Hunderttausend Euro

Das wäre ein Betrag, der vielen Österreichern das Leben bzw. die wirtschaftliche Existenz gewährleisten würde. Sie könnten ihre Schulden zahlen oder die dringend notwendige Reparatur am Haus endlich durchführen. Vielleicht würden sie aber damit das Studium ihre Kinder finanzieren oder endlich einmal Urlaub machen. Hunderttausend Euro, davon träumen manche. Jedes Mal wenn sie einen Lottoschein abgeben, hoffen sie, dass sie vielleicht nicht den Jackpot, aber zumindest hunderttausend Euro gewinnen würden. Dann wären sie endlich die tagtäglichen finanziellen Sorgen los, die sie trotz eines geregelten Arbeitslebens seit Jahren begleiten.
Hundertausend Euro für die Millionärsfamilie Dichand oder für Wolfgang Fellner, den Besitzer des Gratisblattes Österreich, hat der Innenminister aber allemal parat. Für eine vollkommen schwachsinnige Inseratenkampagne mit dem Titel: Wie man sich in einem Terrorfall verhält, haben die Kronenzeitung und das sinnfreie Gratisblatt Österreich ein Inseratenhonorar von jeweils hunderttausend Euro bekommen. Insgesamt hat das Innenministerium 365 000 Euro dafür ausgegeben, dass ein aus Allgemeinplätzen und ein paar lächerlichen Verhaltensempfehlungen bestehendes Sujet, für den Fall eines fiktiven Terrorfangriffs, über diese Boulevardmedien unters Volk gebracht wurde. Bei einem Terrorangriff reagieren faktisch alle Menschen panisch, niemand würde sich in so einem Fall an die Instruktionen der Kronenzeitung erinnern. Die Instruktionen sind ähnlich wertvoll, wie die Empfehlung der amerikanischen Regierung in den 50er Jahren, bei einer Atombombenexplosion unter einem Tisch Schutz zu suchen. Die Wahrscheinlichkeit, für einen großangelegten Terrorangriff in Österreich, den diese Inserate implizieren, ist darüber hinaus so groß wie die Wahrscheinlichkeit, dass morgen die Sonne grün scheint.
Was macht das also für einen Sinn hundertausende Euro an die Familie Dichand und an Herrn Fellner und nebenbei auch noch an ein paar Parteiblätter zu zahlen. Der Sinn und Nutzen für Innenminister Kickl ist ein zweifacher: Um Hundertausend Euro kauft man sich die Gunst und eine positive Berichterstattung dieser Leute und der Nebeneffekt ist, dass die Österreicher ein wenig mehr zum Fürchten haben. Und Angst, die man immer ein wenig am Köcheln hält, ist eine gute Grundlage für diese Regierung. Wir werden uns noch öfter fürchten müssen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s