SA marschiert……

Diese Textstelle aus einem der beliebtesten Popsongs der Hitlerzeit(1) sollte einem einfallen, wenn man liest, dass die rechtsextreme Vikings Security – eine selbsternannte Bürgerwehr – die im Umfeld der Identitären entstanden ist, gerade plant, in Linz, Wien, Graz und Salzburg Dep(p)endancen zu eröffnen. Absicht ist es, eine Art Polizeitruppe durch die Städte patrouillieren zu lassen, um politische Gegner und Migranten einzuschüchtern. Der in Österreich Verantwortliche ist ein bekannter Rechtsextremer, der in der rechten Postille „info direkt“ nationalistischen Schwachsinn verbreitet. Bei den Postings auf seiner Facebookseite drückt auch HC Strache gelegentlich auf „Teilen“, um die frohe Botschaft, seinen Anhängern weiter zu leiten. Zusammen mit den von der FPÖ dominierten Stadtwachen, entsteht da ein beachtliches Potential schlagkräftiger Gesellen mit rechter Gesinnung, die ähnlich wie die SA als Handlanger und Unruhestifter bereit stehen, falls es mal hart auf hart geht.Das heißt, die Rechten bauen sich sukzessive eine kleine Armee im Staat auf. (V SA – Viking security Austria) (2) Parallel dazu wird sichtbar, wie die FPÖ die Vergangenheit bewältigt: Der Welser Bürgermeister Rabl (3) hat im Vorwort zu einem Buch mit dem Titel “Nie wieder“ seinen Großvater zum Opfer der SA verklärt. Tatsache ist aber, der Großvater, ein Burschenschaftler, war schon seit 1921 bei der NSDAP und wurde nach dem Einmarsch mit einem leitenden Posten im Diözesanverlag St. Pölten belohnt. Er wurde tatsächlich von der Gestapo offensichtlich mehrmals in Haft genommen, aber nicht weil er – wie Rabl behauptet – seine Meinung kundtat und, wie Rabel das offensichtlich erscheinen lassen wollte, im Widerstand war. Wie das kleine Volksblatt am 7.Juli 1939 berichtete ist es zu finanziellen Ungereimtheiten im Verlag gekommen und das war die Ursache für die Haft. Welser Historiker haben das penibel recherchiert. Der Großvater machte trotzdem später Karriere bei Hitlers Armee und war zu Kriegsende Offizier. In der Folge war er Mitbegründer der VdU – Vorläuferpartei der FPÖ, die von Altnazis initiiert wurde. So einen Erz-Nazi wissentlich zum Opfer zu stilisieren, ist eigentlich eine Ungeheuerlichkeit. Es ist, als würde man allen tatsächlichen Opfern der Naziverbrechen ins Gesicht spucken.
Langsam wird mir mulmig.

1)Horst Wessel Lied
2) https://www.facebook.com/VSAHauptquartier/
3)Der Standard 27/28 Oktober 2018

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