Die Verkörperung des Widerstandes oder warum man öfter Ziegenficker sagen sollte…

Selbst ehrbare Journalisten, die bemüht sind, Objektivität zu wahren, schaffen es heute nicht mehr, die Politik so darzustellen, dass die Wahrheit hinter den politischen Lügen sichtbar wird. Gerade weil sie sich um Objektivität bemühen, sind die Lügner ihnen haushoch überlegen. Denn deren einziges Ziel ist nicht die Objektivität, sondern die Überschwemmung des kollektiven Bewusstseins mit dem, was sie als Meinung haben wollen. Die Presse und die Politik kämpfen mit ungleichen Waffen. Wir haben Ibiza erlebt und wenn ein österreichischer Politiker den Staat an Inverstoren verkauft, um an der Macht zu bleiben, müsste man meinen, dann ist es ein für allemal aus mit ihm. Aber dem ist nicht so – die Sprache, deren sich ein korrekter Journalist für eine korrekte Darstellung in den Medien bedient, genügt nicht mehr, um das Erregungsniveau des medial verblödeten Kollektives auch nur um ein Grad zu verrücken. Alles was nicht in schlimme Worte gekleidet ist, ist nicht schlimm. Warum hat kein Journalist zu Strache gesagt: „Wissen Sie eigentlich, dass Sie dafür im Dritten Reich an die Wand gestellt worden wären, Sie Schießbudenfigur? Oder: „Eigentlich sollte man Sie mit einem nassen Fetzen außer Landes prügeln, Sie Salonfaschist!“ Nehmen wir den Diskurs des Armin Wolf mit dem Taser-Opfer Vilimsky: Der Vergleich der Karikatur, um die es dabei ging, mit Darstellungen aus dem Naziblatt „Der Stürmer“ war so offensichtlich und sicher von der FPÖ auch so gewollt, dass nur ein blinder Idiot es leugnen konnte. Statt einen der vielen Einzelfälle einzugestehen, dreht aber Vilimsky den Spieß um und verwehrt sich lauthals keifend gegen diesen Vergleich, ja er geht soweit, dass er rüpelhaft und mit gespielter Erregung Konsequenzen fordert – für Armin Wolf. Und er sorgt damit für die nötigen emotionalen Momente, um die es für seine Anhänger geht. Die einzige Möglichkeit gleichzuziehen, wäre in so einer Situation aufzustehen, dem Vilimsky eine saftige Ohrfeige zu geben und theatralisch zu sagen: Nimm das, du verlogenes Schwein, um dann noch einen Faustschlag auf das Kinn des so Überraschten folgen zu lassen. Das wäre Emotion pur und vielleicht würden dann ein paar Leute aus ihrer Lethargie erwachen. Aber das geht natürlich nicht – wir wissen- Gewalt ist keine Lösung. Im Gegensatz zu Vilimsky muss Armin Wolf sich anständig benehmen. Von einem Politiker erwarten wir das schon lange nicht mehr. Wenn Sebastian Kurz ein Brieferl von einem sechsjährigen Mäderl überreicht wird, in dem das dafür missbrauchte Kind seine Treue zum Messias Kurz schildert, wird das vom Hoffotografen abgelichtet und als zufällige Begebenheit verkauft. Wenn dann aber offensichtlich wird, dass das Kind schon öfter mit Sebastian abgelichtet wurde, die Szene also gestellt war, müsste der Standardjournalist beim nächsten Interview sagen: „Hitler ließ sich auch gerne mit Kindern ablichten, machen Sie ihm das jetzt nach? Dass Sie jetzt Kinder einspannen, ist natürlich schon was anderes als Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen zu lassen, aber wer soll ihnen das glauben? Wie wir in den letzten Tagen erfahren konnten, tun Sie alles für Macht und Geld und Sie lassen sich von Millionären kaufen. Herr Kurz sind Sie Lobbyist für KTM und Porr? Und, weil es gerade offensichtlich ist – die Hitze kann jeder fühlen – reklamieren Sie jetzt auch noch den Umweltschutz für sich, der Ihnen in Wahrheit vollkommen egal ist. Ist das nicht ein wenig lächerlich, wo doch ihre Regierung bis jetzt das genaue Gegenteil getan hat?“ Da käme Stimmung auf. Und wenn der Journalist dann noch ein Schäuferl nachlegen würde und sagte:“ Sie sind in meinen Augen ein verlogenes Gfrast, gehns‘ nach Hause und wenn Sie sich das erste Mal rasiert haben, dann melden Sie sich wieder“. Oder wenn ein Journalist von der Washington Post über Trump sagen würde:
„Mit dem mach ich kein Interview, denn ich unterhalte mich nicht gerne mit Idioten“, dann hätte das einen gewissen Reiz und würde vielleicht fruchtbare Diskussionen nach sich ziehen. Aber nein, alle bleiben politisch korrekt, alle außer den Politikern, die lügen. Ungarn und die Türkei kann man als Beispiel gar nicht mehr verwenden, denn dort gibt es keine freie Presse und keine Journalisten mehr, die solche Fragen stellen könnten. Das ist die Folge der Ehrbarkeit und der Objektivität. Die Einzigen, die dem noch etwas entgegensetzen sind die Kabarettisten. Leute wie der anarchische Jan Böhmermann sind heute die Verkörperung des Widerstandes. Er hat Recip Erdogan einen schwulen Ziegenficker mit weichen Eiern genannt. Das ist die Sprache, die heute noch Gehör findet.

https://www.bild.de/video/clip/recep-tayyip-erdogan/boehmermanns-erdogan-gedicht-45152028.bild.html

https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/04/28/rassismus-und-drohungen-regierungsfaehigkeit-der-fpoe-angezweifelt/

https://www.google.at/search?hl=de&biw=1920&bih=925&tbm=isch&sa=1&ei=f_oZXc2qIMSca6uziugI&q=hitler+mit+kind&oq=hitler+mit+kind&gs_l=img.12..0.76441.78290..80617…0.0..0.99.580.7……0….1..gws-wiz-img…….0i7i30j0i8i7i30.PqTozOnM50w

2 Gedanken zu „Die Verkörperung des Widerstandes oder warum man öfter Ziegenficker sagen sollte…“

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