Phaeton

Entgegen anderslautender Aussagen, die nach seinem Tod die Runde machten, übernahm Jörg Haider am 10. Oktober 2008 um 19 Uhr von seinem Chauffeur den Dienstwagen, eine VW Phaeton. Danach besuchte er in Klagenfurt einen Bekannten in dessen Wohnung. Knapp nach 21 Uhr traf er in der Diskothek Le Cabaret in Velden ein, wo sein Sprecher und Lebensmensch Stefan Petzner und andere Kärntner Politiker, wie etwa SPÖ-Chef Reinhart Rohr, anwesend waren. Anlass der Fete: Die Promi-Website „blitzlicht.at“ stellte eine Printausgabe vor. Anwesende haben beobachtet, es sei im Laufe des Abends zu einer Auseinandersetzung zwischen Haider und Petzner gekommen. Als Haider um etwa 23 Uhr die Party verlassen wollte, ging ihm Petzner nach, setzte sich zu ihm ins Auto, verließ dieses aber wieder nach etwa 100 Metern. Jemand will gesehen haben, dass Petzner eine Uhr, die ihm Haider geschenkt hatte, vom Handgelenk nahm und sie durch die offene Tür ins Auto schleuderte.
Haider fährt allein auf der Wörtherseeautobahn Richtung Klagenfurt. Petzner telefoniert noch einmal mit ihm. Der Landeshauptmann hat nicht die kürzere Route ins Bärental gewählt, weil er offenbar noch das Lokal „Stadtkrämer“ besuchen will. Das Lokal wirbt auf seiner Webseite Mit dem Satz: Das Schwulenlokal in Klagenfurt. Wir freuen uns auf dich. Haider taucht dort mit einem jungen Mann auf. Ein zufällig anwesender Fotograf macht ein Foto von den beiden. Haider trinkt innerhalb von etwa eineinhalb Stunden im Gespräch mit diesem jungen Mann eine Flasche Wodka und hat dann jene 1,8 Promille Alkohol im Blut, die man später bei der Obduktion in Graz messen wird. Als er das Lokal verlässt, schwankte er und andere Lokalbesucher boten an, ihn nach Hause zu fahren. Haider lehnte ab. Zehn Minuten später war er tot.*
Für all das gibt es Zeugen. Es ist gesicherte Tatsache. Es gibt keinen Haider, der von geheimnissvollen Unbekannten hingerichtet wurde. Er war ein narzistischer, bisexueller, rechtspoulistischer Provinzpolitiker mit nationalsozialistischem Familienhintergrund, der stark alkoholisiert, bei einem selbst verursachten Unfall ums Leben kam. Ein banaler Tod.
Seine politischen Erben sind auch banal, aber ihre Banalität ist gefährlich.

*Nach Angaben des Leiters der Staatsanwaltschaft Klagenfurt fuhr Haider bei Nebel mit stark überhöhter Geschwindigkeit mit seinem Dienstwagen in einer 70-km/h-Zone, als er nach einem Überholvorgang gegen ein Uhr nachts von der Straße abkam, wobei sein VW Phaeton unter anderem gegen eine Betonmauer prallte. Nach den von VW-Technikern ausgelesenen Informationen des Steuergeräts, in dem die letzten 30 Sekunden der Fahrt gespeichert waren, hatte die zuletzt gemessene Geschwindigkeit bei 142 km/h gelegen.]
Haider erlitt bei dem Unfall lebensgefährliche Verletzungen und verstarb auf dem Weg in das Klinikum Klagenfurt. Am 14. April 2009 gab die Staatsanwaltschaft Klagenfurt bekannt, dass das Ermittlungsverfahren zum tödlichen Verkehrsunfall offiziell eingestellt wurde. Der tödliche Unfall war demnach ausschließlich auf einen Fahrfehler zurückzuführen, laut der technischen Auswertung des Unfallfahrzeuges war das Unfallauto in einwandfreiem Zustand und es habe auch keine Manipulationen oder sonstige Fremdeinwirkung gegeben. Eine Obduktion der Grazer Gerichtsmedizin schloss andere medizinische Ursachen für den Unfall aus (z. B. einen Herzinfarkt oder eine andere Erkrankung), was später auch durch ein zweites Gutachten der Universität Innsbruck bestätigt wurde.

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