Fremdbestäubung

Dass Hunde mit Migrationshintergrund unseren Tieren den Platz in den örtlichen Tierheimen wegnehmen, bewegt den niederösterreichische FPÖ Landesrat Gottfried Waldhäusl. „6 von 10 Hunden im Tierheim sind aus dem Ausland“, sagte er weiter. Das, was jedermann als eine Satire aufgefasst hat, meint er aber offensichtlich ernst. Auch wenn Spötter jetzt von einer Gassilantenflut aus Rüden und Terrieristen sprechen und die totale Überhundung mit integrationsunwilligen Bellos aufs Korn nehmen, lässt sich Waldhäusl nicht beirren. Jetzt sind auch die Wölfe in seinem Visier. Da gibt es die guten, weil autochthonen Wölfe in Allensteig, und die bösen Zuwanderer – Polen und Ostdeutsche. Die will er zum Abschuß freigeben. Ich warte jetzt jeden Tag darauf, dass ein weiteres, extrem wichtiges Thema von der FPÖ aufgegriffen wird: Pflanzliche Bioinvasoren! Seit langem schon sehen grünbewegte Gutmenschen schweigend dabei zu, wie die Pflanzenwelt von subversiven volksfremden Spezies aus dem näheren und weiteren Ausland unterwandert werden. Nehmen wir als beispielhaften Neophyten den japanischen Staudenknöterich. Er wurde, ähnlich wie die Jugoslawen und die Türken, die in den 70er Jahren ins Land geholt wurden, um zu arbeiten, bereits um 1900 als Futterpflanze und Zierpflanze eingeführt. Jetzt hat diese volksfremde Pflanze in ganz Österreich Parallelgesellschaften entwickelt, die nicht bereit sind sich in irgend einer Weise zu integrieren. Nicht dass der japanische Staudenknöterich irgendwie auffällig wäre, so mit Schlitzaugen oder einer besonderen Stängelfarbe. Er ist einfach nur grün, vorerst zumindest – er tarnt sich vermutlich. Aber in Wahrheit bildet er heimlich, knapp 2 Meter unter der Erdoberfläche, ein Rhizom, das den Winter überlebt und aus dem ganze Nester von neuen Pflanzen entstehen. Besonders in Aulandschaften macht er der teutschen Brennessel den Lebensraum streitig. Beifuß, Traubenkraut, Riesen-Bärklau und Springkraut bilden allenthalben ähnlich zwielichtige und klandestine Subkulturen. Es ist Zeit, dass etwas geschieht, bevor diese parasitären fremdvölkischen Wald- und Wiesenschädlinge womöglich sogar dazu übergehen unsere unschuldigen Nutzpflanzen zu bestäuben. Aber diese Rassenschande wird die FPÖ sicher nicht dulden.

Es waren tatsächlich viele Leute amüsiert und höchst verwundert, dass ein Provinzpolitiker plötzlich sein Herz für die heimischen Hund entdeckt. Der illegale Welpenhandel ist ein Problem des Zolls und der Polizei, nicht unbedingt der Politik. Was soll das Ganze also? In Wahrheit geht es um eine andere Botschaft, die bei Waldhäusls Anhängern unmissverständlich angekommen sein dürfte. Denn wenn man es genau betrachtet ist das eine Art Metakommunikation für die eigene Klientel. Die Vorgehensweise hat auch einen wissenschaftlichen Namen: Dog-whistle-politics. Also Hundepfeifen-Politik. Gemeint ist damit die Praxis, bestimmte Botschaften zu senden, deren wahre Bedeutung der breiten Öffentlichkeit entgehen kann, einer bestimmten Zielgruppe aber ganz sicher nicht. Eben wie bei einer Hundepfeife, deren hohe Frequenzen außerhalb des menschlichen Hörbereichs liegen, aber von den Hunden, für die sie bestimmt sind, sehr gut gehört werden. Und die Botschaft lautet: Selbst bei Hunden muss man zwischen autochthon und fremd unterscheiden und das Fremde ist dem Autochthonen gegenüber generell schlechter zu stellen. Zur Not muss man eben Grenzen schließen oder sogar töten. Einmal im Fokus der Öffentlichkeit, legte Waldhäusl wenige Tage später eine offensichtlichere Botschaft nach. Den Appell der niederösterreichischen Kammer an die dortigen Landwirte, bei der Verpflegung von muslimischen Erntehelfern auf Schweinefleisch zu verzichten, nannte er bei Facebook „einen Affront gegen unsere Schweinebauern“.
Was lernen wir daraus? Man soll die Leute nicht unterschätzen, auch wenn sie noch so dumm daherkommen.

https://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2017/faschismus-check/?nosome

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