Der Schlaf der Selbstgerechten

Wie dumm muss man sein, wenn man dümmer als die FPÖ sein will? Will man dümmer als die FPÖ sein, dann muss man sich über alles aufregen, was die FPÖ an Dummheiten macht- jeden Einzelfall weinerlich kommentieren, aber gleichzeitig die direkte Kommunikation mit den eigenen Wählern auf ein Minimum beschränken. Zum Beispiel dann, wenn FPÖ und ÖVP auf Geheiß der Industrie den Arbeitstag auf 12 Stunden verlängern. Man muss darauf verzichten den Arbeitern zu erklären, dass im europäischen und internationalen Kontext ein gesetzlich geregelter 12-Stundentag weder nötig noch gesund ist und dass diese zwölf Stunden einzig der neoliberalen Weltsicht entspringen, die besagt, dass man den eigenen Profit nur steigern kann, wenn irgendwer dafür draufzahlt. Man muss weiters darauf verzichten, den Arbeitern zu sagen, dass ihre Väter und Großväter für einen 8-Stundentag gekämpft haben und dass die dem Adel, der Kirche und dem Großkapital abgerungenen Freiheiten gerade wieder den Bach runter gehen. Während die betroffenen Wählerschichten, statt logisch zu denken, sich von einer medialen Politinszenierung, die nicht den Verstand, sondern die Gefühle bedient, einlullen lassen, muss man strikt dafür sorgen, dass kein Funke der Aufklärung die Renaissance der Oligarchie erhellt. Man muss darauf verzichten, den Arbeitern und Angestellten zu erläutern, dass die Regierung ihre Krankenversicherung gerade an die Unternehmer verkauft hat. Man muss überhaupt dafür sorgen, dass man möglichst wenig in Erscheinung tritt, möglichst wenig eigene Ideen an die Öffentlichkeit dringen lässt und interessiert, aber schweigend zuschauen, mit welcher Ausdauer und Präzision und mit wie viel Geld, dessen Herkunft unklar ist, ein Sebastian Kurz seinen Egotrip erfolgreich als Politik verkauft. Man muss auch dann, wenn die Regierung auf Grund der FPÖ immanenten Regierungsunfähigkeit und Korruptionsanfälligkeit stürzt, möglichst zeigen, dass in der eigenen Partei keine Einigkeit herrscht und vermitteln, dass ein korpulenter Polizist mit Dreitagebart, einer jungen Freundin und leichtem Rechtsdrall mehr Sexappeal hat wie eine hochgebildete und engagierte Frau. Man muss also jede Chance, die einem geboten wird, gründlich vergeigen. Und wenn man dann aufgewacht ist und sich die Augen reibt, muss man sich auch noch ein wenig verwundert und verärgert geben, dass die politischen Gegner mit Themen das Feld beherrschen, von denen alle geglaubt haben, dass sie im vorletzten Jahrhundert aktuell waren. Und dann muss man energisch jegliche Schuld von sich weisen.

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