Wer macht die Arbeit? oder Monopoly im Ländle

Mit der Differenzierung von Begriffen hat die Sozialministerin offensichtlich ein grundsätzliches Problem. Als sie sich neulich im Diskurs mit der SPÖ zu der Behauptung verstieg, dass die Wirtschaft die Arbeit macht, hat sie offensichtlich damit die Unternehmer gemeint. Denn die Wirtschaft ist was anderes. Die Wirtschaft ist ein komplexes System der Produktion und Verteilung von Gütern. Dazu gehören auch die Infrastruktur wie der Transport. Dazu gehört die Ausbildung von Menschen – also Schulen und Universitäten. In Folge auch die Arbeitnehmer, die Unternehmer, die Konsumenten und der Handel. Was Wirtschaft ist, scheint unsere Sozialministerin nur begrenzt interpretieren zu können, denn die FPÖ sieht sich – und das beweist ihre nicht besonders geistreiche Aussage – in erster Linie als Vertretung der Unternehmer, von deren Gnaden sie auch in der Regierung sitzen. Ein Unternehmen ist nichts ohne IngenieurInnen, ohne SekretärInnen, ohne KassierInnen etc. Aber die gute Beate ist der Meinung, das Land funktioniert nur weil es Unternehmer gibt. Das kriegen wir auch ständig von der Wirtschaftskammer – die in Wirklichkeit mit diesem Namen Hochstapelei betreibt – den sie müsste Unternehmerkammer heißen, zu hören. Wenn die Konjunktur brummt und die Unternehmer ordentliche Profite machen, und Vollbeschäftigung herrscht, sagen uns diese Unternehmer, dass es alleine ihr Verdienst sei. Bricht die Wirtschaft ein, gehen die Umsätze zurück, werden schleunigst Leute, die sich für die Firma den Arsch aufgerissen haben entlassen und die Unternehmer schieben die Schuld auf die Regierung oder die unverschämten Lohnforderungen. Man kann diesen Schweinezyklus, der dem kapitalistischen System innewohnt, seit Jahrzehnten verfolgen. In guten Zeiten streifen die Unternehmer die Lorbeeren und die Gewinne ein und in schlechten Zeiten sind alle anderen Schuld. In diese Kerbe geht der Hieb der Sozialministerin.*
Was ist also ein Unternehmer? Entweder man ist irgendwo der Erste, oder der Beste oder man erbt ein Unternehmen oder man spielt falsch, das ist es, was Unternehmer ausmacht. Der Entrepreneur, wie sich der erfolgreiche Unternehmer in Österreich gerne nennen lässt, kommt nun aus jeder dieser Gruppen. Viele Unternehmer, die große Vermögen erwirtschaftet haben, gelang dies, weil sie den Staat oder ihre Angestellten oder ihre Kunden betrogen haben oder gesetzliche Regelungen oder die Steuer umgehen. Weil sie andere bestechen, bedrohen, korrumpieren oder ausbeuten. Die zahlreichen Skandale der letzten Jahre legen ein beredtes Zeugnis davon ab.

Viele österreichische Unternehmen basieren aber tatsächlich darauf, dass sie in ihrem Bereich Einzigartiges leisten oder eine Alleinstellung auf dem Weltmarkt haben – denen gilt meine Bewunderung.

Aber viele, der heute so angesehenen Wirtschaftstreibenden kommen schon mit einer Glückskarte im Wirtschaftsmonopoly zur Welt. Auf dieser Karte steht: Gratuliere, du bist in einer reichen Fabrikantenfamilie geboren, dein Großvater oder dein Urgroßvater war ein kluger Kopf und hat seine Ideen erfolgreich vermarktet. Du musst in Zukunft nur die richtigen Leute für dich arbeiten lassen. Es ist genug Geld da, dass du Ingenieure, Chemiker, Verfahrenstechniker, Anwälte und sachkundige Betriebsleiter kaufen kannst, die die Firma für dich leiten, auch wenn du selber nicht ganz so ein kluger Kopf wie den Großvater oder dein Urgroßvater bist. Sei also einfach Erbe!
Wir kennen sie, die Meinls, die Rauchs, die Porsches und die Piechs, die Swarovskys, Mayr- Melnhof, Kapsch, Turnauer, Prinzhorn, Flick etc. etc. Zusammen gehört diesen und einigen anderen Familien bald die Hälfte aller Vermögenswerte in Österreich, während anderen nicht einmal die Mindestsicherung gegönnt wird.* Ihre Milliardenvermögen sind unangreifbar in Stiftungen untergebracht und sie werden mit jedem Tag noch reicher. Dabei zahlen sie kaum Steuern, nutzen aber alle Vorteile, die dieses friedliche und fleißige Land bietet. Das beginnt mit einer hervorragenden Infrastruktur und führt über hervorragenden Universitäten bis hin zum sozialen Frieden, der ihre Geschäfte gedeihen lässt. Das ist aber der Verdienst aller Österreicher nicht der von 50 Familien.
Nehmen wir, weil ich gerade in Vorarlberg war und mir die Xiberger so einiges erzählt haben, einmal die Familie Rauch in Rankweil als paradigmatisches Beispiel dafür, wie so etwas läuft im Kapitalismus. Die Firma wurde 1919 von Franz Josef Rauch als kleine Mostpresserei für die umliegenden Bauern gegründet. Das Geschäft ging gut und schon in der Zwischenkriegszeit wurde die Fruchtsaftherstellung ausgeweitet und in industriellem Maßstab durchgeführt. Im Jahr 1962 wurde die Firma von der nächsten Generation übernommen, die ihre Chancen auf dem Weltmarkt wahrnahm und ihre Produkte auch recht geschickt zu lancieren wusste. Dazu kommt, dass Rauch der weltweit einzige Abfüller für die Erfolgsmarke Red Bull ist und somit am unglaublichen Markterfolg, dieses eigentlich ziemlich ungesunden Zuckerwassers beteiligt ist. Auch ein paar andere Safthersteller und eine Brauerei hat sich die Familie inzwischen einverleibt. Und dass sie, was den Wettbewerb betrifft, nicht unbedingt auf den freien Markt vertraut, zeigt das Urteil des Kartellgerichts vom 3. März 2016 gegen die Rauch Fruchtsäfte GmbH & Co OG: Wegen vertikalen Preisabsprachen der Endverkaufspreise mit Abnehmern auf Einzelhandelsebene im Zeitraum September 2003 bis März 2012 wurde eine Geldbuße von 1,7 Millionen Euro verhängt. Das ist aber leicht zu stemmen, denn die Firma ist einer der größten Profiteure der Agrarmarktförderung. Allein im Jahr 2010 wurden 6. Millionen Euro staatlicher Förderung an die Firma überwiesen. Also den Rauchs geht’s gut. Und was tun sie mit den Gewinnen? Sie kaufen wie beim Monopoly das Bundesland Vorarlberg. Rankweil, wo der Stammsitz der Firma ist, heißt bei den Vorarlbergern inzwischen Rauchweil, weil die Familie angeblich ganze Straßenzüge aufgekauft hat. Ob es Schihütten sind, wie in Laterns, Gasthöfe, Jagdhäuser oder einfach nur Grund und Boden, alles wird gekauft und zu lukrativen Anlageobjekten umgestaltet. Dabei geht schon einmal ein historisch interessantes Ensemble wie im Ortszentrum der Gemeinde Röthis zugrunde. Dass die Bürgermeister im ganzen Land Bebauungspläne und Bauvorschriften an die Bedürfnisse der neuen geldadeligen Besitzer anpassen, versteht sich, in einem von der ÖVP regierten Land, von selber. Langfristig wird es, wie beim Monoply, in Vorarlberg vermutlich nur noch einen geben der alles besitzt. Aber dann ist das Spiel zu Ende. Wer macht dann die Arbeit ?

*Dass die Österreicher nicht aufheulen, wenn die Sozialministerin ganz offen für die Unternehmer Partei ergreift und nebenbei, mit einer nahezu unfassbaren Arroganz, die Arbeitnehmer zu unwissenden Ignoranten erklärt, lässt sich nur mit der Indolenz der österreichischen Seele erklären.

*Dass es in einer der reichsten Gesellschaften der Welt für eine unbürokratische Erleichterung der unwürdigen Lage jener, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, nicht das geringste Verständnis gibt, ist ein unfassbarer Skandal, den niemand mehr wahr nimmt, weil die Regierung die Köpfe der Österreicher mit der Balkanroute und dem vollkommen irrelevanten Migrationsthema verstopft hat.

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/erben-in-oesterreich-reiche-profitieren-staat-geht-leer-aus-15765356.html

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