Masterplan

Wird im übertragenen Sinn als der Generalplan, der über allen anderen Plänen den Vorrang hat, verstanden. Von diesem Masterplan für die medizinische Versorgung in Österreich ist derzeit wieder allenthalben die Rede. Im österreichischen Gesundheitswesen treiben sich verschiedene Professionen herum, die es geschafft haben, neben den Ärzten und den Patienten und den Kassen Positionen zu besetzen, die zwar entbehrlich, aber gut bezahlt sind. Gesundheitsökonomen, Betriebswirte, Patientensprecher und Patientenanwälte und nicht zuletzt Politiker jeglicher Couleur, die sich Gesundheitssprecher nennen. Wie der Name schon sagt, sie tragen zum Gesundheitssystem nicht wirklich eine Leistung bei, sie sprechen nur darüber bzw. über Leistungen, die Pflegepersonal und Ärzte in diesem System erbringen sollen. Und alle diese Personen, die vom Gesundheitssystem, also im Wesentlichen von der medizinischen Tagesarbeit, nicht das Geringste verstehen, weil sie selber noch nie jemandem den Hintern geputzt oder Krankenwache am Bett eines Sterbenden versehen haben, die haben alle einen Masterplan und werden üppig dafür bezahlt, dass sie von Zeit zu Zeit damit in der Luft herumwedeln. Seit mehr als 35 Jahren, also seit der Zeit, in der ich mich mit Medizin an vorderster Front befasse, hat irgendeiner einen Masterplan. Der Effekt ist, dass das Gesundheitssystem vor lauter Bürokratie und Verwaltung von den Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen der Menschen in Österreich kaum noch zu finanzieren ist. In Krankenhäusern, deren wirtschaftliche Leitung früher drei Nonnen bewältigt haben, sitzen jetzt 40 Absolventen einer Wirtschaftsuni und legen ein Netz von Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Personalplanungsstatistiken und 5 Jahresplänen über alles, was sich in dem Haus bewegt. Aber nicht nur das, jetzt stehen wir vor einem Problem, von dem alle so reden als wäre es vollkommen unerwartet und unvorhersehbar aufgetreten: Die medizinische Grundversorgung durch gut ausgebildete Allgemeinmediziner ist in weiten Teilen Österreichs für die nächsten Jahre nicht akut gefährdet – das wäre ja schön – da hätte man ja noch irgendeine Hoffnung – nein, sie ist nicht mehr möglich, weil 60% der Allgemeinmediziner in den nächsten Jahren in Pension gehen. Alleine im Bezirk Eferding sind derzeit 3 Stellen für Allgemeinmediziner ausgeschrieben (unter anderem meine ) und die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand um diese Stellen bewirbt, ist nahe Null. In Oberösterreich sind augenblicklich 30 Stellen für Allgemeinmediziner vakant. Das Problem ist mindestens seit einem Jahrzehnt von der Ärztekammer klar formuliert worden und die Politiker und zuständigen Gremien, auch die GKK, wurden immer wieder aufgefordert hier Vorsorge, sowohl im Bereich der Ausbildung als auch der Arbeitsumstände und der Bezahlung der Ärzte zu treffen. Die inhaltsleeren Sprechblasen, die alle Politiker in den letzten Jahren von sich gaben, enthielten immer die Formulierung: Aufwertung der Allgemeinmedizin, zu der es leider nie gekommen ist. Bei den Lohnverhandlungen für die Spitalsärzte gab es dann aber deutliche Hinweise dafür, was die Politik wirklich darüber denkt. Da war davon die Rede, die Ärzte so in die Pfanne zu hauen, dass das Fett nur so spritzt. Zwischen diesen metaphorischen Gegensätzen – nämlich der Aufwertung einerseits und der Fettpfanne andererseits, bewegt sich die Diskussion immer noch. Nichts, absolut nichts ist geschehen. Die Presse ist unisono der Meinung und verbreitet diese auch, dass die Ärzte mit ihren Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen immer nur ans Geld denken. All die Landärzte, die in einem Tal in Tirol oder Kärnten auf Ein- oder Zweimannposten sitzen und jedes zweite Wochenende Bereitschaftsdienst machen oder in einer Landgemeinde mit 800 Einwohnern irgendwo in Oberösterreich oder im Südburgenland die Stellung halten, haben nur ans Geld gedacht, als sie sich dort niederließen ??
Aber versuchen wir mal eine Analyse des Debakels, das unweigerlich kommen wird:
Im Jahre 2006 wurde von Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) eine neue Zugangsregelung mit Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium geschaffen. Dieser Test, der dafür sorgt, dass von den heuer fast 16.000 Angemeldeten nur 1680 die Studienberechtigung erhalten, hat es in mehrfacher Hinsicht in sich. Erstens sortiert er Frauen aus und zweitens sortiert er Kandidaten, die für die Allgemeinmedizin geeignet sind, aus. Die Fragestellungen geben eher den hochmotivierten Strebern und denjenigen, die sich eine kostspielige Vorbereitung auf den Test leisten können, eine Chance. Ich will damit niemand verunglimpfen, aber Tatsache ist, dass die Fähigkeiten und Eigenschaften, die für den Beruf des Allgemeinmediziners nötig sind, nicht mit einem simplen Test aus ein paar Wissensgebieten bestimmt werden können. Wie auch immer, Tatsache ist auch, dass seit der Einführung dieses Testes die Studienabgänger, die sich für Allgemeinmedizin interessieren, dramatisch zurückgegangen sind.
Die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin erfolgt in den Krankenhäusern. Die Krankenanstalten haben aber mehr von einer Facharztstelle als von einem Azubi in Allgemeinmedizin, weil der länger als Assistent zu einem niedrigeren Gehalt arbeitet und dadurch dem Krankenhaus mehr Gewinn bringt. Resultat: In ganz Oberösterreich werden derzeit knapp über 50 Allgemeinmediziner ausgebildet. Vor Jahren noch war die gleiche Zahl alleine im Krankenhaus Wels in Ausbildung.
Es hat Jahre gedauert, bis die Kosten für die Ausbildung eines Allgemeinmediziners in einer Lehrpraxis übernommen wurden. Denn die Politik war der Meinung, die Kosten, also ein durchschnittliches Arztgehalt für einen Auszubildenden, sollten vom Praxisbetreiber bezahlt werden, weil der ja um so mehr Patienten betreuen kann, wenn ihm ein Jungarzt zur Seite steht. Dass das in keiner Weise stimmt, ist nur sehr langsam zu den politischen Gremien durchgesickert. Genauso gut könnte man von den Lehrern verlangen, dass sie mit ihrem Gehalt die Praktikanten, die zum Übungsunterricht in die Schule kommen, bezahlen.
Jetzt wird die Kassenreform auf Teufel komm raus durchgepeitscht und sie wird nichts ändern, außer dass der Wirtschaft wieder Millionen an Beiträgen erspart werden. Am Ärztemangel und am Mangel an Fachpersonal in Krankenhäusern und Pflegeheimen wird das absolut nichts ändern, es gehört lediglich zu Kurz und Straches Auftrag, den sie für die Wirtschaft erledigen müssen. Denn nur die wird davon profitieren und nicht der Patient, wie die Gesundheitsministerin mit dem immer gleichen aufgesetzten Lächeln in die Fernsehkameras gluckst.
ttps://www.aufnahmepruefung.at/uni/humanmedizin/vorbereitung-medat-wien/

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