Historikerkommission

Was sich im Hinterzimmer des Gasthauses Herlitschka in Wien / Landstraße abgespielt hat, werden wir wohl nie erfahren. Auch wer dort wann und was berichtet hat, wird für die Allgemeinheit nicht zugänglich werden. Genau so wenig wird letztendlich der Abschlussbericht der FPÖ Historikerkommission, die dort zu tagen pflegte, Aufschluss über die FPÖ geben. „Ist doch die damit verbundene Absicht nichts weiter als ein taktisches Manöver um aus den Schlagzeilen zu kommen“. Originalzitat Andreas Mölzer, Mitglied der sogenannten Koordinierungsgruppe für die Historikerkommission im Magazin „Kärntner Monat“.
Andererseits ist die Liste der beteiligten Fachleute durchaus lang, aber ein wenig einseitig. Das passt gut zu der Mölzer-Aussage vom taktischen Manöver. Der vorläufige Bericht besteht aus 32 dürren Seiten, bei denen es vermutlich auch bleiben wird. Wie erwartet ist man zu dem Schluss gekommen: Die FPÖ ist eine Partei wie jede andere.

Ein paar Themen, für die ich mich interessiert hätte, hat man von vornherein aus der aktuellen Untersuchung ausgeklammert: Zum Beispiel die Verbindung zu den Identitären oder die Rolle der deutschnationalen rechtsextremen Burschenschaften, die derzeit die Führungsriege der FPÖ stellen. Dass die FPÖ keine Nachfolgeorganisation der NSDAP ist, war als Thema nicht relevant. Wenn sie das nämlich wäre, würde sie auf Grund der Gesetzeslage verboten. Wie die FPÖ mit ihren zunehmend rechtsextremen Anhängseln und ihren eindeutig rassistischen Aussagen (Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe etc.) und ihrem Geschichtsverständnis, das no na, vom Nationalsozialismus inspiriert ist, in Zukunft umzugehen gedenkt, das hätte interessiert.

Dafür hat der FPÖ-Klubobmann Walter Rosenkranz zugesichert, dass es keine politische Einflussnahme der FPÖ auf die Kommission geben werde. Wenn man die Liste der Historiker liest, die aus FPÖ Nationalräten und vielen der Partei nahestehenden Fachleuten zusammengesetzt ist, wird klar: So ernst war das vom Herrn Rosenkranz nicht gemeint, wie so oft bei der FPÖ.

Schauen wir uns also einmal die Liste der Beteiligten an:

Wilhelm Brauneder, Univ. Prov. Von 1996 bis 1999 als dritter Nationalratspräsident für die FPÖ im Parlament. Er ist der Leiter der Kommission und wohl genetisch vorbelastet. „Sein Vater war ein derart hingebungsvoller SA- Mann gewesen, dass er 1944 eine Eingabe machte, um seinen unauffälligen Familiennamen Bauch in den klingenden Brauneder ändern zu lassen“. (Profil, 11.8.2019)

Lothar Höbelt, ao.Univ. Prof. Seit den 1990 er Jahren Berater der FPÖ, mitverantwortlich für das Parteiprogramm 1997. Mitglied des Personenkomitees für Barbara Rosenkranz für die Bundespräsidentenwahl. Mitglied der Desiderius Erasmus Stiftung die von der AFD gegründet wurde und Autor in der inzwischen eingestellten als rechtsextrem eingestuften Zeitschrift des FPÖ Akademikerverbandes Aula.*1)

Gerhard Hartmann, römisch katholischer Kirchenhistoriker. Vormals Geschäftsführer des Lahn Verlags im deutsche Wallfahrtsort Kevelaer. Der Lahnverlag ist ein Verlag für religiöse Erbauungsliteratur und für Kitschdevotionalien jeglicher Art. Eigene Publikationen zur Kirchengeschichte werden abgerundet durch Erbauungstexte von Hildegard von Bingen bis Papst Franziskus. Es sind Bücher wie: Was mich trägt, Was mir heilig ist und Was mir gut tut, für die er als Herausgeber fungiert. Er hat auch eine Geschichte des Christlichen Cartellverbandes (CV) in Österreich verfasst.

Christian Hafenecker , neben Harald Vilimsky der zweite Generalsekretär der FPÖ und FPÖ-Nationalrat. Hafenecker besuchte nach der Hauptschule in Hainfeld das Militärrealgymnasium Wiener Neustadt und begann danach eine Lehrausbildung zum Landmaschinentechniker. Er legte 2002 die Berufsreifeprüfung ab und studierte einige Semester Rechtswissenschaften an der Universität Wien. 2014 beendete er ein Studium Führung, Politik und Management am FH-Campus Wien .

Stefan Karner, Univ. Prof. Historiker an der Universität Graz. Er beschäftigt sich im weitesten Sinn mit Kriegsfolgenforschung, Restitution und Wiedergutmachung. Aber auch mit Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte.

Andreas Mölzer, der Umvolkungstheoretiker der FPÖ und Aula Autor. Gründer der deutschnationalen Wochenzeitung „Zur Zeit“, Burschenschaftler, Romanautor und Lyriker*2), Hansdampf in allen rechten Gassen. Man könnte ihn inzwischen fast als Faktotum der rechten österreichischen Szene bezeichnen.

Norbert Nemeth, Jurist. Seit 2006 Klubdirektor des freiheitlichen Parlamentsklubs. Mitglied der Burschenschaft Olympia. Unter dem Pseudonym S. Coell veröffentlichte er drei historische Romane, deren Leserkreis sich auf einschlägig interessierte Kreise beschränkt. Thematisch geht es immer um das eine: Die Bedrohung von Freiheit und Demokratie durch linke Gesellschaftsentwürfe.

Reinhard Olt, Historiker, Politwissenschaftler, früher Redakteur bei der FAZ. Er hat für die FPÖ die Geschichte der im wahrsten Sinne des Wortes brisanten FPÖ- Südtirolpolitik aufgearbeitet. Schreibt auch für „ Alles Roger“ und „ unzensuriert“, da allerdings unter einem Pseudonym wie „Reynke de Vos“ und „Herrolt vom Odenwald“.*3)

Kurt Scholz, Sonderbeauftragter der Stadt Wien für Restitutions – und Zwangsarbeiterfragen. Kolumnist der Tageszeitung „ Die Presse“.

Mario Strigl, Historiker, Politikwissenschaftler, Unternehmer ( Politik und Wirtschaftsberatung), Milizoffizier, Vizepräsident der Offiziersgesellschaft Wien und Leiter des Archives der österreichischen Militärhistorie.

Michael Wladika, Historiker, Jurist, Mitarbeiter der österreichischen Historikerkommission, die zwischen 1998 und 2003 im Auftrag der Regierung unter Kanzler Schüssel über den Vermögensentzug bzw. seither erfolgte Rückgabe und Entschädigung forschte.

Johannes Kalvoda, Historiker. Er hat mit obigem Michael Wladika, Hannes Rosenkranz und Gerald Bretter Messler (jetzt FPÖ Bezirksrat in Wien Neubau) ein Festschrift für Lothar Höbelt zu dessen 50. Geburtstag herausgegeben. Die genannten haben alle bei Lothar Höbelt promoviert. Was genau sie für die Historikerkommission der FPÖ sonst noch qualifiziert, wissen wir nicht.

Dr. Anton Karl Maly, Historiker. Ehrenmitglied des Vereins Muttersprache und eifriger Leserbriefschreiber zum Thema deutsche Sprache.

Erwin A. Schmidt, Autor bzw. Mitautor mehrerer Bücher zur Zeitgeschichte. Militär- und politische Geschichte, insbesondere des 19. und 20. Jahrhunderts; Entwicklung internationaler Friedensoperationen; österreichische sowie europäische Sicherheitspolitik nach 1945.

Thomas R. Grischany, Mag . phil. Seit 2013 Lehrbeauftragter an der Webster Vienna Private University. 2015 erschien sein Buch „Der Ostmark treue Alpensöhne: Die Integration der Österreicher in die großdeutsche Wehrmacht, 1938–45.“ Grischany war in der abgelaufenden Legislaturperiode zeitweise parlamentarischer Mitarbeiter des blauen Rechtsaußen-Abgeordneten Martin Graf und er war Leiter von Straches Think Tank „Denkwerk Zukunftsreich“, der im Sportministerium angesiedelt war und von dem niemand weiss was für Aufgaben er hatte ausser gut dotierte Posten bereitzustellen. Zusätzlich publizierte Grischany auch beim FPÖ Verein Atterseekreis *5)

Dann gibt es noch die Koordinierungsgruppe für die Historikerkommission

Hilmar Kabas, FPÖ Ehrenobmann

Peter Fichtelbauer, Volksanwalt. Mitglied der Ferialverbindung deutscher Hochschüler Waldmark. Mitglied des Vereins zur Pflege des Grabes Walter Nowotnys*4)

Ursula Stenzel (die Stenzel)

Anneliese Kitzmüller , FPÖ Politikerin. Dritte Präsidentin des Nationalrates. Vizeobfrau der Mädchenschaft Iduna. Kitzmüller besuchte nach der Volksschule ein Realgymnasium in Linz und studierte anschließend Rechtswissenschaften. Ihr Studium blieb jedoch ohne Abschluss. Zwischen 1982 und 1987 war sie Bankangestellte und 1999 bis 2005 Geschäftsführerin der Futura‘ chemische und landwirtschaftliche Vertriebs Ges.m.b.H.

Harald Stefan, FPÖ Nationalrat . Ehemaliges Mitglied der der rechtsradikalen Burschenschaft Olympia.

Reinhard Eugen Bösch, FPÖ Nationalrat, Mitglieder der Burschenschaft Teutonia. Er kam auf die glorreiche Idee von der Einnahme nordafrikanischen Territoriums durch „Truppen“ um die illegale Migration zu stoppen.

Andreas Mölzer.

Also da ist jetzt jede Menge FPÖ Prominenz und einige hochkarätige Fachleute forschend und organisierend involviert. Herausgekommen ist nichts, was auch nur im Geringsten einem wissenschaftlichen Anspruch für eine solche Dokumentation genügt. Für die Beteiligten Universitätsprofessoren muss so etwas eigentlich ziemlich peinlich sein. Mit den israelischen Historikern, die für das ganze Unternehmen einen abschließenden Persilschein ausstellen sollen, hapert es auch noch ein wenig. Zusammenfassend kann man konstatieren: Viel Lärm um nichts.

Die Endfassung des Berichtes, die eigentlich schon 2018 hätte erscheinen sollen, wird wohl im Jahre Schnee veröffentlicht. Und ich weiß heute schon, was darin steht: Aus rein biologischen Gründen gibt es in der FPÖ keine Nazis mehr und da somit die biologische Erblinie erloschen ist, gibt es klarerweise auch keine Neonazis mehr. Schluss, basta, die Historikerkommission hat gesprochen.

*1)https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Lothar_H%C3%B6belt

*2) Der Graue, Roman von Andreas Mölzer.
Im Mittelpunkt des Geschehens sucht ein einsamer, übriggebliebener Arier in einer von einem Atomschlag zerstörten Welt nach einer weiblichen Gefährtin, vornehmlich ebenso arisch wie er, um die – eigene – Art zu erhalten. Die Dinge verlaufen allerdings nicht plangemäß, denn eine „Bronzefarbene“ kreuzt seinen Weg, schließlich führt eines zum anderen ..….. und „langsam, mit beinahe ruckhaften Bewegungen näherte sich der Graue der Bronzehäutigen. Seine Hände gierten nach ihren Brüsten, seine Knie versuchten, ihre Schenkel auseinanderzudrücken (…) Der Graue war wie von Sinnen – er erhob sich halb über den Körper der Frau und begann mit beiden Händen auf sie einzuschlagen. Und nun, da die Bronzehäutige willenlos unter ihm lag, drang er mit einem Ruck in sie ein – und nach einigen heftigen Stößen brach er auf ihr zusammen. Ihre vorher bronzeschimmernde Haut war mit Schweiß und Blut verschmiert, blaue Schwielen und Kratzspuren zogen sich über die Brust, die sich in langsamen, gepreßten Stößen hob und senkte. (…) Der Körper der Diva lag willenlos auf dem zerrauften Lager, Sperma tropfte von der Innenseite ihrer Schenkel auf den Teppich. Er wandte sich ab, voller Abscheu, angeekelt vor sich selbst. (aus: derStandard.at, 26.3.2014)

Lob der Kälte“, einer Sammlung von 41 Gedichten, erschienen 1993 im einschlägig bekannten Arun-Verlag.
Jörg, der Eisbrecher. (1990)

*3)https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Olt

*4)https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Nowotny

*5)https://www.stopptdierechten.at/2019/05/10/straches-think-tank-leiter-grischany-kommt-der-echte-faschismus/

Klicke, um auf 2017-05-Attersee-Report.pdf zuzugreifen

Der Atterseekreis ist der Versuch der FPÖ ein intellektuelles Unterfutter zu verpassen. Im Jahre 2012 wurde der Atterseekreis auf Initiative des oberösterreichischen FPÖ-Landesobmannes Manfred Haimbuchner in Nußdorf am Attersee wiederbelebt. Vorsitzender war bis März 2017 der ehemalige freiheitliche Budgetsprecher im Nationalrat Alois Gradauer. Im März 2017 folgte ihm in dieser Funktion der Klubdirektor des freiheitlichen Parlamentsklubs im Nationalrat Norbert Nemeth nach. Der Vereinssitz des seit der Wiedergründung streng wirtschaftsliberal orientierten Vereins befindet sich bei der FPÖ-Landesgeschäftsstelle in Linz, die Finanzierung erfolgt teilweise über das Land Oberösterreich. 2017 erhielt der Verein etwa 70.000 Euro als „Förderung von Volksbildungseinrichtungen“.

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