Les Champs Elysees

Vor einigen Jahren hat ein deutscher SPD Politiker düster prognostiziert: „Wenn die Umverteilung der Reichtümer dieser Welt von unten nach oben so weitergeht, dann fließt bald wieder Blut in den Straßen“. In Paris fließt es bereits und nicht nur auf den Champs Elysees, benannt nach dem Elysium, in das die auserwählten Helden, laut griechischer Mythologie versetzt werden. Eine jugendliche Lichtgestalt ist angetreten mit dem Versprechen die Politik zu verändern. Jugendliche Heldengestalten, auch wenn sie nur von den Medien geschaffen wurden, lösen eine gewisse Faszination beim Publikum aus und werden gerne von den Wählern gewählt, auch wenn sie keine einzige wirklich neue Idee haben, wie der vormalige Investmentbanker Emmanuel Macron. Er ist seit dem 14. Mai 2017 Staatspräsident von Frankreich. Er war von 2006 bis 2009 Mitglied der Sozialistischen Partei und von August 2014 bis August 2016 Wirtschaftsminister unter Staatspräsident François Hollande. Dann entschied er sich für einen eigenen Weg und der ist im Wesentlichen unternehmerfreundlich/ neoliberal. Macron forderte und führte einen Abbau von Regulierungen für Unternehmen durch. Im September 2017 wurde eine umfangreiche Arbeitsmarktreform verabschiedet. Der Kündigungsschutz wurde dabei gelockert und die Höhe von Abfindungen für gekündigte Mitarbeiter zeitlich und in der finanziellen Höhe begrenzt. Kleine Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern (dies sind etwa 95 % aller französischen Unternehmen) können nun Branchenvereinbarungen etwa über Arbeitszeiten und Gehälter umgehen und einfach betriebsintern regeln, ohne die Gewerkschaften einzubeziehen. Parallel dazu wurde, wie im Wahlkampf angekündigt , die Vermögenssteuer bis auf die Besteuerung von Immobilienbesitz weitgehend abgeschafft mit der Beteuerung, Steuerflüchtlingen eine Rückkehr nach Frankreich zu erleichtern, die damit wiederum zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen sollen. Der Steuerflucht an sich wurde aber keine gesetzliche Einschränkung gegeben. Die Besserverdienenden und die Kapitalbesitzer wurden begünstigt, gleichzeitig wurden Sozialleistungen gekürzt. Bei der linken Opposition galt er auch deswegen von Anfang an als „Präsident der Reichen“. In Frankreich leben rund 8,8 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Menschen, die tatsächlich am Ende des Monats kein Brot kaufen können. Das Versprechen des Emmanuel Macron, dass er den Armen erst etwas wegnehmen muss, damit die Reichen reicher werden können und dann vielleicht mehr Arbeitsplätze schaffen, kommt nicht gut an bei den Franzosen. Sie fühlen sich von dieser Politik schlicht und einfach verarscht. Sie haben angefangen sich zu wehren und in der Prachtstraße von Paris, der Avenue des Camps Elysees, die Geschäfte geplündert. Siebzig Prozent der Franzosen unterstützen die gilets jaunes. Ein Zeichen für Europa ?

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