Containerpraxis

Ich wurde in den letzten Wochen immer wieder gefragt, wer denn meine Nachfolge als Gemeindearzt in Aschach an der Donau antreten werde und was passiert, wenn auch Dr. Herbert Stadler in Pension geht. Ich kann das letztendlich auch nicht beantworten, möchte aber – da offensichtlich ein Informationsdefizit besteht – eine kurze Darstellung der mir vorliegenden Informationen geben und auch meine Meinung dazu sagen:
Für jede Gemeinde gehört es zu den Prioritäten, die ärztliche Versorgung sicherzustellen. In Aschach ist nach meiner Pensionierung die Gemeindearztstelle seit April vakant und wurde von der GKK bereits zum vierten Mal ausgeschrieben. Es ist darüber hinaus zu befürchten, dass ab Herbst überhaupt keine Kassenordination in Aschach zur Verfügung steht. Da es in Oberösterreich zahlreiche unbesetzte Stellen gibt, ist es eigentlich ein Glückstreffer, wenn sich jemand für Aschach entscheiden möchte und hier seine Zukunft sieht und die ärztliche Versorgung übernehmen will. Noch dazu, wenn es sich um eine höchst kompetente und sympathische Kollegin handelt, die weit über die allgemeinmedizinischen Notwendigkeiten hinaus qualifiziert ist. Dass diese Niederlassung aber womöglich daran scheitert, dass die Gemeinde nicht in der Lage ist, adäquate Räumlichkeiten für eine Praxis zur Verfügung zu stellen, ist ein politisches Versäumnis der Sonderklasse.
Jede andere Gemeinde nimmt heute Geld in die Hand, um die lokale ärztliche Versorgung besonders für die ältere, wenig mobile Bevölkerung zu gewährleisten. Da politische Vertreter der Gemeinderatsmehrheit (ÖVP/FPÖ) immer signalisiert haben, dass sie quasi an jeder Hand fünf passende Gebäude für eine Ordination haben, ist es jetzt für mich nachgerade ein Schock, dass die Kollegin sich auf der Wiese neben der Volksschule in einem Container niederlassen und drei Jahre dort ausharren soll. Hier stellt sich für mich die Frage, unter dem Einfluss welcher Substanzen diese Schnapsidee geboren wurde. Wie ich eruieren konnte, gibt es zwei Gemeinderäte von der FPÖ und der ÖVP, die ohne Einbindung und Information der übrigen Gemeinderatsmitglieder und offensichtlich auch hinter dem Rücken des Bürgermeisters aus eigener Machtvollkommenheit diese Lösung betreiben.
Die Kosten für die Containerordination liegen für die vorgesehenen 3 Jahre meiner Schätzung nach bei ungefähr 150 000 Euro. Die Gemeinde wird das aber nicht zahlen. Es wird vielmehr der Ärztin zugemutet, an einer der meist befahrenen Straßen des ganzen Bezirks Eferding eine Riesensumme zu investieren, um nach drei Jahren eventuell noch 30 Prozent von der Containerfirma für die Rücknahme der Blechbüchsen zurückzubekommen. Dann nämlich soll der Kindergarten aus dem Ortszentrum an die Dieselroute verlegt werden und die dadurch frei werdenden Räumlichkeiten – die nebenbei bemerkt, auch wenig für eine ärztliche Praxis geeignet sind – zur Verfügung stehen. Dann müsste die Kollegin noch einmal tief in die Tasche greifen, um sich dort wieder einzurichten.
Ursprünglich wurde von allen Fraktionen das Erdgeschoß des ehemaligen Sitzes der Viadonau („Strombauleitung“) als mögliche Arztpraxis ins Auge gefasst. Die Räumlichkeiten und die Lage des Hauses wären dazu auch gut geeignet gewesen. Für das Obergeschoß des Gebäudes war eine Krabbelstube geplant. Mit der Begründung, dass in den Räumen für die Krabbelstube kein Wasseranschluß und WC sei, wurde aber diese ins Erdgeschoß verlegt und damit offensichtlich die einzige Möglichkeit , eine Praxis unterzubringen, verhindert. Die Räumlichkeiten im ersten Stock wären für die vorgesehene Anzahl von maximal 10 Kindern ausreichend und Wasserleitung und WC technisch wohl kein großes Problem gewesen. Die anderen Fraktionen (SPÖ, Grüne) wurden darüber erst im Nachhinein in Kenntnis gesetzt.
Resultat: Eine Containerordination auf der Wiese. Ich habe das zuerst für einen Faschingsscherz gehalten, es entspricht aber den Tatsachen. Den dafür Verantwortlichen kann man jetzt nur zurufen: Aschach, hol über!*

* Narrenruf der Aschacher Faschingsgilde

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/Sprechstunden-auswaerts-im-Container;art68,2332893

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