaftet haben. Wie gesagt, eine Milchmädchenrechnung. Aber in Österreich besitzen 10% der Menschen mehr als 50% des Gesamten Vermögens. Das heißt, ein paar Reichen und Fabrikserben gehört das halbe Land, die gönnen aber ihren Angestellten die fünf Wochen bezahlten Urlaub nicht. Diese Konzentration kommt auch nicht zufällig zustande. In Dänemark ist die durchschnittliche Tagesarbeitszeit 6,5 Stunden und das Land hat die höchste Lebensqualität in ganz Europa. Wieso also müssen die Dänen nur 6,5 Stunden arbeiten und die Österreicher wenn es irgendwie geht 12 Stunden. Könnte es vielleicht sein, dass in Österreich die Unternehmensgewinne, die von den Arbeitern erwirtschaftet werden, nicht demselben Verteilungsschlüssel unterliegen wie in Dänemark. Könnte es sein dass die österreichischen Unternehmer derzeit die große Chance sehen, eine Zeitreise zurück zu machen, dorthin wo man Menschen ungestraft ausbeuten kann, wo man die eigene Gier als Maß aller Dinge betrachten darf? Wo ein paar hundert Millionen pro Jahr für einen Einzelnen nicht genug sind ?

PS : Gleichzeitig berichten FPÖ Parteimedien, dass die FPÖ Wähler keine Angst vor dem 12 Stunden Tag haben, weil sich diese hochqualifizierte und elitäre Gruppe rechtzeitig und intensiv mit der Thematik vertraut gemacht hat.(Hoffentlich wissen das die FPÖ Wähler, dass sie gut informiert sind). Die FPÖ beteuert weiters, dass sie niemals für eine Kürzung der Urlaubszeit sei. Genauso wie sie nie für einen 12 Stunden Tag war?*
Ich kann nur sagen: Selten so gelacht.

*Die Daten stammen aus der Zeitschrift Trend, Juni 2018. Die 500 größten Firmen Österreichs.
*https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130124_OTS0077/fpoe-kickl-ausweitung-der-tagesarbeitszeit-birgt-fuelle-von-nachteilen-fuer-arbeitnehmer

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