Regenwald

Wenn man über den Verlust des Regenwaldes schreibt, dann sollte man sich nicht darüber beklagen, dass man auf dem Weg von Kota Kinabalu nach Semporna mehr als 300 Kilometer weit an Ölpalm-Plantagen vorbei fährt, dort wo vor 10 Jahren noch Primärwälder waren und Orang-Utans und Paradiesvögel gelebt haben. Das ist ein wenig frivol. Denn nach Borneo geht man nicht zu Fuß. Man fliegt. Und das Flugzeug verbraucht im Schnitt 5,2 Kilo Kerosin pro 100 Personenkilometer. Das sind bei rund 11000 Kilometer pro Person 572 Kilo. Für das gesamte Flugzeug mit 300 Personen also rund 172 Tonnen für diesen einen Flug. Der Berichterstatter hat somit einen biologischen Fußabdruck wie ein Elefant. Und das zeigt auch das Dilemma in dem wir uns alle befinden. Auf der einen Seite haben wir unglaubliche Möglichkeiten geschaffen, die Wunder dieser Welt zu erfahren und auf der anderen Seite zerstören wir diese Welt unter anderem genau durch diese Möglichkeiten. Zurück nach Borneo: Wenn man an einem der schönsten Riffe, die ich je gesehen habe, fernab von dem, was wir Zivilisation nennen, auf einer Borneo vorgelagerten Insel – Sipadan – taucht, dann kann es passieren, dass man in 40 Meter Tiefe neben sich eine Plastiktüte treiben sieht und knapp daneben schwebt ein Joghurtbecher aus der Schweiz. Vergleichbares kann man in Neuguinea erleben. Westpapua, das zu Indonesien gehört, besteht aus etwa 1800 Großteils unbewohnte Inseln (Raja Ampat). In den Meeresarmen und Fjorden zwischen den Inseln treiben Wind und Strömung, wie in einer Fischreuse, alles zusammen, was weltweit ins Meer geworfen wird und an der Oberfläche schwimmt. Dort finden sich hunderte Meter lange und genau so breite Treibgutinseln vorwiegend aus Plastikflaschen. Auf vielen der unbewohnten Eilande die wir anliefen, liegen unglaubliche Mengen Plastikabfälle an den Stränden. Von Badeschlapfen bis zu hunderten mit Wasser gefüllten Plastikbeuteln aus China, die irgendwo über Bord gegangen sind. Das Meer ist zu unserer Mülldeponie verkommen.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat berechnet, dass in Brasilien im Zeitraum von 1988 bis heute insgesamt 760 000 Quadratkilometer tropische Regenwälder vernichtet wurden. Das ist eine Fläche neunmal so groß wie Österreich. Jetzt ist dort eine fundamentalistischer Christ – Jair Bolsonaro an die Macht gelangt, der neue Messias der Zerstörung. Ein Mann, der die letzen verbliebenen Indianerstämme in den Urwäldern des Amazonas, am liebsten vernichten würde, um den Waldraub und die damit verbundenen Profite für seine Auftraggeber zu maximieren. Alleine der Konzern „Jose Batista Sobrinho Sociedade Anonima“ – der weltgrößte Fleischproduzent – in dessen Anlagen täglich mehr als 50 000 Rinder geschlachtet werden, hatte im Jahr 2017 einen Umsatzt von 41,3 Milliarden Euro. Basis für diese ungeheuren Gewinne, die nur wenigen zugutekommen, ist der für die extensive Rinderzucht notwendige Sojaanbau und die dafür benötigten Flächen durch Rodung des Regenwaldes. So wird Brasilien von der grünen Lunge dieser Welt zu einem der größten CO2 Emittenten. Korrupte Politiker, wie Expräsident Michel Temer, der nach der Verhaftung von Tilma Rousseff, die wiederum nach der Verhaftung Lula da Silvas ins Amt kam*, ermöglichen den Konzernen die Plünderung und Rodung des Waldes. Jeden Tag, jede Stunde wird gerodet. In der Zeit in der man einundzwanzig… zweiundzwanzig… sagt ist über die Hälfte der Fläche eines Fussballplatzes verschwunden, weltweit sind es 35 Fußballfelder alle zwei Minuten.

Ps: Österreich bezieht ungefähr 500 000 Tonnen Soja für die Viehzucht unter anderem aus Brasilien.

*Sie wurden alle wegen Korruption angeklagt.

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