Fremdschämen

Vor etlichen Jahren maßen Wissenschaftler die Aktivität von einzelnen Nervenzellen im prämotorischen Cortex bei Makaken. Zufällig stellten sie fest, dass bestimmte Zellen aktiv sind, wenn der Affe selbst eine bestimmte Bewegung macht, aber auch dann, wenn der Affe jemanden bei der gleichen Bewegung beobachtet. Forscher vermuteten, dass diese Neurone uns ermöglichen, die Ziele und Intentionen von anderen zu erkennen.Man nannte sie Spiegelneurone. Die Idee: Wenn ich eine Bewegung sehe, simuliere ich sie in meinem eigenen motorischen System. Dadurch weiß ich, wie sie sich anfühlt und kann verstehen, was in der anderen Person vorgeht. Das hat vielleicht – und da spekuliere ich zugegebenermaßen – auch mit dem zu tun, was wir Fremdschämen nennen. Eine gute Gelegenheit zum Fremdschämen – für die die es mögen – ist die österreichische Politik und deren Proponenten. Besonders fündig wird man immer wieder – eigentlich fast täglich – bei der FPÖ. Da gibt es einen, vom Innenminister bestrittenen Überfall auf den eigenen Geheimdienst und dessen dadurch vernichtete Reputation. (Originalton/ BVT Mitarbeiter: Wir haben schon noch Kontakt zu anderen Geheimdiensten, aber wir reden nur noch über das Wetter…). Liederbücher mit Naziliedern, oder die eigenmächtige Festnahme von Unschuldigen in einem Supermarkt. Der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Christian Höbart brüstete sich auf seiner Facebookseite, er hätte drei junge Ladendiebe beim Billa in Guntramsdorf gestellt – und dann der Polizei übergeben. Seine Parteifreunde und auch User zollten ihm Respekt für die heldenhafte Tat. Die Polizei konnte die Beschuldigungen in keiner Weise nachvollziehen. Höbarts Aktion war wohl im Wesentlichen durch die Hautfarbe der drei Jugendlichen begründet. Das nennt man übrigens Rassismus. Peinlich auch die falsche Anzeige und öffentliche Verurteilung eines jungen Afghanen durch den Nationalrat Gudenus. Schon Gudenus Vater wurde wegen Nationalsozialistischer Widerbetätigung zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt. Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm. Dass die FPÖ mit Hubert Keyl einen Freund des bekannten Neonazi Gottfried Küssel als Richter für das Bundesverwaltungsgericht ernennt, gehört ebenfalls in diese Kategorie.Bekannt wurde Keyl durch eine Rauferei in einem Lokal im Rotlichmilieu, bei der er von der Security niedergeschlagen wurde und wo dem Vernehmen nach in der Folge seine Frau, die er ein wenig unsanft behandelt hatte, den Gottfried Küssel zu Hilfe holte. Küssel ist eine Schlüsselfigur der österreichischen und deutschen Neonaziszene und sitzt derzeit 7 Jahre Haft wegen Widerbetätigung ab. Damit hätte man einen Mann in einem der höchsten Richterämter, der sich mehr der NSDAP als dem Österreichischen Staat verbunden fühlt. Dann hätten wir da noch eine Aussenministerin, auf deren Hochzeit Werbung für Hundefutter gemacht wird und die einen Hofknicks vor Putin hinlegt, dass die Weltpresse erst mal außer Atem ist. Peinlich und zum Fremdschämen für ganz Österreich. Aber etwas, bei dem man sich wirklich schön fremdschämen kann, will ich dem geneigten Lesern nicht vorenthalten. Etwas, das vielleicht erklärt, warum der Weg aus dem Bierzelt direkt in eine Regierung, ohne den Umweg über ein Seminar für politisch korrektes Benehmen, nicht unbedingt der beste ist. Sehen sie Landeshauptmannstellvertreter Manfred Haimbuchner in seiner Paraderolle als Darinka!

http://www.facebook.com/freinbichler/videos/10155863608642898/?t=21

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