Der Rentner ist ein Palindrom

 

Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter  eines österreichischen Beamten ist etwa 6 Jahre niedriger als  im übrigen Europa. Österreichische Beamte gehen mit 59 Jahren in Pension. Nur 1% der Beamtinnen und 2% der Beamten arbeiten bis zum 65 Lebensjahr. Das verursacht pro Jahr Kosten von 142 Millionen Euro. Das entspricht in etwa dem Budget der Johannes Kepler Universität in Linz mit 20 000 Studenten und 2700 Beschäftigten. Im Gegensatz dazu, sollen Allgemeinmediziner  jetzt bis zum 70. Lebensjahr arbeiten, weil die Politik es wissentlich verabsäumt hat,  die Voraussetzungen für  Allgemeinmediziner so zu gestalten, dass dieser Beruf eine gewisse Attraktivität für junge  Ärzte hat. Jetzt unterstellt man den jungen Kollegen auch wieder, dass sie nur am Geld und an der Work-Life- Banlance  interessiert seien und deshalb keine Kassenpraxis übernehmen wollen. Tatsache ist, dass eine Kassenpraxis mit 150 bis 200  Patienten täglich, eigentlich der Alptraum eines jeden Arztes ist. Und wenn man nicht hineingewachsen ist, entsprechend erfahren und stressresistent ist, ist das weder körperlich noch mental zuträglich. Dazu kommen Nacht-  und Wochenenddienste. Nachtdienst heißt – aus eigener Erfahrung –  sehr oft bis zu 250 Kilometer Visiten in einer einzigen Nacht. Ohne Fahrer wär das nicht zu bewältigen und mit ist es auch nicht gerade einfach. Nach so einer Nacht geht man dann unausgeschlafen direkt in die eigene Ordination und arbeitet weiter. Soll man das   einem 70 Jährigen zumuten. Na, natürlich nicht, sagen jetzt alle. Nachtdienste braucht er keine mehr machen, der alte Knacker und vielleicht nur 4 Tag in der Woche arbeiten. In der Praxis hieße das aber, dass er die Arbeit die er früher in 5 Tagen gemacht hat jetzt in 4 Tagen machen soll, denn die Kranken werden nicht weniger, weil die Politik oder die Kasse das will. Das Ganze auch noch zu denselben Bedingungen  – das heißt mit Deckelung der Leistung. Sprich – nur für eine Teil der Patienten, einen Teil der Untersuchungen und einen Teil der Therapien zahlt die Kasse den vollen Preis, der Rest ist  umsonst und soll weiter so bleiben. Das Dilemma war absehbar und wird noch viel schlimmer als es jetzt aussieht. Die  Politik hat alle unsere Warnungen seit Jahren  ignoriert. Jetzt sollen   Ärzte,  die das Rentenalter eines Beamte schon um 10 Jahre überschritten haben, die Suppe auslöffeln.    Sie sollen nach einem stressigen  Arbeitsleben, das es  in kaum einer anderen Berufsgruppe in dieser Intensität gibt, als Rentner wieder von vorne anfangen.                                                  Das Wort Rentner ist ein Palindrom. Das heißt, man kann  es  von hinten nach vorne lesen,  oder von vorne nach hinten. Das ist der Gedanke der sich aufdrängt.

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