Don Quichotte

Er war mir nie unsympatisch. Nicht nur, weil er dem Vernehmen nach ein vorzüglicher Tarockspieler ist, sondern weil er die Ideen des konservativen Lagers als einer der wenigen ÖVP Politiker nicht komplett verinnerlicht und zur einzigen Wahrheit seines Lebens gemacht hat. Er schien und scheint offen für andere Varianten des politischen Denkens. Das hat ihm jetzt auch den Vorwurf eingetragen ein Linker zu sein. Er hat sich auch ein Maß an Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein bewahrt, das mit der Grund sein mag, über die Vorgangsweise und Politik seines Nachfolgers Sebastian Kurz zu schreiben. Zwar ist die Öffentlichkeit neugierig und sein Buch ist ein Bestseller, aber ich bezweifle, dass außer der Befriedigung der Neugierde, damit ein Schatten auf die derzeitige Regierungspartie fallen wird. Zudem trat sofort eine ÖVP- Kamarilla in Gestalt solcher Lemuren wie Josef Pröll, Werner Spindelegger, Günther Platter und Wolfgang Sobotka auf den Plan, und machte sich untertänigst erbötig, alles zu dementieren und der Öffentlichkeit mitzuteilen: Alles nur gekränkte Eitelkeit und Hirngespinste. Er kämpft gegen Windmühlen, die er für Riesen hält, und attackiert staubumwölkte Hammelherden, die ihm mächtige Heere zu sein scheinen und er besteht den blutigen Kampf mit einigen Schläuchen roten Weines, und was dergleichen Abenteuer mehr sind, die der Mann aus dem Mühlviertel irgendwo in Österreich, in seiner Einfalt bestreitet. Ein Verwandter hatte vor Jahren, unter der Ägide von Josef Riegler die ehrenvolle Aufgabe als Mitarbeiter eines Managementinstitutes, bei der Reform der ÖVP mitzuarbeiten. Ergebnis war, dass sich das Institut außerstande sah eine Reform durchzuführen. Zu widersprüchlich seien die Bedürfnisse der einzelnen Bünde, zu undurchlässig die Machtgrenzen und zu gering die Einsicht der Beteiligten. Das was die Reform unmöglich machte war aber auch eine Qualität dieser Partei. Nämlich, dass sie trotz aller Widersprüche und divergenter Meinungen einen Kompromiss fand, den sie nach außen vertreten konnte. Sebastian Kurz hat nun aus der ÖVP eine Führerpartei gemacht und der Meinungsvielfalt in der ÖVP ein Ende gesetzt. Es geschieht was die Industriellenvereinigung für richtig hält. Abtrünnige werden gnadenlos erledigt. Ganz Österreich muss sich dem beugen und für die notwendige Drecksarbeit, für Überwachung, Einschüchterung und Manipulation der öffentlichen Meinung inklusive Einschränkung der Pressefreiheit, hat er die FPÖ an seine Seite geholt. Deren Verbindungen in den Bereich des Rechtsextremismus und die Unverfrorenheit mit der dies ständig bestritten wird, zeigen wie heute Politik gemacht wird.
Und das hat Reinhold Mitterlehner mit Don Quichotte gemeinsam: Zur Zeit als Cervantes den Roman schrieb, also am Anfang des 17. Jahrhunderts, da gehörten Ritterlichkeit, Haltung und das beherzte Einstehen für Gerechtigkeit auch schon lange der Vergangenheit an.

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